Abiturientin erfindet Maske für Brillenträger Durchblick trotz Mund-Nasen-Schutz

Vanessa Bürkle zeigt einige ihrer sogenannten OptiMasken. Foto: Michael Käfer

Die 19-jährige Fellbacherin Vanessa Bürkle hat eine spezielle Corona-Maske entwickelt, die das Beschlagen von Brillengläsern verhindert. Unser Mitarbeiter hat die Schutzmaske getestet.

Fellbach - Der ultimative Härtetest für die Mund-Nasen-Maske findet am frühen Morgen beim Bäcker im Fellbacher Oberdorf statt. Mit dem Fahrrad bin ich einmal längs und noch dazu bergauf durch die Stadt gefahren, um Brötchen für das Frühstück der Familie zu kaufen. Folglich schnaufe ich beim Betreten des gut temperierten Ladens wie ein asthmatischer Leguan. Üblicherweise verwandelt in einer solchen Situation der durch die Maske nach oben abgelenkte Atem meine Brille in zwei Milchglasscheiben. An diesem Morgen jedoch behalte ich – zumindest optisch – den Durchblick.

 

„Ich habe festgestellt, dass alle Brillenträger, die ins Warme kommen, nichts mehr sehen“, sagt Vanessa Bürkle. Die Fellbacherin hat es nicht beim Beobachten belassen, sondern sich eine Lösung ausgedacht. Während sich bei üblichen Masken etwa vom Discounter zwischen Gesichtserker und Wangenknochen Lücken bilden, die warme Atemgase auf die Brillengläser lenken, ist das bei ihrer OptiMaske nicht der Fall. Ein zweistufiger Anpassungsmechanismus verhindert das Beschlagen weitestgehend. Zunächst verringert ein in die Maske eingearbeiteter biegsamer Metallbügel die Lücke, wie das auch bei anderen Mund-Nase-Bedeckungen oft der Fall ist. Die 19-Jährige, die kürzlich ihr Abitur am Friedrich-Schiller-Gymnasium mit einer 1,7 bestanden hat, baut aber noch auf einen zweiten Dichtigkeitsverstärker: Ein weicher Silikonstreifen schmiegt sich an die Haut und beseitigt die restliche Zugluft.

Maske ohne Beschlagen: Die Resonanz ist sehr gut

Die gute Idee ist das eine – sie zu vermarkten ist das andere. Nicht ohne Grund ist der bei den Einkäufern diverser Supermarktketten bestens vernetzte Ralf Dümmel der beliebteste Investor in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Mit dem 53-Jährigen hat sich Vanessa Bürkle noch nicht unterhalten, aber ihr im Juni dieses Jahres eigens gegründetes Unternehmen VB Innovation treibt sie mächtig nach vorne.

Die Tochter des stellvertretenden Abteilungskommandanten der Freiwilligen Feuerwehr in Fellbach, Hansjörg Bürkle, ist verwandtschaftlich gut vernetzt: Ihre Mutter Silvana Bürkle ist in mehreren Kindergärten als Erzieherin bekannt, und Oma Gudrun Bürkle ist die Inhaberin des traditionsreichen Fachgeschäfts Zoo-Sayler. Dass in der Zeitungsbeilage „Wir in Fellbach“ über die Nicht-Brillenträgerin berichtet wurde, gab einen zusätzlichen Schub. „Die Resonanz war megagut. Meine Verkaufszahlen sind explodiert“, sagt Vanessa Bürkle, die zudem als Feuerwehrfrau und beim SV Fellbach als Judotrainerin ehrenamtlich engagiert ist.

Bürkle will statt des Studiums zunächst Masken produzieren

So gut, dass sie nun gar den geplanten Start ihres Medizinstudiums verschieben und dieses dann mit der Maskenproduktion finanzieren will. Die ausgebildete Rettungssanitäterin will zunächst im Rettungsdienst Berufserfahrung sammeln und parallel VB Innovation ausbauen. Die von einem deutschen Zulieferer einlaufsicher vorgewaschen und teilmontiert eingekaufte Maske gibt es inzwischen in zehn Farben. „Royalblau ist derzeit schon ausverkauft“, sagt Vanessa Bürkle. Verbesserungsvorschläge ihrer Kunden nutzt sie zur Optimierung ihrer durch ein Gebrauchsmuster vor Nachahmern geschützten Maske. So ist neben der bisherigen und von Langzeitträgern geschätzten Version mit Textilbändern bald auch eine Maske mit Gummibändern erhältlich.

Was das Marketing angeht, ist die Jungunternehmerin ebenfalls nicht untätig und in diversen sozialen Medien präsent. In ihrem Internetauftritt bewirbt sie ein Weihnachtsangebot, bei dem der Beschenkte das ansprechend verpackte Präsent direkt zugeschickt bekommt. Inzwischen sind sogar Großabnehmer auf Vanessa Bürkle aufmerksam geworden: „Ich habe Angebote über Lieferungen in jeweils dreistelliger Anzahl abgegeben.“

Die Erfinderin war selbst Corona-infiziert und erkrankte

Dass sich Vanessa Bürkle so intensiv mit der Materie beschäftigt und sich nicht nur aufgrund ihrer medizinischen Vorbildung auskennt, hat neben dem geschäftlichen noch einen weiteren Grund: Sie war nach dem Abitur selbst an Corona erkrankt. Erfreulicherweise hatte die junge Frau nur relativ leichte Symptome – etwa einen mehrtägigen Verlust des Geruchs- und Geschmacksempfindens. Ihrem Start-up tat die Quarantänezeit dagegen gut: „Ich konnte mich voll auf mein Unternehmen konzentrieren.“

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