Abschied der Donzdorfer Pfarrerin Kathinka Kaden wechselt nach Stuttgart

Im Donzdorfer Pfarrbüro hat Kathinka Kaden einen Teil ihrer Kartons abgestellt, die nun nach Stuttgart kommen. Foto: Giacinto Carlucci

Kathinka Kaden verlässt nach knapp zehn Jahren die „evangelische Diaspora“ Donzdorf und Lauterstein. Als Grünen-Politikerin war sie nah dran am Landtagsmandat. Jetzt geht sie nach Stuttgart als Wirtschafts- und Sozialpfarrerin in der Landeskirche.

Politische Pfarrerin oder seelsorgende Politikerin? Auf Kathinka Kaden trifft beides zu. Knapp zehn Jahre war Kaden Pfarrerin für Donzdorf und Lauterstein, aber in der zweiten Hälfte dieser Zeit hat die Politik deutlich an Bedeutung gewonnen. Jetzt geht die Theologin zur Landeskirche nach Stuttgart. Sie sitze im Pfarrhaus in Donzdorf schon auf gepackten Kartons, sagt Kaden am Telefon. An diesem Samstag wird sie mit einem Gottesdienst ab 18 Uhr in der Christuskirche in Donzdorf verabschiedet.

 

Ihre Nachfolge ist geklärt, wurde aber noch nicht offiziell bekannt gegeben. Joachim Klein, bisher Pfarrer von Uhingen-Süd und Sparwiesen, wechselt ins Lautertal. Die 25-Prozent-Stelle der Kirchengemeinde, die bisher Pfarrer Christian Gräfe hat, wird Susanne Gölz übernehmen. Die Investitur der neuen Seelsorger ist für 17. September vorgesehen.

Die Pfarrerin sieht Veränderungsbedarf – auch in der Kirche

Pfarrerin Kathinka Kaden zieht ins Zentrum von Stuttgart. „In einer Woche kommt der Möbelwagen“, sagte sie am Montag. Die Kadens müssen Hab und Gut abspecken. „Im Vergleich zum Pfarrhaus werden wir deutlich weniger Wohnfläche haben.“ Zum 1. Juni übernimmt sie das Wirtschafts- und Sozialpfarramt des kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) der Landeskirche. Ihr Arbeitsplatz ist am Hospitalhof.

Die Vier-Tage-Woche, die Gewerkschaften fordern, kann ein Thema sein, zu dem auch die Meinung der Sozialpfarrerin gefragt ist. „Es gibt viele Tätigkeiten, die lassen sich in vier Tagen erledigen.“ Das sei auch familienfreundlich, ohnehin gehe der Trend zur Automatisierung und Robotisierung, sagt Kaden. Sie findet es gut, dass in Deutschland das Thema „Work-Life-Balance“ wichtig ist.

Veränderungsbedarf sieht die Pfarrerin auch in der Kirche – auf katholischer wie evangelischer Seite. „Die Kirche muss sich in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft neu definieren.“ Die Kirchen hätten sich in vielen Bereichen auf die Arbeit ehrenamtlich tätiger Frauen gestützt. Das ändere sich. „Damit muss man leben.“

Das Lautertal war für Kaden evangelische Diaspora. Da sei die ökumenische Zusammenarbeit besonders wichtig. Das gelinge auch meistens. Nur vereinzelt komme es vor, dass zu Veranstaltungen nur der katholische Pfarrer eingeladen wird. Wobei sich die Pfarrerin wünschen würde, dass die katholische Seite bei der Zusammenarbeit mehr Freiheiten erhält. Da die evangelische Kirchengemeinde über kurz oder lang ihr Gemeindezentrum modernisieren muss und auch der Donzdorfer Komplex aus Stadthalle und Martinushaus immer wieder infrage gestellt wird, rät Kaden, über ein ökumenisches Gemeindehaus nachzudenken. „Das fände ich zeitgemäß.“

Vor gut fünf Jahren sind die Grünen angetreten, um in der Donzdorfer Lokalpolitik mitzumischen. Es sei schwer zu sagen, wieso dies so lange gedauert habe. „Bei Landtagswahlen wurden schon lange Grüne gewählt“, sagt Kaden. Der Süßener Armin Kuhn sei eine treibende Kraft gewesen. Kaden war früh dabei und wurde bei der Kommunalwahl vor vier Jahren in den Gemeinderat und in den Kreistag gewählt. „Ich halte es für wichtig, dass man sich einmischt“, sagt die Pfarrerin über ihre Motivation für das Doppelamt. In der Kreispolitik sei es erforderlich in größeren Einheiten zu denken, schwierige Themen wie die Debatte um die Helfenstein-Klinik, wo auch Kaden für die Schließung stimmte, waren zu beraten. Heikle Sachen bleiben im Kreistag oft intern. Zum Beispiel die Aufarbeitung des Cum-Cum-Skandals, in den die Kreissparkasse verwickelt ist. Intern könne sie „ihren Mund aufmachen, aber nicht alles soll raus“.

Eine Kandidatur in Stuttgart ist nicht beabsichtigt

Sie selbst hat versucht, hineinzukommen: in die Berufspolitik. Die Kandidaturen bei der Landtagswahl und danach ums Oberbürgermeisteramt in Schwäbisch Hall sind gescheitert. Bei der Landtagswahl war es sehr knapp. Fast hätte sie Nicole Razavi (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis Geislingen abgenommen. Seelsorgerin werde sie bleiben, dass sie aber nun die Lokalpolitik verlässt, bedauert sie. Eine Kandidatur in Stuttgart stehe nicht auf der Tagesordnung, aber auch in der Landeshauptstadt möchte sich Kaden bei den Grünen politisch engagieren.

Abschied und Neuanfang in Donzdorf

Verabschiedung
 Die evangelische Pfarrerin Kathinka Kaden wird an diesem Samstag um 18 Uhr verabschiedet. Den Gottesdienst begleitet die Bläsergruppe. Danach gibt es Grußworte, Musik der Band CrossoverD und ein Büfett.

Katholische Kirche
 Nach 16-monatiger Vakanz übernimmt Robert Lukaschek künftig die Pfarrstelle der Seelsorgeeinheit Lautertal. Dazu gehören die katholischen Kirchengemeinden von Donzdorf, Reichenbach, Winzingen, Nenningen und Weißenstein. Robert Lukaschek war bis 2017 Pfarrer in Salach und Ottenbach und von 2010 bis 2013 Administrator der Seelsorgeeinheit Lautertal.

Feier
 Der Festgottesdienst zur Investitur beginnt um am Sonntag 14.30 Uhr und wird von Dekan Martin Ehrler geleitet. Ein Projektchor aus den Kirchenchören Donzdorf und Nenningen sowie Chorisma begleitet den Gottesdienst. Lukaschek wird im Gottesdienst sein Investiturversprechen ablegen. Danach sind alle Gottesdienstbesucher und Mitglieder der Kirchengemeinden in die Stadthalle Donzdorf eingeladen. Dort wird es einen Empfang mit einem kleinen Programm geben. 

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