Flüchtlinge aus der Ukraine 300 Kinder warten auf einen Schulplatz in Stuttgart

Diese Schüler aus der Ukraine lernen in einer Vorbereitungsklasse an der Ameisenbergschule in Stuttgart deutsch. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Knapp 300 Flüchtlingskinder aus der Ukraine stehen derzeit beim Staatlichen Schulamt Stuttgart auf der Warteliste für einen Schulplatz. Aber die Einrichtung von Vorbereitungsklassen gestaltet sich mühsam.

An vielen Stuttgarter Schulen sind Flüchtlingskinder aus der Ukraine direkt in Regelklassen gelandet – unabhängig davon, ob sie deutsch können oder nicht. Inzwischen stehen weitere 300 beim Staatlichen Schulamt auf der Warteliste für einen Schulplatz. Doch mit der Einrichtung von Vorbereitungsklassen tun sich die Schulbehörden schwer. Dabei würden solche Klassen dringend gebraucht. Auch an Gymnasien.

 

Vorbereitungsklassen sind voll

Beim Schulamt stehen derzeit 210 ukrainische Flüchtlinge auf der Warteliste für einen Schulplatz in der Sekundarstufe – „das sind die, von denen wir wissen, dass sie einen Schulplatz wollen“, sagt Amtsvize Birgit Popp-Kreckel. Ende Mai könnten allerdings weitere dazustoßen, denn da ende das ukrainische Schuljahr – „und wir wissen nicht, wie viele ukrainische Kinder bisher ausschließlich Fernunterricht über ihre Heimatschule haben“. Offen sei auch: „Bleiben die da? Gehen die zurück?“ Hinzu kämen 80 Kinder im Grundschulalter, die normalerweise von der Meldestelle direkt an die Schule im Schulbezirk geschickt würden. Aktuell gebe es in Stuttgart 55 VKL mit 989 Schülern. Doch die sind voll. Und für die Einrichtung weiterer Klassen fehle bisher das Personal.

Hürden bei der Personalgewinnung

„Das Nadelöhr ist die Gewinnung von Lehrkräften“, berichtet Popp-Kreckel. Denn nicht alle Personen auf der Vertretungspoolliste des Kultusministeriums seien geeignet oder riefen bei Bedarf tatsächlich zurück. „Die lassen sich registrieren, wir speichern ihre Kontaktdaten – doch manche reagieren auf unser Gesprächsangebot nicht.“ Manche sagten trotz eines Vertragsangebots seitens des Schulamts wieder ab – „die Gründe kennen wir nicht“, so Popp-Kreckel. Doch auch bei willigen Bewerbern gebe es unterschiedliche Hürden: „Manche können gar kein Deutsch; bei manchen ist die Arbeitserlaubnis nur bis Mitte Juni befristet – und was mach ich dann mit der Klasse?“, fragt sich die Schulamtsfrau. Mit manchen mache aber auch das Regierungspräsidium keinen Vertrag, weil Unterlagen fehlten. Das reiche vom Masernschutz über Sprachkenntnisse bis zur Arbeitserlaubnis.

Acht Verträge mit Lehrkräften

Doch es gibt auch kleine Erfolge. „Mit acht Personen haben wir schon Verträge geschlossen, die arbeiten schon “, so Popp-Kreckel. Bei drei bis vier weiteren sehe es gut aus, zwei von ihnen würden am 16. Mai mit Teilzeitverträgen starten, weil sie schon anderswo eine Arbeitsstelle haben. Bei acht Personen sei kein Vertrag zustande gekommen. Aber auf der Liste stünden zehn weitere, die noch unentschieden seien. Die würden natürlich dringend gebraucht. „Denn insgesamt haben wir fürs neue Schuljahr 20 neue VKL geplant“, so Popp-Kreckel.

„Täglich kommen Anfragen“

„Täglich kommen Anfragen“, berichtet Norbert Edel, der als Leiter des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums die Koordinierung der Vorbereitungsklassen an den Gymnasien übernommen hat. Anfragen von ukrainischen Flüchtlingen, die einen Platz im Gymnasium wollen. „Normalerweise nehmen wir nur Schüler auf, die ein Grundverständnis der deutschen Sprache haben“, erklärt Elly-Rektor Norbert Edel. Aber viele aus der Ukraine könnten kein Deutsch. Deshalb habe man für diese Kinder jeweils eine eigene VKL eingerichtet – am Elly und am Paracelsus-Gymnasium. Aber, so Edel: „Wir machen Einstellungsgespräche.“ Dabei klopfe eine Kollegin Sprachfähigkeit und schulischen Hintergrund der Kinder ab – „um zu sehen, ob das Sinn macht“. Diese ohne Deutschkenntnisse in Regelklassen länger hospitieren zu lassen, halte er „nicht für sinnvoll – die sitzen da drin und verstehen nichts“.

Gymnasien fordern Zusatzklassen

„Die Einrichtung weiterer Vorbereitungsklassen muss in Gang kommen“, fordert auch Manfred Birk, der kommissarische geschäftsführende Leiter der Stuttgarter Gymnasien. Edel ergänzt: „Wir warten auf Lehrpersonen.“ Am Elly sei die VKL möglich, weil ein Kollege aufgestockt und man umgeschichtet habe, zudem vier Zusatzstunden bewilligt bekommen habe. Weil dies nicht reiche, unterstützten Eltern ehrenamtlich, betreuten Gruppen mit oder machten Ausflüge. Vier weitere Gymnasien hätten je mindestens zehn Ukrainer aufgenommen und wollten VKL einrichten: Ebelu, Jörg-Ratgeb, Neues Gymnasium Leibniz und Solitude. Am NGL reiche das Personal durch Aufstocker.

Sechs VKL an beruflichen Schulen

An den gewerblichen Schulen habe man inzwischen die sechste Vabo-Klasse eingerichtet, wie die VKL dort heißen. Allesamt aus Bordmitteln gestemmt, wie der geschäftsführende Schulleiter Felix Winkler betont. „Wir rechnen aber damit, dass wir an die 20 zusätzlichen Klassen brauchen.“ Es sei ihm jedoch „schleierhaft, wo Räume und Personal herkommen sollen“.

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