250 Musizierende begeistern volle Kongresshalle Konzert zu Einheitsfest und Musikschulgeburtstag

Chöre aus Ehningen und Böblingen samt großem Sinfonieorchester begeistern das Publikum in der Kongresshalle mit eingängigen Melodien. Foto: /Stefanie Schlecht

Beachtliches Doppelkonzert zu Einheitsfest und Musikschuljubiläum: 250 Mitwirkende begeistern mit eingängigen Melodien von John Rutter und Karl Jenkins eine voll besetzte Böblinger Kongresshalle. Rund 1000 Zuhörer spenden stehend Ovationen.

Es gibt viele Möglichkeiten herauszubekommen, ob den Zuhörern ein Konzert gefallen hat. Natürlich gab es am Dienstag Applaus, Ovationen im Stehen und viele Bravorufe: Unter dem Motto „Musikschule Verein(t)“ zeigten mehr als 230 Musizierende ihr Können. Wie intensiv Musik aber auf die Seele der Zuhörer wirkt, konnte man auch daran erkennen, dass ausnahmslos alle, die den Europasaal der Kongresshalle verließen, mit strahlenden Augen zum Ausgang strebten. Das Auge ist bekanntermaßen das Fenster zur Seele.

 

Äußerer Anlass war der Jubiläumstag der deutschen Einheit und das 60-jährige Bestehen der Böblinger Vorzeigemusikschule. Dazu passt auch, dass eine Delegation aus der Partnerstadt Sömmerda mit Bürgermeister Ralf Hauboldt dieses Konzert in der Kongresshalle besucht hat. Böblingens OB Stefan Belz hat in seiner wohltuend kurzen Rede Dankesworte an die Ausführungen gerichtet und seine Freude artikuliert, dass so viele Menschen, nämlich gut 1000, in die Kongresshalle gekommen waren.

Zum Schluss bedankte sich auch Musikschulleiter Rainer Kropf bei allen, die organisatorisch und ausführend mitgewirkt haben.

Wohltuend war zunächst auch die Musikwahl zum 3. Oktober, keine deutsche Nationalhymne und keine „Freude schöner Götterfunken“, sondern zwei Werke von englischen Komponisten, die bei Chören in unserer Region sehr beliebt sind. Von John Rutter erklang die „Mass for the Children“, die er aus einem traurigen Anlass komponiert hat. Nach dem ersten Studienjahr starb sein 19-jähriger Sohn an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Es wurde 2003 in der Carnegie Hall von New York uraufgeführt.

„Gloria“ von Karl Jenkins

Das zweite Werk war das „Gloria“ von Karl Jenkins, einem gebürtigen Waliser. Beide Werke sind auch für gute Laienchöre aufführbar. Musikalische Zutaten sind Harmonien und Rhythmen der gepflegten Popmusik, manchmal gewürzt mit leichten Rockelementen oder lateinamerikanischen Klangfarben. Beide Werke verlangen neben einem großen Chor und einem üppig besetzten Sinfonieorchester auch zwei Gesangssolisten. Hier wirkten Angela Castellani (Sopran) und Hans Porten (Bariton) mit und ließen ihre jugendlich strahlenden Stimmen ertönen. Die Sopranistin stammt aus dem Jungen Kammerchor und studiert jetzt Gesang. Die einfachen Strukturen der Werke, die nie sentimental werden, enthalten darüber hinaus Gesten außereuropäischer Musik. Beim „Gloria“ werden ergänzend kurze Textstellen aus religiösen Schriften verschiedener Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Tao und Islam) eingestreut. Jenkins’ bekanntes „Adiemus“, mit seinen etwas altertümlich klingenden Harmonien wurde als bejubelte Zugabe geboten.

John Rutters „Mass for the Children“ und Karl Jenkins’ „Gloria“

John Rutters Komposition wurde dirigiert von Simone Reißing-Szabó, das „Gloria“ lag in den dirigierenden Händen von Clemens König. Vorbereitend tätig waren außerdem Ineke Busch, Stephan Bergdolt und Patrizia Bieber. OB Belz wies zu Recht darauf hin, dass diese konzertierte Aktion, an der viele verschiedene Musiker/-innen mitwirkten, auch ein Symbol für die deutsche Wiedervereinigung ist. Die deutsche Bevölkerung bestehe heute aus Menschen mit verschiedenster Herkunft. So spiegelten auch die mehr als 230 Musizierenden wider, was Zusammenhalt bedeutet. So gut gefüllt hat man den Europasaal der Kongresshalle bei einem Konzert selten erlebt.

Viele Monate Probenarbeit

Zwar war die Musik auch eingängig, die Amerikaner sagen „easy going“, aber so viele Menschen müssen erst einmal zur Überzeugung gebracht werden, bei diesem einzigartigen Projekt dabei sein zu wollen.

Die durchaus anspruchsvollen Klänge fluteten effektvoll den Europasaal der Kongresshalle. Unter der Anleitung der beiden Dirigenten wurde aber dennoch differenziert musiziert, was eine gute Probenarbeit vermuten lässt. Die Chöre realisierten eine gute Klangbalance zwischen den hohen und tiefen Lagen, zumal auch Männer- und Frauenstimmen gleichwertig besetzt waren. Besondere Frische strahlte der Mädchenchor im Gemisch der Klangfarben aus, der links von der Bühne platziert war. Das Orchester setze eigenständige Akzente. Mitwirkende waren das Orchester des AEG, insgesamt Schüler und Lehrkräfte der Musikschule, das Streichorchester der Musikschule, der Chor Vocalix des Böblinger Liederkranzes und der Chor Taktvoll des Ehninger Liederkranzes, der Schüler- und der Lehrerchor des AEG und der Junge Kammerchor Böblingen.

Die Arbeit an diesem großformatigen Konzert begann bereits im Frühjahr, die weitere Probenarbeit startete nach den Sommerferien, und am verlängerten Wochenende wurde intensiv gearbeitet. Clemens König sagte: „Auch alle Mitwirkenden waren beglückt und von der Idee emotional erfüllt.“ Und der Musikschulleiter Rainer Kropf meinte: „Im Rahmen unserer Musikschuljubiläumskonzerte war die Kongresshalle jetzt fünfmal voll besetzt. Auch das ist ein beglückendes Ergebnis von Akzeptanz.“ Vor rund 40 Jahren beklagte sich der damalige Leiter der Böblinger Kantorei, Helmut Wolf, der selbst viele bemerkenswerte Konzerte auf die Beine stellte, dass Böblingen in Sachen Kultur und Musik doch ein „karger Acker“ sei. Das hat sich seitdem geändert.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Böblingen Ehningen Musikschule