25 Jahre Waldhaus-Jugendhilfe Leonberg Ein Team für die Jugend in der Stadt

Feier zum 25-jährigen Bestehen der Waldhaus Jugendhilfe in Leonberg: Die Party stieg im Jugendcafé Siesta. Foto: Jürgen Bach

Seit 25 Jahren ist die Waldhaus-Jugendhilfe in Leonberg aktiv. Die Tätigkeitsfelder der Sozialarbeit sind vielfältig – und oft auch nicht klar voneinander getrennt. Das ist Absicht, wie die Verantwortlichen versichern. Dass es funktioniert, zeigt sich an vielen Stellen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Schulsozialarbeit? „Die gab’s in der Anfangszeit nur in Brennpunktschulen“, sagt Michael Groh, Bereichsleiter für kommunale Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit bei der Waldhaus-Jugendhilfe. Das bedeute aber nicht, dass es in Leonberg nicht auch solche gegeben hätte. „Früher war Schulsozialarbeit ein Makel, heute ist sie ein Qualitätsmerkmal“, fügt Susanne Bär hinzu. Sie ist die Dienstälteste im Waldhaus-Team, das im Schülercafé der Leonberger Gerhart-Hauptmann-Realschule Platz (GHR) genommen hat. Seit 25 Jahren ist das Waldhaus nun schon in Leonberg aktiv, zu erzählen gibt es einiges. Denn die Schulsozialarbeit ist nur eines von vielen Tätigkeitsfeldern. Angefangen hat alles mit der mobilen Jugendarbeit – im Jahr 1998 mit einem provisorischen Jugendbüro in der Stadtmitte.

 

In Höfingen nahm das Konzept einst konkrete Züge an

Die Kommune hatte die Jugendarbeit für die Kernstadt ausgeschrieben, das Waldhaus ein Konzept eingereicht. Das sah – und sieht heute in Grundzügen noch immer – eine Mischung aus Jugendhaus und mobiler Jugendarbeit vor.

1998 gab’s den Gemeinderatsbeschluss,nur ließen so richtig geeignete Räume noch auf sich warten. Erst im Jahr 2001 folgte der Umzug in die Distelfeldstraße, wo das Jugendcafé Siesta eröffnet wurde. Schon ein Jahr zuvor wurde an der Grund- und Hauptschule in Höfingen die erste Schulsozialarbeit impliziert. Stand heute ist das Waldhaus an der GHR, der Pestalozzischule, am Albert-Schweitzer- und Johannes-Kepler-Gymnasium sowie an der Schelling- und der Spitalschule präsent. Offene Jugendarbeit im Siesta, mobile Jugendarbeit und Schulsozialarbeit. Beim Waldhaus lässt sich das nicht wirklich trennen. „Entsäulung der Sparten“ nennt das Michael Groh. „Die Idee wurde im Stadtteil Höfingen angewandt, sie war neu, und uns wurde schon auch vorgeworfen: Ihr seid alles und nichts richtig.“ Parallel zur Entwicklung des Cafés Siesta und der mobilen Jugendarbeit in der Kernstadt nahm auch die Schulsozialarbeit Fahrt auf, zunächst in Höfingen. Nach zehn Jahren entschied sich die Stadt dann jedoch für einen kompletten Break, das Waldhaus-Team sollte sich in Zukunft auf die Kernstadt konzentrieren. So ist es noch heute.

Verlagerung nach Leonberg als „tolle Gelegenheit“

„Das war für uns aber auch eine tolle Gelegenheit“, so Groh. Und inzwischen sei Leonberg „paradigmatisch dafür, wie Jugendarbeit auf kommunaler Ebene aussehen“ könne. Ein Jugendcafé in unmittelbarer Nähe zu Gymnasien, Realschule und Schellingschule, eine kooperative Stadtverwaltung – und Mitarbeiterinnen, deren Tätigkeitsfeld sich in fast jedem Fall auf verschiedene Tätigkeitsbereiche entfaltet. Bald stößt auch noch ein männlicher Kollege zu der Truppe.

Soviel zur langen Geschichte, während der sich einiges verändert hat. „Wir sehen die Jugendlichen natürlich aufwachsen“, sagt Susanne Bär. Und es sei eklatant, wie sehr sich die Bedürfnisse geändert hätten. „Natürlich vor allem im Bereich der Medien, ganz klar“, fügt sie hinzu. Aber man entwickle sich auch selbst gemeinsam mit den Jugendlichen weiter, frage sie, was sie bewege, was die Themen seien. Bär, die für die Schulsozialarbeit an der GHR zuständig ist, betont zudem: „Die Jugendlichen müssen sich wohlfühlen und ernstgenommen fühlen. Dann kommt ein Vertrauensverhältnis zustande.“

Die Schüler sprühen oft nur so vor Elan und Ideen, wie sie berichtet. Im Schülercafé arbeiten sie an der Gestaltung und helfen im Thekenteam mit. Allerdings sagt Michael Groh auch: „Das Bearbeiten schwieriger Lebenslagen hat zugenommen.“ Der Fokus auf Themen wie Suizidalität, Liebeskummer, Probleme im häuslichen Kontext, Änderung der Wohnsituation, er sei zwar schon immer da gewesen – aber nicht in dieser Häufigkeit. „Wir werden verstärkt mit schwierigsten Lebenslagen konfrontiert.“ Was indes gleichgeblieben sei: Die Jugendarbeit drifte nicht in Richtung therapieorientierte Einzelfallhilfe ab.

Schwierige Lebenslagen kommen immer häufiger vor

Allein in der Kernstadt hat es die Waldhaus-Jugendhilfe mit mehr als 2000 Kindern und Jugendlichen zu tun. Mit der mobilen Jugendarbeit taucht das Team in die Lebenswelt der Jugendlichen ein, ist mitten in der Innenstadt unterwegs, hat feste Präsenzzeiten und geht auf die Jugendlichen zu. „Wir akzeptieren dabei die sozialen Regeln der Gruppe, wir nehmen die Jugendlichen an“, sagt Teresa Telleni, die regelmäßig „draußen“ unterwegs ist.

So greift beim Waldhaus vieles ineinander. Zum Schluss bringt Susanne Bär einiges auf den Punkt: „Es braucht eine Menge Idealismus und ganz viel Herz. Aber im Team sind wir am stärksten.“

Waldhaus: Was und wie?

Geschichte
 1957 wird in Hildrizhausen die Jungenheim Waldhaus GmbH gegründet. Inzwischen ist die Jugendhilfe in 21 Städten oder Gemeinden aktiv.

Kontakte
 Informationen gibt es im Internet auf www.waldhaus-jugendhilfe.de. Hier finden sich zahlreiche Eckdaten. Der direkte Kontakt zu den einzelnen Zweigen in Leonberg lässt sich am besten über die Sozialen Medien herstellen, also über Facebook oder Instagram.

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