Abstandsregeln Corona: Sportlerin legt sich mit Sportverein an

Von Claudia Barner 

Monika Schäfer aus Waldenbuch, die einen Yoga-Kurs besucht, wirft dem Turn- und Sportverein einen zu laxen Umgang mit den Abstandsregeln vor. Der TSV weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Bei gemeinsamem Yoga gelten Abstandsregeln. Foto: Stock Adobe
Bei gemeinsamem Yoga gelten Abstandsregeln. Foto: Stock Adobe

Waldenbuch - Wie ernst nimmt es der TSV-Waldenbuch mit den Corona-Abstandsregeln? Um diese Frage ist eine heftige Diskussion entbrannt, die mittlerweile die TSV-Geschäftsführung, den Vereinsvorstand und das städtische Ordnungsamt beschäftigt.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Monika Schäfer. Beim Neustart ihres Yoga-Kurses nach dem Sommer sah sich das 62-jährige TSV-Mitglied in der Gymnastikhalle am Stadion mit einer Situation konfrontiert, die starkes Unbehagen auslöste: „Es waren zwölf Personen im Raum. Die Einhaltung des Mindestabstands war nicht möglich“, berichtet sie. Seitdem drängt sie auf Klärung und kommt zu dem Ergebnis: „Ich habe bis heute keine befriedigende Antwort erhalten.“

Im umfangreichen E-Mail-Verkehr zwischen dem TSV und der Sportlerin ist dokumentiert, wie sich die Fronten zwischen dem Verein und dem Mitglied in den vergangenen Wochen verhärtet haben. Wie genau ist welche Verordnung anzuwenden? Was ist möglich und was nicht? Wurden die Mitglieder ausreichend informiert? Monika Schäfer hat im zuständigen Ministerium nachgefragt und die Auskunft erhalten: „Die Ausübung von Yoga erfolgt ohne Körperkontakt. Daher gilt immer der Mindestabstand von 1,5 Metern.“ Dass dieser Umstand auf der TSV-Homepage trotz ihres Hinweises lange Zeit nicht kommuniziert worden sei, bewertet die Waldenbucherin als grobes Versäumnis: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Fallzahlen finde ich das Verhalten aller Verantwortlichen absolut verantwortungslos.“

Es ist immer ein Spannungsfeld

Den Vorwurf weist die zuständige TSV-Bereichsleiterin Ulrike Deinaß entschieden zurück. „Wir haben die aktuellen Verordnungen und das Wohl unserer Mitglieder immer im Blick“, betont sie. Für jede Abteilung und jede Sparte gebe es eigene Maßgaben und Konzepte, weil der Sport dort in ganz unterschiedlicher Weise ausgeübt werde. Der Verein bewege sich dabei immer im Spannungsfeld zwischen dem, was angeboten werden könne, und dem Wunsch der Teilnehmer, ihren Sport möglichst bald wieder ausüben zu können.

So sei es auch zur Situation in der Gymnastikhalle gekommen. Der Raum sei von der Quadratmeterzahl tatsächlich nur für eine Belegung mit zehn Personen geeignet. Weil es aber einige zusätzliche Anmeldungen gegeben habe, hätte man am ersten Abend klären wollen, ob Teilnehmer einen anderen Kurs besuchen oder sich im zweiwöchigen Turnus abwechseln können. Es seien aber nicht alle da gewesen, so dass das Thema zunächst nicht zur Sprache kam.

Zu Kapazitätsengpässen gekommen

Monika Schäfer war mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Sie hat die Stadtverwaltung eingeschaltet, und die Ordnungsamtsleitern Katharina Jacob ist den Vorwürfen nachgegangen. Sie kommt zu dem Ergebnis: „Bei dem angesprochenen Kurs ist es wohl zu einem Kapazitätsengpass gekommen, der aber mittlerweile behoben ist.“ Ulrike Deinaß bestätigt, dass eine Lösung gefunden sei: „Zwei Teilnehmerinnen haben den Kurs gewechselt.“

Ende gut, alles gut? Nicht für Schäfer, die mittlerweile auch ein Gesprächsangebot vom TSV-Vereinsvorsitzenden Alfred Müssle dankend abgelehnt hat. „Ich möchte nicht, dass jetzt wieder alles glattgebügelt wird. Der Umgang mit meinen legitimen Fragen war nicht in Ordnung. Mir ist wichtig, dass die TSV-Mitglieder umfassend über die geltenden Regeln informiert werden und wissen, dass sie Abstand halten müssen“, erklärt sie.




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