60 Jahre Stuttgarter Ballett Sechs Fragen an Sue Jin Kang

Sue Jin Kang verabschiedete sich im Juli 2016 im Stuttgarter Opernhaus von der Bühne. Ans Ende ihrer international erfolgreichen Karriere als Tänzerin setzte sie die Rolle der Tatjana aus John Crankos Ballett „Onegin“. Foto: Stuttgarter Ballett

Einstige Tänzer des Stuttgarter Balletts sind weltweit als Direktoren begehrt. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt – heute: Sue Jin Kang, Direktorin des koreanischen Staatsballetts.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - Forsythe, Kylián und Co: Das Stuttgarter Ballett, das 60-Jahr-Jubiläum feiert, war schon immer eine Kompanie, die Tänzer stark gemacht hat. So stark, dass sie weltweit als Direktoren begehrt sind. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt – heute: Sue Jin Kang, die langjährige Starsolistin des Stuttgarter Balletts leitet seit 2014 das Koreanische Nationalballett in Seoul.

 

Was haben Sie vom Stuttgarter Ballett mitgenommen, das Ihnen bis heute hilft?

Ich hatte das Glück, mit vielen tollen Choreografen sowie den Direktoren Marcia Haydée und Reid Anderson zusammenarbeiten zu dürfen. Die kreative, künstlerisch vielfältige und freundliche Atmosphäre des Stuttgarter Balletts hat mich geprägt.

Ihr Lieblingsstück im Stuttgarter Repertoire?

Da ist es schwer, nur ein Ballett zu nennen. Ich habe alles genossen und bin dankbar für diesen Fundus.

Ihre Lieblingsrolle als Tänzerin?

Für mich als dramatische Ballerina sind das die großen Handlungsballette John Crankos sowie John Neumeiers „Kameliendame“.

Eine Stuttgarter Rolle, die Ihnen neue Perspektiven eröffnet hat?

Die Tatjana in „Onegin“ – jedes Mal, wenn ich diese Rolle getanzt habe, bin ich an ihr gewachsen. Tatjana gibt am Ende mit einer klaren Geste zu verstehen: Ich lebe mein Leben, ich gehe meinen Weg weiter. Auch im echten Leben muss man sich manchmal von Dingen verabschieden.

Um was beneiden Sie das Stuttgarter Ballett besonders?

Um die Liebe aus dem Publikum und um seine Tradition. Viele gute Choreografen sind aus dieser Kompanie hervorgegangen und haben viele gute Stücke hinterlassen. Und was am wichtigsten ist: Das gilt weiterhin auch heute für eine junge Generation.

Ohne das Stuttgarter Ballett wäre…

...die Tanzwelt sehr viel ärmer.

Zur Person: 1967 in Seoul geboren, schließt Sue Jin Kang ihre Tanzausbildung bei Marika Besobrasova in Monte Carlo ab. 1985 gewinnt sie als erste Asiatin den Prix de Lausanne. 1986 wird Sue Jin Kang Mitglied des Stuttgarter Balletts, 1997 wird sie Erste Solistin. Choreografen wie Jirí Kylián, Wayne McGregor, Mauro Bigonzetti, Kevin O’Day schufen Rollen für sie. 1999 erhielt sie den Prix Benois de la Danse, 2007 wurde sie zur Kammertänzerin der Stuttgarter Staatstheater ernannt. Seit Februar 2014 leitet Sue Jin Kang das Koreanische Staatsballett in Seoul.

60 Jahre Stuttgarter Ballettwunder

In einem besonderen Angebot für unsere Digital-Plus-Abonnenten machen wir die spannende Geschichte des Stuttgarter Balletts lebendig. Im Dialog mit Zeitzeugen und einer jungen Generation wird anschaulich, wie sich die Kompanie an die Weltspitze tanzte und dort hält. Mit diesen Artikelserien feiern wir das Jubiläum des Stuttgarter Balletts:

Als das Wunder wahr wurde Wir haben im Archiv nach Erinnerungen an seinen Erfinder John Cranko gesucht und eine 2007 veröffentlichte Interview-Serie mit Weggefährten des Choreografen entdeckt.

► Ray Bara Lesen Sie hier, wie Ray Bara seine Wohnung für John Cranko räumte.

► Reid Anderson Wie Eiskunstlauf den Tanz inspirierte: Lesen Sie hier Reid Andersons Erinnerungen

► John Neumeier Bereit für Rebellion und Experimente: Lesen Sie hier John Neumeiers Erinnerungen

► Gundel Kilian Wer einfach drauflos knipste, flog raus: Gundel Kilian erinnert sich

► Richard Cragun Lesen Sie hier, was der 2012 verstorbene Tänzer Richard Cragun über Crankos britischen Geschmack sagte.

► Birgit Keil Lesen Sie hier, wie Birgit Keil zu Crankos „Baby-Ballerina“ wurde.

► Friedrich Lehn Wie Cranko Stau zu Tanz machte: Friedrich Lehn erinnert sich

► Marcia Haydée Lesen Sie hier Marcia Haydées Bericht von ihren ersten Auftritten in Stuttgart.

► Egon Madsen Lesen Sie hier Egon Madsens Erinnerungen an eine besondere Party in New York.

► Georgette Tsingurides Lesen Sie hier Georgette Tsingurides’ Erinnerungen an Zigaretten, Hunde und kleine Feuer im Ballettsaal.

► Fritz Höver Lesen Sie hier, was der 2015 verstorbene Gründer der Noverre-Gesellschaft mit Cranko auf Reisen erlebte.

► Jürgen Rose Lesen Sie hier, wie John Cranko Zeichnungen des Bühnenbildners zerriss.

► Vladimir Klos Lesen Sie hier Vladimir Klos Erinnerungen an die letzte Tournee mit John Cranko.

Forsythe, Kylián und Co Das Stuttgarter Ballett war schon immer eine Kompanie, die Tänzer stark gemacht hat. So stark, dass sie weltweit als Direktoren begehrt sind. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt.

► Ivan Cavallari Sechs Fragen an den Direktor der Grands Ballets Canadiens in Montreal

► Sue Jing Kang Sechs Fragen an die Direktorin des koreanischen Staatsballetts

► Filip Barankiewicz Sechs Fragen an den Direktor des tschechischen Staatsballetts

► Marco Goecke Sechs Fragen an den Ballettdirektor am Staatstheater Hannover

► Christian Spuck Sechs Fragen an den Direktor des Balletts Zürich

► Bridget Breiner Fragen an die Direktorin des Badischen Staatsballetts

► Renato Zanella Fragen an den Direktor des Balletts an der Staatsoper Slowenien

► Eric Gauthier Fragen an den Leiter von Gauthier Dance

► Demis Volpi Fragen an den Direktor des Balletts am Rhein in Düsseldorf

Weitere Beiträge sind in Vorbereitung.

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