Vor wenigen Tagen hat Winfried Bauer seinen 80. Geburtstag gefeiert. Das Alter sieht man dem ehemaligen Lehrer der Zeppelinschule Fellbach nicht an. Man begegnet ihm seit Jahren verlässlich, wenn es in der Stadtgesellschaft um soziale, sozialkritische und Migrationsthemen geht. „Es braucht immer jemanden, der einen Stein ins Wasser wirft“, umschreibt er sein Engagement in diesen Bereichen.
Winfried Bauer ist diesbezüglich sehr aufmerksam, hellhörig und akribisch. Auch kürzlich hat er sich wieder für den Erhalt der Demokratie eingesetzt. Es war Bauer, der in Fellbach „einen Stein ins Wasser“ geworfen hat. Das hat Wellen ausgelöst. Letztendlich haben sich Anfang März knapp 40 Vereine und Organisationen und mehr als 700 Menschen an der Kundgebung für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt vor der Schwabenlandhalle beteiligt.
Die Kundgebung im März war erst der Auftakt
Als Winfried Bauer sah, dass sich in Deutschland und in den Nachbarorten Bürger zusammengefunden haben, um sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen, hat er gehandelt und ein achtköpfiges Organisationsteam um sich geschart. Die Kundgebung im März vor der Schwabenlandhalle war erst der Auftakt, weitere Veranstaltungen sollen folgen.
Ziel ist es, in Fellbach ein Bündnis für Demokratie zu schaffen. Mehr als 100 Unterschriften hat Winfried Bauer dafür schon gesammelt. Besonders freut ihn, dass auch die drei Sportvereine der Stadt voll hinter der Initiative stehen. Fellbach war nicht die erste Stadt, in der zu solch einer Veranstaltung aufgerufen worden war. Aber Fellbach hat es geschafft, die Kundgebung ruhig und ohne politische Färbung zu leben. Sicher auch ein Verdienst von Winfried Bauer.
Das gilt rückwirkend auch für den Weltladen. In Schorndorf, Winnenden, Backnang und Bad Cannstatt gibt es dieses Angebot schon seit etwa vier Jahrzehnten, in Fellbach wurde am 12. April 1994 die Basis dafür geschaffen, als der überkonfessionelle und überparteiliche „Verein für eine gerechte Welt Fellbach“ gegründet wurde. Den Impuls dazu gab Winfried Bauer. Der Verein zählte damals 25 Mitglieder, heute sind es fünfmal so viele. Von 2009 bis 2019 war Winfried Bauer auch Vorstand des Vereins und somit auch im Weltladen der „Chef“. Bis heute macht er zusammen mit seiner Frau Brigitte für den Verein Bildungsarbeit und hält Vorträge zum Thema Fairtrade, Fairer Handel, vor Schulklassen, in der Volkshochschule, bei Firmen und kirchlichen Einrichtungen. Beiden ist es wichtig, auf die Bedeutung fair gehandelter Waren und auf die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Herstellungsländern hinzuweisen. Dabei beschränken sie sich nicht auf Infos über Lebensmittel, sondern beleuchten diese Thematik auch für Textilien. Sie sensibilisieren für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Im Weltladen an der Seestraße hat sich mittlerweile das Angebot konsolidiert, ein Schwerpunkt liegt auf fairer Kleidung aus Naturmaterialien, die unter guten, regelkonformen, ordentlichen Arbeitsbedingungen hergestellt wird.
Winfried Bauer findet immer Mitstreiter
Sensibilisieren, hin und nicht wegschauen, das ist Winfried Bauer wichtig. Er sucht und findet dafür immer Weggefährten, Mitstreiter. Er saß im Ausländerbeirat der Stadt Fellbach, er bringt sich vielfältig bei Fragen zur Migration in unterschiedlichen Gremien ein. Sein Gedankengut ist geprägt vom CVJM, wo er sich schon in jungen Jahren sozialisiert hat. Er kümmert sich um das Weitertragen von kulturellen Werten. Im Jahr 2020 hat er zusammen mit seiner Frau die Musik-Reihe „Grenzenlos“ in Fellbach angeregt. In Kooperation mit dem Kulturamt und dem Verein für eine gerechte Welt als Träger des Fellbacher Weltladens werden in der Reihe Weltmusik-Konzerte angeboten. Die Reihe wurde schnell sehr gut angenommen und hat sich etabliert. Die Vorschläge für die Ensembles und Musiker kommen meist vom Ehepaar Bauer. Sie haben auch in diesem Fall den Stein ins Wasser geworfen.
So sei das häufig, beobachtet Winfried Bauer, der Weltladen sei nach wie vor ein gutes Beispiel. Der Weltladen hat im Einzelhandel Fellbachs seinen festen Platz. Der Standort an der Endhaltestelle ist günstig, das Sortiment ist gewachsen, längst kommen die Kunden nicht mehr ausschließlich wegen fairem Kaffee und frischem Obst, sondern auch wegen Accessoires und vor allem der Mode. Das gilt auch für die anderen Weltläden im Rems-Murr-Kreis, alle werden mittlerweile von Vereinen getragen, Ehrenamtliche stemmen den Verkauf.
Die Idee ist 1983 bei einer Menschenkette geboren worden
So ist die Idee für den Weltladen in Winnenden am 22. Oktober 1983 bei einer Menschenkette von Friedensaktivisten geboren worden. Bereits nach sechs Wochen, am 8. Dezember, fand die Eröffnung des Weltladens statt. Erst drei Jahre später, 1986, wurde aus rechtlichen und finanziellen Gründen der Verein „Dritte Welt Winnenden und Umgebung“ als Träger des Ladens ins Leben gerufen. Hinter den drei Weltläden in Backnang, Murrhardt und Waiblingen steht eine GmbH. „Das Forum Eine Welt e.V. Backnang“ (FEW), vor rund 40 Jahren gegründet, ist ihr alleiniger Träger und Gesellschafter.
Die Weltladeninitiative in Schorndorf geht auf die Anfänge der 1970er Jahre zurück. Schüler und Schülerinnen, die sich mit dem in Schulbüchern vermittelten Bild von der sogenannten „Dritten Welt“ befassten, haben sie vor rund 50 Jahren ins Leben gerufen. Der erste Weltladen in der Daimlerstraße befand sich in der Straße hinter der Burg und wurde am 12. April 1980 eröffnet. Der 12. April scheint für Weltläden also ein besonderer Tag zu sein.
Das Fest zum 30. Geburtstag des Weltladens In Fellbach wird in den Sommer verlegt. Das Datum steht noch nicht fest.