Esslingen - Wer gehofft hatte, dass in diesem Jahr die Normalität vollständig zurückkehren wird, wird schon jetzt eines Besseren belehrt: Was größere Veranstaltungen angeht, wird auch das Jahr 2021 noch in weiten Teilen unter dem Einfluss der Coronapandemie stehen. Esslingen hat deshalb jetzt das Bürgerfest, den Schwörtag und das Sommerfest auf dem Marktplatz abgesagt, ebenso den Tag des Ehrenamts. Auch die Eßlinger Zeitung zieht die Reißleine: Der EZ-Lauf wird ebenfalls abgeblasen. Aber es gibt auch Lichtblicke: So wird der Zeitungslauf vorerst nur auf den Herbst verschoben; und auch die Vorbereitungen für den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt laufen bereits.
Schon im vergangenen Jahr waren alle größeren Veranstaltungen in der Stadt wegen der Infektionslage und des allgemeinen Veranstaltungsverbots ausgefallen. Das wird vorerst so bleiben. „In der anhaltenden Pandemie ist es undenkbar, eine Großveranstaltung wie das Esslinger Bürgerfest mit 50 000 bis 100 000 Besucherinnen und Besuchern, das vom geselligen Beisammensein der Stadtgesellschaft und dem bunten Bühnenprogramm der Vereine lebt, durchzuführen“, sagt der Ordnungs- und Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar. „Allein die Planung dafür fortzuführen, erscheint uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll.“ Das betont auch die Kulturamtsleiterin Alexa Heyder: „Alle Beteiligten brauchen Planungssicherheit.“ Gerade die Vereine, die sich nach wie vor nicht treffen könnten, um ihre Teilnahme am Bürgerfest vorzubereiten oder Beiträge für das Bühnenprogramm zu proben, hätten eine frühzeitige und klare Entscheidung gebraucht.
Stadtverwaltung prüft Alternativen
Beim Esslinger Bürgerfest präsentieren sich üblicherweise rund 90 Vereine und Gruppen aus der Stadt auf verschiedenen Bühnen und stellen auch ein breites Angebot an Speisen auf die Beine. Die Stadtverwaltung prüft nun zusammen mit potenziellen Kooperationspartnern, ob alternative Veranstaltungen in kleinerem Rahmen – ähnlich dem Esslinger Burgsommer im vergangenen Jahr – möglich sind. Beim Burgsommer hatten mehr als 30 Kulturveranstaltungen für jeweils maximal 100 Zuschauer auf der Burg stattgefunden.
Das neue Sommerfest als Nachfolgeveranstaltung des Esslinger Sommers wird seine Premiere wohl erst im Jahr 2022 feiern. Angesichts der Unwägbarkeiten durch die Pandemie seien die wirtschaftlichen Risiken in diesem Jahr zu hoch, heißt es. Auch der Tag des Ehrenamtes, ein Dankeschön-Abend für engagierte Esslingerinnen und Esslinger, fällt Corona zum Opfer. Das sei sehr bedauerlich, sagt der Oberbürgermeister Jürgen Zieger – vor allem angesichts der Tatsache, dass sich in diesen Zeiten viele Menschen besonders stark für andere engagierten.
Doch es gibt nicht nur Absagen. Die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft (EST) versucht, trotz der Unsicherheiten einige Attraktionen auf die Beine zu stellen. So sind im Frühling, Sommer und Herbst sogenannte Aktionsfenster geplant, bei denen die Innenstadt jeweils über mehrere Wochen hinweg bespielt werden soll. So soll es etwa im Frühling Gartenwochen geben, bei denen die üblichen Beschicker des „Esslinger Frühlings“ ihre Stände in der City verteilt aufstellen. Avisiert werden zudem zwei verkaufsoffene Sonntage.
Hoffen auf den Weihnachtsmarkt
Darüber hinaus hofft man bei der EST auf einen vergleichsweise normalen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Laut Michael Metzler, dem Geschäftsführer der EST, läuft das Bewerbungsverfahren bereits. „Der Rücklauf ist gut“, sagt er. Viele Beschicker seien sehr motiviert. „Wir sind optimistisch.“ Angesichts der Ankündigung, dass die Gesellschaft bis zum Jahresende gut durchgeimpft sein soll, sei es durchaus realistisch, dass der Markt stattfinden könne – in welcher Form, sei noch zu diskutieren. Je nach Coronaauflagen werde man die Marktkonzeption und die Standplanung anpassen. Immerhin habe man im vergangenen Jahr bereits verschiedene Szenarien erarbeitet.
Auch für den EZ-Lauf ist noch nicht alle Hoffnung verloren. „Wir müssen das Infektionsgeschehen sehr genau im Auge behalten und dürfen nicht leichtsinnig werden“, begründet der EZ-Geschäftsführer Andreas Heinkel die Verschiebung des Laufes. „Deshalb haben wir uns entschlossen, den Volkslauf im Sommer abzusagen. Wir hoffen aber, dass die Pandemie im Herbst unter Kontrolle ist und wir dann vielleicht den Lauf nachholen können.“