Maskottchen gibt es auch – und die sind Programm. „Sabiene“ heißt der kleine Schlüsselanhänger in Form einer Biene, und „Stoppi“ wird die knuffig-flauschige blaue Stoppuhr aus Stoff genannt. Zugegeben, die Namen sprühen nicht gerade vor Originalität. Doch die Maskottchen zeigen auf, um was es geht. Fleißig wie Bienen sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene innerhalb eines begrenzten Zeitlimits von drei Tagen Projekte umsetzen. Im Kreis Esslingen werden ab Donnerstag, 18. April, mehrere Aktionen angegangen.
Der genaue Ablauf und Inhalt der Projekte der „72-Stunden-Aktion“ sind eigentlich top-secret. Eigentlich. Vanessa Uptmoor, Jugendreferentin im katholischen Dekanat Esslingen-Nürtingen, verrät dann aber doch eine Aktion und ihre lokale Verankerung. Ein Teil des Außenbereichs des Hölderlin-Gymnasiums in Nürtingen soll im Rahmen der Aktion neu gestaltet und um eine Grillstelle, Sitzgelegenheiten und Überdachungen ergänzt werden. An einem noch geheim zu haltenden Ort soll zudem bei einer anderen Aktion ein Demenzgarten entstehen, in dem sich Erkrankte aufhalten können. Der Geruch von Blumen, steinerne Formationen, besonders geschwungene Wege und eigens geformte Muster könnten Erinnerungen anregen, sagt Vanessa Uptmoor. An einem anderen Ort im Kreis Esslingen werden während der „72-Stunden-Aktion“ Hochbeete mit Insektenhotels errichtet.
Mehr als nur ein Augenblick
Nur für den flüchtigen Moment des Augenblicks sind die Bemühungen der Teilnehmenden nicht gedacht. Es werde bei der Projektumsetzung Wert auf Nachhaltigkeit und eine längere Nutzbarkeit gelegt, erläutert Vanessa Uptmoor. Es gehe auch nicht um das eigene Ego oder Verbesserungen des persönlichen Umfeldes. Dass bestimmte Gruppen ihren eigenen Jugendraum herrichten oder Vereine ihr Gelände auf Vordermann bringen, sei nicht Sinn der Sache. Aufgaben wie etwa das Säubern und Reinigen verdreckter Privat-Messie-Wohnungen gehörten auch nicht zum Aufgabenfeld. Was getan werde, solle der Allgemeinheit dienen.
Aber nicht nur. Die Teilnehmenden an der Aktion, die am Donnerstag, 18. April, um 17.07 Uhr startet, haben auch selbst etwas davon. Gemeinschaft, Geselligkeit, das Gefühl, etwas Praktisches geleistet zu haben, der Teamgeist und das meist zum Ende auf die Beine gestellte Fest sind Highlights aus seiner aktiven Zeit, an die sich Alexander Nagel gerne erinnert: „Und nicht zuletzt ist der Freitag für Teilnehmende schulfrei.“ Früher, sagt er, hat er selbst bei den in der Regel alle fünf Jahre organisierten „72-Stunden-Aktionen“ mitgemacht. Nun sitzt er im Koordinierungskreis, der die ganze Aktion lenkt und als Back-up in Notfällen und bei Engpässen zur Verfügung steht.
Komitee als Back-up
Es ist aber angedacht, so ergänzt sein Kollege Lukas Jaeckle vom Koordinierungskreis, dass die Gruppen ihre Aufgaben eigenständig und selbstverantwortlich umsetzen. Zu diesem Do-it-yourself-Gedanken gehört auch, dass die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen schauen, dass die Materialien und das Geld für die Aktionen möglichst durch Spenden und Sponsoring zusammenkommen. Würden etwa Bretter oder Werkzeuge benötigt, könne ein Anruf in einem örtlichen Baumarkt nach nicht mehr benötigten Sachen helfen, präzisiert Vanessa Uptmoor. Wenn alle Stricke reißen, habe der Koordinierungskreis aber auch noch den einen oder anderen Euro als Startkapital zur Verfügung.
Einfach kommen und loslegen – so einfach ist das aber nicht. Die Teilnehmenden an der „72-Stunden-Aktion“ müssen zunächst mehrere Rätsel lösen oder Tätigkeiten umsetzen. Bei einem erfolgreichem Erfüllen jeder einzelnen Aufgabe ergeben sich Zahlencodes, die in verschiedene Boxen eingegeben werden müssen. Am Ende erfahren die Teilnehmenden dann durch das Öffnen der letzten Box, welche Aufgabe sie zu bewältigen haben. Insgesamt sind im Kreis Esslingen bis zu 200 Personen am Start. Die Jüngsten sind um die elf, zwölf Jahre alt, die Ältesten Anfang 30. Projekte gilt es in Kirchheim, Esslingen, Nürtingen, Neuhausen, Aichtal oder Wendlingen anzupacken.
Nicht nur „Stoppi“
„Stoppi“, die Stoff-Stoppuhr, ist zwar eines der Maskottchen der Aktion – doch mit einem Zeitmessgerät steht niemand neben den Teilnehmenden. Nicht militärischer Drill, sondern Spaß an der gemeinschaftlichen Arbeit soll im Vordergrund stehen. Am Sonntag, 21. April, um 17.07 Uhr ist die Aktion zwar beendet, doch es kann danach immer noch weitergearbeitet und nachgebessert werden. Die einzelnen Projekte sind nach Angaben von Vanessa Uptmoor auch so organisiert, dass nach dem Ablauf der „72-Stunden-Aktion“ die angestoßenen Arbeiten weiter betreut werden. Es gibt also Engagierte, die beispielsweise ein Vermüllen des angelegten Grillplatzes oder ein Überwuchern des Demenzgartens mit Unkraut verhindern.
Aktion
Die „72-Stunden-Aktion“ ist ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und seiner Verbände. In ganz Deutschland sollen dabei Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene innerhalb von drei Tagen soziale Projekte umsetzen, „die die Welt ein Stückchen besser machen“.
Projekte
Die umzusetzenden Projekte können laut Veranstalter interreligiös, politisch, ökologisch oder international ausgerichtet sein. Wichtig sei der Einsatz für andere und mit anderen. Bei der letzten Aktion im Jahr 2019 haben sich in ganz Deutschland etwa 160 000 Teilnehmende an der Aktion beteiligt.
Lokalität
Im Kreis Esslingen sind die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und das THW Neuhausen, die katholische Jugend Nürtingen, die Minis in Wendlingen und Esslingen, die DPSG Nürtingen, die DPSG Esslingen, die Kunterbunte Dauerpower Aichtal und „jetzt WeltFAIRändern“ mit dabei.