950 Jahre Dagersheim Langsam nimmt das Jubiläum Formen an
Im Jahr 2025 feiert der Böblinger Teilort Dagersheim seine erste urkundliche Erwähnung vor dann genau 950 Jahren. Die Verwaltung und die Einwohner planen das Jubiläum seit Jahren.
Im Jahr 2025 feiert der Böblinger Teilort Dagersheim seine erste urkundliche Erwähnung vor dann genau 950 Jahren. Die Verwaltung und die Einwohner planen das Jubiläum seit Jahren.
Ein Jubiläumsjahr mit Vorträgen, einem Festwochenende und sogar mit einem eigens produzierten Musical – der Böblinger Teilort Dagersheim will sich im kommenden Jahr bei seiner 950-Jahr-Feier nicht lumpen lassen. Wie viel genau die Kernstadt für das Jubiläum zahlen muss, ist allerdings noch nicht geklärt. „Voraussichtlich im Sommer kann den Gremien eine Aufstellung vorgelegt werden“, sagt Benjamin Strauch, Böblingens Stadtsprecher.
Verantwortlich für die Planung und Koordination ist Melanie Häußler. Die 40-Jährige, die in Magstadt aufgewachsen ist, ist seit Anfang Februar als Projektleiterin involviert. Sie ist in der Böblinger Verwaltung kein neues Gesicht, sie hat insgesamt sieben Jahre in der Kämmerei und im Tiefbauamt gearbeitet. „Aber als ich die Ausschreibung gesehen habe, wusste ich gleich, dass das meine Stelle ist“, sagt sie. Die habe nämlich ihre Kreativität angesprochen.
Doch alleine kann kein Mensch das auf die Beine stellen, was Dagersheim für sein Festjahr plant, sind sich Häußler und Ortsvorsteher Hendrik Queck einig. Daher werden seit mehr als einem Jahr Ideen aus der Bürgerschaft gesammelt. Vier öffentliche Planungstreffen hat es gegeben, um daraus das Machbare herauszufiltern. Das letzte solche Treffen war in der vergangenen Woche. „Wer jetzt noch mitmachen möchte, kann sich aber sehr wohl noch beteiligen“, sagt Häußler. Interessierte sollen sich einfach beim Bezirksamt melden.
Insgesamt seien es rund 30 Leute gewesen, die sich aktiv an den Planungstreffen beteiligt haben. „Dabei muss man aber bedenken, dass viele davon für einen Verein stehen“, so Queck. Immerhin sollen auch die ganz gewöhnlichen Feiern, die rund ums Jahr stattfinden – zum Beispiel das Maibaumstellen oder der Weihnachtsmarkt – im kommenden Jahr einen besonders feierlichen Anstrich bekommen. „Im Hintergrund sind also weit mehr Leute beteiligt.“
Stichwort Vereine: Die sollen wann immer möglich nicht nur in die Planungen, sondern auch in die Feierlichkeiten einbezogen werden. Ein Beispiel dafür ist das Musical, das voraussichtlich im Frühjahr aufgeführt werden soll. „Bei den Planungen sind wir gerade mittendrin“, sagt Häußler. Aktuell sei ein Komponist damit beschäftigt, die Partituren zu schreiben. Für die Aufführungen – es soll definitiv mehr als eine geben – versuche man, so viele Vereine aus dem Flecken wie möglich einzubinden. Der Text werde parallel erarbeitet. Dabei sei die Planungsgruppe Musical/Theater maßgeblich beteiligt. Immerhin soll das Stück nachher historisch informiert daherkommen.
Was genau darin vorkommt, wird noch nicht verraten, aber historische Momente und Personen sollen eine Rolle spielen. In Frage kommen die Samariterin Schwester Marie Ziegler, die nach dem Ersten Weltkrieg den Dagersheimern Trost und Hilfe spendete, oder der Schulmeister Immanuel Kolb. Auch die Geschichte um die Fürstin Mechthild, die Mutter von Eberhard im Barte, teasert Häußler als potenziell relevant an.
Doch nicht nur Musicalfreunde sollen 2025 auf ihre Kosten kommen. „Uns ist es wichtig, dass wir die gesamte Bevölkerung abholen“, sagt Queck. Für die geschichtlich Interessierten könnten das die sechs bis acht Vorträge sein, die über das Jahr verteilt voraussichtlich in der Zehntscheune auf dem Dorfplatz stattfinden. Wissenschaftlich fundiert soll da über Geschehnisse aus der 950-jährigen Geschichte referiert werden. „Dazu kommt, dass wir im kommenden Jahr ja nicht nur unser Jubiläum haben, sondern auch 500 Jahre Bauernkrieg“, sagt Queck. Auch darauf wolle man eingehen – natürlich durch die Dagersheimer Brille. Bei dem Unterfangen werde das Bezirksamt vom Stadtarchiv unterstützt, das nach Bildern, Urkunden und anderen Dokumenten durchforstet wird. „Das älteste Dokument im Böblinger Stadtarchiv stammt übrigens aus Dagersheim“, sagt der Ortsvorsteher stolz. Das Planungsteam Film/Medien kümmert sich unterdessen darum, einen Heimatfilm aus dem Jahr 1957 zu digitalisieren. Mehr wollen die Planer aktuell noch nicht darüber sagen. Zudem soll im Jubiläumsjahr selbst ein neuer Film entstehen. Auf den werden Neugierige allerdings noch länger warten müssen. Fertig wird er wahrscheinlich erst im Jahr 2026. Doch nun zum Herzstück des Jahres, dem Festwochenende. Hier wolle man Synergien nutzen, daher soll es vermutlich in der zweiten Septemberhälfte – kurz nach dem Wasen-Warm-Up der Feuerwehrmusikkapelle – steigen. „Dann müssen wir nicht sämtliche Infrastruktur zum Festplatz schaffen“, sagt Queck.
Das Wochenende soll verschiedene Altersgruppen ansprechen. Am Freitag sei die Überlegung, Aktionen für Jugendliche und eventuell auch eine Disco anzubieten. Der Samstag stünde dann zunächst im Zeichen der Kinder – Schulen und Kitas aus Dagersheim sollen eingebunden werden. Abends könnte dann ein Bürgerfest gefeiert werden. Ausklingen soll das Wochenende dann mit einem ökumenischen Gottesdienst. Bei allen Teilen des mehrtägigen Festaktes könnten die verschiedenen musikalischen Vereine auftreten.
Und wem das Warten auf das Jubiläumsjahr nun zu lang wird, der kann sich schon im November dieses Jahres auf ein erstes Stückchen 950-Jahr-Feier freuen: Dann nämlich soll der Tagesabrisskalender mit Bildern, Anekdoten und anderen interessanten Fakten aus dem Flecken auf den Markt kommen.
Homepage
Im Laufe dieses Jahres will die Stadtverwaltung alle Informationen, Termine und Ähnliches an einer Stelle sammeln. Eine eigene Webseite für das Jubiläumsjahr 2025 ist gerade in Arbeit. Dort wird es auch einen genauen Veranstaltungsfahrplan geben.
Sommerferien
Eine beliebte Tradition soll im Jubiläumsjahr wieder aufleben – das Sommerferienprogramm. Das hatte in den vergangenen Jahren unter anderem aus personellen Gründen geruht. 2025 wolle man wieder das bekannte Onlineportal anbieten, auf dem Eltern und Kinder nach spannenden Aktionen verschiedenster Vereine und Organisationen für die Ferien stöbern können.
950 Jahre
Dagersheim ist nicht der einzige Ort im Kreis Böblingen, der im kommenden Jahr ein besonderes Jubiläum begeht. Auch der Sindelfinger Teilort Maichingen – genau wie Dagersheim bis 1971 eine eigenständige Gemeinde – darf feiern. Er wurde ebenfalls im Jahr 1075 erstmals urkundlich erwähnt.