25 Jahre Fairer Handel in Vaihingen Mit dem Tapeziertisch fing alles an

Von Stefanie Käfferlein 

Den Verein Kiwicha-Weltladen gibt es seit mittlerweile 25 Jahren. Ehrenamtliche helfen im Laden am Vaihinger Markt und Vereinsmitglieder machen bildungs- und entwicklungspolitische Arbeit.

Jürgen Möck und Sonja Hermann freuen sich über  das Jubiläum. Foto: Stefanie Käfferlein
Jürgen Möck und Sonja Hermann freuen sich über das Jubiläum. Foto: Stefanie Käfferlein

Vaihingen - Bunt ist das Lädchen am Vaihinger Markt mit der Hausnummer 11. Da hängen Pullover und Schals, Ledertaschen werden in den Regalen präsentiert, ebenso Schmuck, Kunsthandwerk, Kinderspielsachen, Gewürze, Kaffee und Tee – alles fair gehandelt. „Der Laden ist sozusagen unser Vereinsinstrument“, sagt Jürgen Möck. Er ist mit Peter Frommer und Birgit Fiedler Vorsitzender des Vereins Kiwicha-Weltladen. Der Laden gehört zum Verein und der Verein gehört zum Laden.

Die Bewegung der Weltläden entstand vor rund 40 Jahren. Der Grund: die Hungersnöte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das Ziel: die Unterstützung sollte nicht auf Spenden basieren, sondern auf einer echten Partnerschaft. „Bei mir im Haus wohnten zwei Studentinnen, die von einer Peru-Reise die Idee für einen solchen Verein mitbrachten“, erinnert sich Betti Beyer. Schnell war Beyer mit im Boot, denn für die Vereinsgründung wurde noch eine Person benötigt. Die Seniorin ist als einziges Gründungsmitglied noch heute im Weltladen aktiv. Das erste erwirtschaftete Geld schickten die Mitglieder nach Peru. „Damit sich Frauen Land für den Maisanbau kaufen konnten“, erzählt Beyer. Gerne erinnert sich die Seniorin an die Anfänge. „In der ersten Zeit waren wir mit einem Tapeziertisch auf dem Wochenmarkt“, sagt sie. Es folgte eine Verkaufsnische im Vorraum des Mütterzentrums. „Das war eine herrliche Symbiose“, sagt Beyer. Wenn die Frauen keine Kundschaft hatten, wiegten sie kleine Kinder im Arm. „So konnten die Mütter auch mal verschnaufen und ihren Kaffee genießen“, sagt Beyer.

Einheitliche Bezeichnung „Stuttgarter Weltläden“

Nach der Zeit im Mütterzentrum folgte schließlich der erste Laden am Kelterberg und zum zehnjährigen Bestehen der Umzug an den Vaihinger Markt. Die Entwicklungen in dem Stuttgarter Stadtbezirk gingen mit den bundesweiten einher. „Das Ganze sollte professioneller aufgezogen werden“, sagt Möck. In Stuttgart wählte man die einheitliche Bezeichnung „Stuttgarter Weltläden“ und ein gemeinsames Logo. „In der Mitte sieht man die liegende Drei“, sagt Möck. Ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Weltläden zumeist noch den Namen Dritte-Welt-Läden trugen. Die Vaihinger entschieden sich zudem dafür, den Laden länger zu öffnen und eine 50-Prozent-Kraft einzustellen – Sonja Hermann. Sie kümmert sich unter anderem um den Einkauf und die entsprechende Präsentation im Geschäft. „Dazu haben wir ehrenamtliche Helfer“, sagt Hermann, die seit ihrem 14. Lebensjahr in Weltläden einkauft. Wer im Laden mithelfen möchte, muss nicht gleichzeitig Mitglied im Verein werden, betont Möck.

Zu den Aufgaben des Vereins gehört außer der Verwaltung der Finanzen die bildungs- und entwicklungspolitische Arbeit. In diesem Jahr gab es in Sachen fairer Handel in Vaihingen etwas zu feiern. Als einer der ersten Stadtbezirke wurde Vaihingen als Fairtrade-Stadtbezirk ausgezeichnet. Angestoßen hatte das der Weltladen. Am Sonntag, 23. September, feiert der Verein von 11 bis 13 Uhr seinen 25. Geburtstag in der Alten Kelter am Kelterberg. Stuttgarts Bürgermeister Werner Wölfle wird ein Grußwort sprechen. Siegfried Hermann berichtet von seiner Firma Kipepeo. Das Unternehmen ist Partner von ostafrikanischen Kleinbauern. Diese stellen von der Sonne getrocknete Früchte her und produzieren sie für den fairen Handel. Eine Band tritt auf, es gibt einen Imbiss und die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.




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