50 Jahre Leo-Center Ein Geburtstagswunsch fürs Leo-Center
Der Betreiberkonzern ECE kann nicht so tun, als sei in seinen Shoppingmalls alles in Ordnung.
Der Betreiberkonzern ECE kann nicht so tun, als sei in seinen Shoppingmalls alles in Ordnung.
Nein, eine Demo war es nicht und auch kein Eklat. Trotzdem sollte der Auftritt der Leonberger Stadträtin Gudrun Sach bei der offiziellen 50-Jahr-Feier des Leo-Centers den Verantwortlichen des Betreiber-Konzerns ECE zu denken geben. Die Frau von den Grünen, eine weit gereiste Lehrerin, hatte ein kleines Plakat dabei, auf dem „bezahlbare Mieten im Leo-Center“ gefordert wurden.
Doch noch bevor sie ihren Appell in prominenter Runde kundtun konnte, wurde sie von einem Sicherheitsmann des Hauses verwiesen. Man könnte auch sagen abgeführt. Wie sehr müssen bei ECE die Nerven blank liegen, wenn auf solch eine letztlich harmlose Aktion mit eintägigem Hausverbot reagiert wird?
Keine Frage: Wenn eine Traditionseinrichtung, und das ist das Leo-Center, mit prominenten Gästen und der Kundschaft das halbe Jahrhundert feiert, werden kritische Töne nicht gerne gehört. Gleichwohl weist Gudrun Sach auf einen Umstand hin, der in der Geschäftswelt schon seit vielen Jahren diskutiert wird: Die Mieten sind in den Centern, nicht nur jenem in Leonberg, sehr hoch. Wie hoch, darüber schweigen sich alle aus.
Aber offensichtlich hoch genug, um potenzielle Interessenten abzuschrecken. Oder langjährige Mieter dazu bewegen, ihre auslaufenden Verträge nicht zu verlängern. Juwel, das Fachgeschäft für Uhren und Schmuck, macht gerade Räumungsverkauf. Auf die Gründe angesprochen redet der Inhaber Daniel Goldberg nicht um den heißen Brei herum: „Der Vermieter ist in der Pflicht, die finanziellen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Händler überleben können.“ Das sei momentan nicht der Fall.
Bezeichnend ist auch, dass der Gastro-Profi Dominik Sacher mit seinem veganen Restaurant King of Greens in die Knie gehen musste. Das Konzept war offensichtlich gut, ebenso die Qualität der Speisen und die Gästefrequenz. Trotzdem hat es nicht funktioniert.
Das sind nur zwei aktuelle Fälle. Die heimische Modegruppe Only Women hatte sich schon vor mehr als einem Jahr aus dem Center zurückgezogen. Auch das nervenaufreibende Gezerre um die Zukunft der Karstadt-Filiale hatte nicht nur mit Problemen innerhalb des Galeria-Konzerns zu tun.
Die Center-Managerin Nadine Fensterer macht trotz der Leerstände in Optimismus: Es gäbe etliche Interessenten. Oft würden Ladenflächen bewusst frei gehalten, um potenziellen Mietern ein räumlich größeres Angebot zu machen. Dass die Managerin nicht viel anderes sagen kann, liegt auf der Hand. Sie ist, wie ihre Kollegen in den anderen Häusern, letztlich eine Statthalterin der Konzernzentrale. Dabei kann ECE kein Interesse daran haben, dass den Shoppingmalls die Mieter weglaufen. In einer Zeit, in der die Belebung der Innenstädte auf der Agenda ganz oben steht, kann ein Konzern nicht so tun, als lebte er in einer anderen Welt.
Gewiss: Einkaufspassagen wie das Leo-Center sind kein öffentlicher Raum. Hausrecht hat die Betreibergesellschaft. Doch auch die hat Verantwortung für ihren Standort. Das Center wird von den Menschen als Teil der Stadt wahrgenommen. Ein möglicher Negativeindruck überträgt sich dann auch zwangsläufig auf die ganze Stadt.
Der Leonberger Oberbürgermeister war in der Hamburger ECE-Zentrale vorstellig geworden. Unlängst war ein Konzernmanager nach Leonberg gekommen. Die Gespräche, die dann geführt werden, klingen erst einmal gut. Man möchte dem Leo-Center zum runden Geburtstag wünschen, dass den positiven Worten nun endlich Taten folgen.