Abschied in Waiblingen Pfarrer Franz Klappenecker im Ruhestand

Franz Klappenecker sitzt entspannt am Tisch: An Ruhe muss sich der Seelsorger erst noch gewöhnen. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Franz Klappenecker verlässt nach 52 Jahren in Waiblingen die Seelsorgeeinheit. Der 81-Jährige blickt dankbar zurück. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht – wie auch für weitere vier von insgesamt elf offenen Pfarrstellen im Kreis.

Umzugskartons stehen noch keine im Pfarrhaus von St. Antonius in der Waiblinger Fuggerstraße. Zum Packen sei er noch nicht gekommen, das mache er in aller Ruhe jetzt im Oktober, sagt Pfarrer Franz Klappenecker und wirkt entspannt. Alles hat seine Zeit. Am Samstag war der letzte offizielle Arbeitstag von Pfarrer Klappenecker, seit Sonntag ist er Ruheständler. Ein Wort, das dem agilen Senior noch fremd ist. Er wird sich daran gewöhnen.

 

So war es auch mit dem Begriff Seelsorgeeinheit. „Als ich Pfarrer geworden bin, war das Wort noch nicht erfunden“, sagt Pfarrer Klappenecker. Inzwischen geht es gar nicht mehr anders. Der Priestermangel ist eklatant. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind aktuell 25, im Rems-Murr-Kreis vier von insgesamt elf Seelsorgeeinheiten ohne leitenden Pfarrer – Plüderhausen, Weinstadt, Backnang und Winnenden. Mit dem Weggang von Pfarrer Klappenecker werden es fünf. Die Stelle wurde im Frühjahr, als er seinen Ruhestand angekündigt hat, ausgeschrieben. „Gemeldet hat sich bisher noch niemand“, sagt Franz Klappenecker und fügt an, dass er es „nie bereut“ habe, katholischer Pfarrer geworden zu sein. Es sei „ein toller Beruf, ich würde ihn wieder wählen.“ Man habe immer mit Menschen zu tun.

„Kinder bauen Brücken“

Dennoch: „Alles ist komplett anders gekommen, als ich mir das ursprünglich vorgestellt habe.“ Er lacht und denkt dabei nicht nur an die ständig aufwendigeren Anforderungen in der Verwaltung, sondern auch an die mit Korb, Waiblingen-Neustadt und -Hohenacker flächen- und zahlenmäßig große Seelsorgeeinheit. Kein Weg war ihm zu weit, bei Vertretungen oder Krankheitsfällen konnte man auf ihn zählen, auch in den Nachbargemeinden. Nichts war ihm zu viel und vieles ein Anliegen.

Einstellungsgespräche in Kindergärten hat er am liebsten selbst geführt. „Kinder bauen Brücken, über sie entstehen Kontakte.“ Legendär sind seine Freizeiten mit Jugendlichen im Sommer in den Bergen. Jedes Jahr. Es wurde viel gewandert, gesungen und gespielt. Frauen aus der Gemeinde haben jeden Tag frisch gekocht. In diesem Jahr hat ihm die Zeit dafür gefehlt, der angekündigte Abschied fordert ihn seit Monaten. Lediglich zu kurzen Aufenthalten im Ultental in seinem geliebten Südtirol und im Donautal, nahe der ehemaligen Heimat, habe es gereicht.

Pfarrer Klappenecker hat den Zeitpunkt für seinen Ruhestand selbst bestimmt. Anlass sei sein „fortgeschrittenes Alter“, erklärt er. „Ich wollte den Schlusspunkt setzen, solange ich noch bei Kräften bin.“ Es gehe ihm gut. Seine blauen Augen strahlen dankbar. Dennoch merke er, dass beim Wandern „die Strecken kürzer werden und die Ausdauer abnimmt“. Pfarrer Klappenecker ist im April 81 Jahre alt geworden und war wohl der älteste aktive, leitende Pfarrer in der Diözese. Dass er so lange im Dienst bleiben würde, „das habe ich nie gedacht“. Die Zeit in Waiblingen sei „ganz kostbar“ gewesen.

Franz Klappenecker war 29, als er im Jahr 1971 als Vikar in die katholische Kirchengemeinde St. Antonius in Waiblingen gekommen ist. Als Dekan Hermann Notheis sechs Jahre später, 1977, Waiblingen verlassen hat, wurde Franz Klappenecker leitender Pfarrer der Gemeinde. Dieses Amt übte und füllte er letztlich 46 Jahre aus. So lange wie keiner seiner Vorgänger.

Er hat das Miteinander in der Stadtgesellschaft geprägt

Pfarrer Klappenecker stammt aus Nendigen bei Tuttlingen. Er hat seinen Beruf gelebt. Seine zugewandte, herzliche, bescheidene, kluge, überlegte und verbindliche Art hat Waiblingen gut getan. Er hat das Miteinander in der Stadtgesellschaft geprägt. Er hat den Kontakt zu anderen Konfessionen gepflegt und Brücken gebaut, er konnte und wollte zuhören. Dafür hat er sich stets Zeit genommen. Schönes und Schweres habe er dann abends mit dem Herrgott geteilt. „Und dann konnte ich es loslassen.“

Mit Pfarrer Klappenecker gab es Lösungen, die richtungsweisend im Denkansatz und einmalig geblieben sind. Ein Beispiel ist die Kirche „Maria unter dem Kreuz“ auf der Korber Höhe, sie wird von Protestanten und Katholiken gemeinsam genutzt. „Das gab es vorher nicht und danach nicht mehr.“ Darauf ist er stolz. Es funktioniere sehr gut. Als neben dem Kindergarten St. Theresia bei der Antoniuskirche Waiblingen ein Nachbarhaus „feil gewesen“ sei, hat Franz Klappenecker zukunftsweisend reagiert, gekauft und nicht nur den Kindergarten vergrößert, sondern auch Räume für die Jugend- und Gemeindearbeit dazugewonnen.

Franz Klappenecker lobt sein Team, die Menschen, die ihn begleitet haben, seine Kollegen. „Ich war nie allein.“ Auch er hat die Menschen nicht allein gelassen und ist „mit ihnen Wege gegangen“. Als Beispiel wählt er den Vergleich von Bürger- und Pfarrbüro. „Im Pfarrbüro sollte, wenn das Formale erledigt ist, noch Zeit für ein Gespräch sein.“

Er war Vorbild, auch in seiner Sparsamkeit. Als Frühaufsteher ist sein Tag oft sehr lange geworden. Er habe gelernt, dass man nicht drei Sachen auf einmal machen könne, sondern sich auf eine Sache konzentrieren. Seine Lektüre war stets zielgerichtet, etwa für die Predigt. Für andere Bücher fehlte die Zeit. Das wird jetzt anders und der Tag voraussichtlich „etwas später“ beginnen. Er will Freunde besuchen, lesen und in der Natur sein. Däumchen drehen, „das liegt mir nicht“. Dass es ihn nun in die Nähe von Ulm verschlägt, hat einen praktischen Grund. „Ich habe nach einer Gemeinde gesucht, wo das Pfarrhaus leer steht.“

Persönlicher Abschied am Tag der Deutschen Einheit

In Schnürpflingen ist das der Fall, aber nicht mehr lang. „Wir freuen uns, Pfarrer Klappenecker in unserer Seelsorgeeinheit begrüßen zu dürfen und wünschen ihm ein gutes Ankommen“, heißt es im dortigen Mitteilungsblatt mit dem Hinweis, dass er begrenzt Gottesdienste und seelsorgliche Aufgaben übernehmen werde.

In Waiblingen und weit über die Seelsorgeeinheit hinaus hinterlässt Pfarrer Klappenecker eine große Lücke, ganz besonders als Mensch und Wegbegleiter.

Verabschiedung Diesen Dienstag, 3. Oktober, wollen sich Gemeindemitglieder und Wegbegleiter bei Pfarrer Klappenecker für seine priesterliche Tätigkeit und seinen Einsatz in der Seelsorgeeinheit bedanken. Das geschieht mit einem feierlichen Gottesdienst um 13.30 Uhr in der katholischen St. Antonius-Kirche in Waiblingen in der Fuggerstraße. Im Anschluss besteht bei einem Umtrunk und kleinem Imbiss Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden.

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