40 Jahre Rockfabrik Ludwigsburg Rofa-Fans feiern den 40. bis in den Morgen

Unter der Regie von DJ Eddie Freiberger kommt auf dem Dancefloor im Palazzo keine Langeweile auf. Foto: Andreas Essig/essigfoto.de

Die Rockfabrik ist ein Mythos, der immer noch lebt. Bei der 40-Jahr-Party im Freiberger Palazzo haben sich die Fans an die besonderen Momente erinnert.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Küsschen links, Küsschen rechts – Chris Albrecht ist an diesem Abend ein gefragter Mann. Immer wieder begrüßt der ehemalige Chef der Rockfabrik Ludwigsburg Gäste, die gegen 22 Uhr in der Freiberger Diskothek Palazzo ankommen. Und immer wieder gleitet dem Manager ein Lächeln über die Lippen, das nicht aufgesetzt wirkt, sondern ganz offensichtlich von innen kommt. „Ich freue mich wirklich sehr über die Menschen und dass wir weiter miteinander feiern“, sagt Albrecht, der mit vielen Gästen der 40-Jahr-Party per Du ist und sie umarmt.

 

Ein Gegenpol zum bürgerlichen Einzelkämpfertum

Die Rockfabrik war seit ihren Anfängen am 30. November 1983 ein Anlaufpunkt für Freaks, Musikinteressierte und Anhänger einer Subkultur, die mit ihrem Selbstverständnis einer Community einen Gegenpol zum bürgerlichen Einzelkämpfertum und dem allgegenwärtigen schwäbischen Dogma des „Schaffa, schaffa, Häuslebauen“ bildete. Die „Rofa“ schloss kurz vor der Corona-Krise, weil im Jahr 2020 der Mietvertrag auslief und nicht verlängert wurde.

Heute ist sich Chris Albrecht sicher: „Wir hätten es nicht geschafft.“ Zu hoch wären die Kosten gewesen, die Lockdowns und die anderen Maßnahmen hätten das Aus bedeutet. Im Freiberger Palazzo fanden die Fans der Ludwigsburger Kultstätte jedoch eine neue Heimat. Mindestens einmal in der Woche, immer freitags, können sie regelmäßig bei ihren Klängen abtanzen.

Das Feiern am Freitagabend liegt nicht jedem

Eine Junggebliebene im Iron-Maiden-T-Shirt ist extra aus Karlsruhe angereist und genießt mit ihrem Begleiter die unkomplizierte Art des Feierns. „Es müsste noch mehr für uns gemacht werden“, sagt die 61-jährige Pharmamitarbeiterin, die am Samstag zur Arbeit früh aufstehen muss und deshalb lieber gerne am Samstagabend bis tief in die Nacht„ihre“ Musik hören würde.

Über die Gäste, die an diesem Abend in seinen Dancing-Park strömen, freut sich auch Ekkehard Menninger. Der Palazzo-Chef hat die Freunde der härteren Rockmusik gerne bei sich aufgenommen. Auf der Tanzfläche tummeln sich gegen 23  Uhr unter Laserstrahlen und glitzernden Reflektoren nicht nur ältere Gäste. Der DJ Eddie Freiberger, seit Jahrzehnten ein nicht wegzudenkender Rofa-Aktivposten, wechselt geschickt zwischen Musikstücken mit mehr oder weniger Drive. Abwechslung ist auch für Ekkehard Menninger ein wichtiges Stichwort: „Wir widmen einzelne Wochentagen bestimmten Zielgruppen.“ Samstags seien die jüngeren Gäste im Blick, mittwochs zum Beispiel könnten Tanzpaare jeden Alters beim Discofox Spaß haben.

Das freundliche „Du“ ist in der in der Community selbstverständlich

Einer der treuen Rofa-Gäste ist Walter Bräckle aus Ludwigsburg. Er erinnert sich gerne an die Zeit in der alten Location mir ihren Sitzecken. „Mich haben die Menschen und die Atmosphäre dort angezogen: Man konnte jeden anreden und kam sofort ins Gespräch.“ Vom Ingenieur bis zum Stapelfahrer, das freundliche „Du“ sei in der Community selbstverständlich gewesen. In handylosen Zeiten habe man sich in der Gruppe spontan zum Kino oder Ausflug verabredet.

Irgendwann am Abend finden sich Caro, Tom und Marion bei Rofa-Chef Chris Albrecht an einem der Tische ein und kommen ins Plaudern. Marion hat lange in der Rofa bedient. Probleme mit Gästen habe es selten gegeben, „die lagen im Promillebereich“. Drogen habe man schon immer abgelehnt – die Gesetzeshüter blieben skeptisch. Legendär war die Razzia der Polizei Ende der 1980er-Jahre, als die Landesregierung zum großen Schlag gegen den Drogenhandel ausholen wollte. „Wir hatten an dem Dienstag 300 Gäste, überall war die Polizei, aber es wurde nichts gefunden“, sagt Chris Albrecht.

Auf behinderte Menschen ist beim Tanzen immer Rücksicht genommen worden

In Erinnerung bleiben auch Tänze von Blinden oder anderen Behinderten. „Man hat immer sehr viel Rücksicht genommen“, erzählt Caro. Und Tom erinnert sich an die Tanzeinlage von einem Ü-70-Pärchen, das Rock’n-Roll-Figuren auf Musik von Elvis Presley abspulte und dafür von den anderen Gästen gefeiert wurden. „Egal, wie bunt oder schräg du warst, es war einfach in Ordnung.“

Die Atmosphäre in der Rockfabrik habe auch immer wieder Musiker der Metal-Szene in ihren Bann gezogen, erinnert sich Chris Albrecht, der sich an die Anfänge der Gruppe Metallica erinnert. „Die Deutschland-Tour verlief desaströs – ein Fan hat die Jungs damals bei uns abgeliefert.“ Daraus entwickelte sich eine Freundschaft. „Sie kamen regelmäßig, wenn sie in der Nähe waren.“

Die familiäre, menschliche Welt der Rockfabrik – sie glühte an diesem Jubiläumsabend einmal mehr auf. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden.

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