Alles in allem lief es bisher besser als erwartet – da sind sich die sechs Kumpels aus Backnang bei der Halbzeitbilanz einig. Trotzdem haben Axel Bauer und seine fünf Freunde gut zu tun auf ihrer abenteuerlichen Reise, die bis in die Nordsee führen soll. Vor über einer Woche sind die Männer gestartet – bei der Murr-Regatta. „Die Regatta lief gut, aber danach hat uns die Murr gleich am Anfang unseres Trips ganz schön viel abverlangt. Teils waren riesige Bäume im Weg und wir mussten die Boote mehrere Meter hochstemmen und tragen“, sagt Bauer. Nur gut, dass sich die sechs Seefahrer für diese erste Etappe ihrer Reise 18 Helfer organisiert hatten. „Das war die Rettung, schließlich wollten wir ja sehr viel weiter kommen.“ Denn der traditionelle Wasserspaß, bei dem die Jungs schon öfters mitgemacht haben, sollte dieses Jahr nur der Anfang einer viel größeren und abenteuerlicheren Fahrt sein.
Nach der Murr-Regatta ging es für die Kumpels erst richtig los
Statt sich mit einem kreativen selbst gebauten Gefährt die rund fünf Kilometer die Murr entlang bis zum Ziel am Backnanger Jugendhaus durchzukämpfen, ging es für die Mannschaft um Axel Bauer dort erst richtig los. Über den Neckar und den Rhein wollen es die sechs Männer bis ans Meer schaffen. Zielhafen: Rotterdam. Und wenn es so weiter geht, müssten sie das Ziel planmäßig am Wochenende erreichen. „Aktuell haben wir Duisburg hinter uns gelassen und planen, heute noch bis zur holländischen Grenze zu kommen“, berichtet Bauer am Telefonat.
Doch so relaxt ging es nicht immer zu. Nachdem der Neckar die Freunde noch gemütlich empfangen hat und es dort auch das erste motivierende Festmahl von Schiffskoch Kevin Geißler gab – Nudeln mit Pilzrahmsoße – zeigte sich der Rhein von Anfang an recht wild. „Das war schon beeindruckend und eine ganz andere Nummer mit den vielen Wellen, der Strömung und den großen Containerschiffen“, sagt Bauer. Das, also den Verkehr auf der bedeutsamen Wasserstraße, und den Seegang unterschätzten die Freunde vorab am meisten. „Wir vergleichen uns mit unseren selbst gebauten Booten dann immer mit einem Roller auf einer viel befahrenen Autobahn“, sagt er.
Die Männer sind stolz auf ihre selbst gebauten Boote
Doch eigentlich sind die sechs Kumpels mächtig stolz auf die Boote, denn sie trotzen Wind und Wetter und auch die gelegentlichen Probleme mit den Motoren haben die handwerklich geschickten Männer recht schnell gemeinsam wieder im Griff. Kevin Geißler, Michael Schwarz, Axel Bauer, Martin Koschinat, Julian Hofer und Marco Dell’Oso kennen sich schließlich schon seit Kindergarten und Schule. Die Handwerker des Sextetts waren es, die sich Anfang des Jahres Gedanken über den Bootsbau machten, denn Axel Bauer und Martin Koschinat sind Zimmermänner, die gerade ihren Meister machen. „Bei den Turbulenzen durch Strömungen, Verkehr und Unwetter haben wir ein riesiges Vertrauen in die Boote gekriegt. Die halten echt super mit“, sagt Bauer.
Doch trotz Stress kommt auch der Genuss nicht zu kurz. Die Clique hat Zeit, Landschaft und Strände zu genießen, sich leckeres Essen zu gönnen und auch Hinlegen oder Lesen sind mal möglich. „Bei so langen Tagesstrecken müssen wir uns abwechseln. Wer nicht dran ist, kann ausruhen. Anfangs haben wir schlecht geschlafen, mittlerweile sind wir so platt, dass alle super schlafen, egal wo.“