Krippenplätze in Stuttgart fehlen 3464 Kleinkinder gehen leer aus

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In Stuttgart werden immer mehr Kitaplätze eingerichtet, dennoch stehen immer mehr unter Dreijährige auf der Warteliste. Gründe für diese ungewöhnliche Entwicklung sind der Mangel an Erzieherinnen und steigende Kinderzahlen.

Die Kinder drängen in die Stuttgarter Kitas. Foto: dpa
Die Kinder drängen in die Stuttgarter Kitas. Foto: dpa

Stuttgart - Familien, die in Stuttgart einen Krippenplatz suchen, tun sich weiterhin schwer. Obwohl die Stadt stetig den Kitaausbau vorantreibt, wächst die Warteliste. Ein wichtiger Grund: Stuttgart hat Kinderzuwachs. Allein im Vergleich zum Vorjahr gibt es in der Altersgruppe der unter Dreijährigen 720 Kinder mehr. Gründe sind mehr Geburten, aber auch mehr Zuzüge. Das wirkt sich auch auf die Versorgung in den Tagesstätten aus. So fehlen nach dem neuesten Abgleich 3464 Plätze für Kleinkinder, 260 mehr als im Vorjahr. Allein bei den Ein- und Zweijährigen stehen 2792 auf der Warteliste, also Kinder mit Rechtsanspruch. Das sind 287 mehr als im Vorjahr. Dennoch steigt die Versorgungsquote: Derzeit haben 42,6 Prozent der unter dreijährigen Kinder einen Kitaplatz, zumindest rechnerisch. Doch das reicht bei Weitem nicht. Besondere Engpässe gibt es in West, Süd, Ost und Feuerbach.

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Tatsächlich hat die Stadt seit 2012 zwar rund 2000 neue Krippenplätze geschaffen, allerdings können von den derzeit 7434 Krippenplätzen gar nicht alle belegt werden. Grund ist der Fachkräftemangel. Weil Erzieherstellen vakant sind, können insgesamt 450 vorhandene Plätze nicht angeboten werden. Doch der Ausbau geht weiter: 2257 zusätzliche Krippenplätze sind bereits beschlossen. Die Stadt peilt damit eine 84-prozentige Versorgung bei den Ein- und Zweijährigen an. Um besser planen zu können, will das Jugendamt künftig auch bei den freien Trägern erheben, wie viele Plätze dort nicht belegt werden können.

Jugendamt will Vergabe der Kitaplätze verbessern und beschleunigen

Auch beim Verfahren der Platzvergabe will das Jugendamt nachbessern. Es soll zum einen beschleunigt, zum anderen klarer und verständlicher werden. Dies soll dadurch erfolgen, dass Eltern bei der Anmeldung beim städtischen Träger nur noch drei Wunschkitas angeben dürfen. „Das Internet-Tool wird nur noch drei Einträge zulassen“, erklärt der Jugendamtsvize Heinrich Korn, und für Einrichtungen anderer Träger insgesamt maximal sieben Einträge.

Bisher hatten verzweifelte Eltern versucht, ihre Chancen durch Mehrfachanmeldungen zu verbessern. „Einige Kinder sind in mehr als 100 Kitas vorgemerkt“, hatte die Jugendamtsleiterin Susanne Heynen bei einem Diskussionsabend im Herbst berichtet. Jetzt kommt das Jugendamt einem Wunsch vieler Eltern nach und zen-tralisiert die Anmeldungen – allerdings gilt das nur für städtische Einrichtungen. Trotzdem können Eltern ihr Kind nach wie vor auch direkt in den Einrichtungen anmelden – „auch wer sich vor Ort anmeldet, landet in der Zentrale“, erklärt Korn. Den Eintrag müssten dann eben die Mitarbeiterinnen vor Ort machen. Testen könne man das neue Verfahren vorher nicht – „die Probe ist gleich der Echtbetrieb“.

Spätestens bis 15. Februar müssen Kinder beim städtischen Träger für das kommende Kindergartenjahr angemeldet werden, bis 1. April erhalten die Familien eine Rückmeldung über die Aufnahme, bis 1. Mai müssen Eltern verbindlich antworten, ob sie das Platzangebot annehmen.

Und es gibt noch eine weitere Neuerung: Erstmals müssen sich auch die Einrichtungen der freien Träger verpflichtend an dem Verfahren der Online-Platzbedarfsmeldung beteiligen. „Alle Kinder müssen über www.stuttgart.de/kits angemeldet werden“, so Heynen. Das bedeutet: „Jedes Kind muss online eingepflegt werden.“ Also müssen die Einrichtungen jede Vormerkung online registrieren, bearbeiten und beantworten. Ausgenommen davon seien nur die Eltern-Kind-Gruppen. Die Vergabe der Plätze bei den freien Trägern werde aber nach wie vor von diesen selbst vorgenommen und erfolge nicht über eine zentrale Plattform, betonte Heynen.

Auch die Zahl der Drei- bis Sechsjährigen wächst in Stuttgart

Zuwachs gibt es auch bei den Drei- bis Sechsjährigen. Nach Hochrechnungen des Jugendamts steigt ihre Zahl von 16 854 Kindern (Ende 2015) auf 18 120 Kinder im Jahr 2018. Derzeit können sie mit 17 663 Plätzen insgesamt zu 105 Prozent versorgt werden – rechnerisch. Denn wie bereits bei den Kleinen, sind aufgrund von Baumaßnahmen oder Personalmangels nicht alle dieser Plätze belegbar, und nicht alle Stadtbezirke sind gleich gut versorgt. Bei der Ganztagsbetreuung liegt Stuttgart bei rund 63 Prozent Versorgung. Dieser Anteil soll auf gut 71 Prozent gesteigert werden. Dann ist laut Jugendamt eine Bedarfsdeckung erreicht. Der Ausbau von weiteren 2346 Ganztagsplätzen ist schon beschlossen. Vorangekommen ist die Versorgung der Schüler durch den Ausbau der Schulkindbetreuung. Insgesamt können somit fast 45 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen in Hort, Schülerhaus oder Ganztagsschule versorgt werden.

Auch für Flüchtlingskinder spielen sich die Verfahren ein. Ende November 2016 bewohnten 661 Kleinkinder und 510 Drei- bis Sechsjährige die Unterkünfte. Von den Kindergartenkindern wurden 200 in städtischen Kitas, 82 in katholischen und 97 in evangelischen Tagesstätten betreut. Das sind mehr als vor einem Jahr; damals kamen 160 Kinder in Stuttgarter Kitas unter. Derzeit haben – trotz der 105-prozentigen Versorgung – stadtweit 201 Kinder zwischen drei und sechs Jahren keinen Kindergartenplatz, obwohl sie einen Rechtsanspruch haben. 125 von ihnen haben Fluchterfahrungen. Besondere Platzprobleme gibt es in Degerloch, Nord, Möhringen, West, Mühlhausen und Weilimdorf. Das Jugendamt will deshalb frühere Horträume gezielt für die Drei- bis Sechsjährigen einsetzen. Am Montag beschäftigt sich der Jugendhilfeausschuss mit der Situation.

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