41-Jähriger aus Kreis Esslingen angeklagt Versuchter Totschlag vor Gericht – Ex-Frau mit Kopftuch gewürgt

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener

Weil er seine Ex-Freundin mit ihrem Kopftuch gewürgt haben soll, steht ein 41-Jähriger aus dem Kreis Esslingen seit Montag vor dem Landgericht. Die Anklage wirft ihm unter anderem versuchten Totschlag vor.

Reporter: Petra Pauli (pep)

In der Zeit zwischen den Jahren geht es auch bei der Justiz etwas ruhiger als sonst zu. So stand am Montag, dem ersten Werktag im neuen Jahr, vor dem Stuttgarter Landgericht genau ein einziger Fall auf der Tagesordnung. Aber der hatte es in sich und von buchstäblicher Ruhe konnte wenig Rede sein. Immer wieder kochten bei dem 41-Jährigen, der sich unter anderem wegen versuchten Totschlags vor der ersten Großen Strafkammer verantworten muss, lautstark die Emotionen hoch. Der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen hatte anfangs Verständnis, musste dann aber mehrmals selbst die Stimme erheben, um den Angeklagten und auch das Opfer, das als Nebenklägerin im Saal saß und mitunter ihren Unmut deutlich zeigte, zu einem angemessenen Verhalten zu ermahnen.

 

Laut Anklageschrift soll der 41-Jährige seiner ehemaligen Lebensgefährtin seit Längerem nachgestellt haben. Am 2. Juli 2022 soll er ihr ins Esslinger Industriegebiet hinterhergefahren sein, wo sie mit anderen am Neckar zusammensaß. Dort soll es zum Streit gekommen sein. Die Tochter des Opfers schlug dem 41-Jährigen demnach sein Smartphone aus der Hand und warf es in den Fluss, weil sie darauf intime Videos ihrer Mutter vermutete. Der Angeklagte habe immer wieder damit gedroht, anzügliches Material zu veröffentlichen. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte soll seiner Ex-Partnerin im Verlauf der Auseinandersetzung dann in den Bauch getreten, ihr seine Finger in die Augen gedrückt und sie mit ihrem Kopftuch gewürgt haben. Danach floh er.

„Ich wollte sie nicht töten“

„Ich kann nicht ausschließen, dass ich an irgendetwas gezogen haben“, räumte der Angeklagte auf Nachfrage des Richters ein. „Aber ich wollte sie nicht töten“, betonte er. Das Verhältnis des Angeklagten mit der 1976 geborenen Frau stand von Anfang unter keinem guten Stern. Es war geprägt von der Eifersucht und den sexuellen Versagensängsten des Angeklagten. Weil die Kinder der Frau aus einer früheren Ehe diese toxische Beziehung nicht guthießen, trafen sie sich vor allem geheim in Hotels. Kennengelernt haben die beiden sich im Internet, für die Frau war der 41-Jährige Anfang 2022 vom Ruhrgebiet in den Landkreis gezogen. Es war eine klassische On-Off-Beziehung. Im Februar ließen sie sich islamisch trauen, wenige Tage später gab es wieder Streit. Es ging so weit, dass der Mann einen Suizidversuch inszenierte, um die Frau zurückzugewinnen.

Täter gibt Hinweise auf seinen Aufenthaltsort: Festnahme

Eine wichtige Rolle spielen bei diesem Fall die sozialen Medien, allen voran Tiktok. Hier wurden Beschuldigungen ausgetauscht und anhand von geposteten Fotos wusste der Angeklagte immer wieder den Aufenthaltsort seiner Ex-Partnerin. So fand er auch heraus, wo die Frau nach dem Angriff behandelt wurde. Er machte sich zwei Tage nach der Tat auf den Weg ins Esslinger Klinikum, schickte ihr ein Foto samt Nachricht, dass er hier ist und sie sehen möchte. Statt der Frau traf er aber auf die Polizei, die ihn festnahm.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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