Winnenden - Im Jahr 1520 soll der Jakobusaltar in der Schlosskirche Winnenden eingerichtet worden sein. Ganz unumstritten ist das Datum nicht, das in einer Inschrift des Winnender Jakobusaltars als Aufstellungsdatum genannt ist – der als einer der letzten Höhepunkte mittelalterlicher Schnitzkunst geltende Schrein könnte auch ein paar Jahre älter sein. Dieses Jahr jedenfalls hat er sein 500-jähriges Jubiläum. Die geplante Uraufführung und zahlreiche Festveranstaltungen allerdings sind Corona-bedingt ausgefallen. Als kleinen Ausgleich hat im Auftrag der Stadt der freie Kunsthistoriker Markus Golser einen neuen Altarführer gestaltet.
Broschüre wird verkauft
Quasi als symbolischen Ersatz für die ganzen ausgefallenen Feiern hat die Stadt das nagelneue, knapp 100-seitige Werk nun feierlich als kleines Weihnachtsgeschenk zum Jubiläumsjahr an die evangelische Gesamtkirchengemeinde übergeben. „Der Jakobusaltar in der Schlosskirche Winnenden“ heißt der neue, hochwertige Altarführer. Die, soweit oder sobald wieder möglich, für eher symbolische fünf Euro bei Osiander, i-Punkt im Vertriebsbüro der Stadtwerke Winnenden und bei der evangelischen Kirchengemeinde zu habende Broschüre, ordnet die Szenen und Figuren des eindrucksvollen Jakobusaltars kunsthistorisch ein. In Wort und Bild bekommen die Leser einen Überblick über Geschichte, Stil und Ikonografie des Altars.
Das legendäre Hühnerwunder findet Erwähnung
Es geht um Jakobus und das Phänomen der Wallfahrten. Um Jörg Töber, den Künstler, der den Winnender Prachtsaltar wohl schuf. Und natürlich das dort ebenfalls kunstvoll verewigte Hühner- oder Hähnchenwunder von Santo Domingo de la Calzada, die Anekdote vom wundersam wieder auffliegenden gegarten Brathühnchen, das angeblich einem zum Tode verurteilten deutschen Pilger das Leben rettete.
„Dieser Altarführer ist von so hoher Präzision und Detailtreue“, sagte der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth bei der Übergabe. „Die helle farbige Aufmachung, die gestochen scharfen Bilder und die Mehrsprachigkeit machen aus einer Broschüre ein kleines Buch für den Pilgerrucksack oder die Handtasche.“