Adbusting in Stuttgart Plakat-Aktion gegen Polizei

An S- und Stadtbahnhöfen im Stuttgarter Zentrum hingen politischen Protest-Plakate. Adressatin der Kritik ist vor allem die deutsche Polizei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
An S- und Stadtbahnhöfen im Stuttgarter Zentrum hingen politischen Protest-Plakate. Adressatin der Kritik ist vor allem die deutsche Polizei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgarter Stadt- und S-Bahnhöfen hängen Plakate politischer Aktivisten, die an bekannte Werbeplakate erinnern. Tatsächlich formulieren die falschen Werbeplakate Kritik an der Polizei in Deutschland.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Werbung mit Helene Fischer an S- und U-Bahnhöfen in Stuttgart – nichts Ungewöhnliches eigentlich. Immerhin ist die Schlagersängerin für ihre Musik im ganzen Land äußerst populär. Doch bei genauerer Betrachtung der vermeintlichen Werbebotschaft auf dem Plakat „Alle 17 Minuten ruft ein Polizist Daten über Helene Fischer ab“ und des angeblichen Unternehmens „Polizeiship“ wird trotz der ähnlichen Aufmachung klar: Es handelt sich nicht um eine Werbeaktion einer bekannten Dating-Firma. Hier wird Kritik an der deutschen Polizei formuliert. Die Plakate wurden unter anderem prominent am Arnulf-Klett-Platz platziert.

Urheberin der falschen Plakat-Aktion, gemeinhin als „Adbusting“ bezeichnet, ist die Aktivistengruppe „Dies Irae“, zu deutsch: „Tag des Zornes“. Diese hat nicht nur in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, sondern auch in anderen großen deutschen Städten wie Frankfurt am Main und München mit den Plakaten für Aufsehen gesorgt. Zu sehen waren dabei auch die Motive, die nun auch in Stuttgart aufgetaucht sind und wieder entfernt werden müssen oder bereits entfernt wurden. Am Samstag machten Twitter-User auf die ungewöhnlichen Werbeplakate im Netz aufmerksam.

Mit ihrem falschen Werbeplakat mit Helene Fischer spielt die Gruppe auf ein Vorkommnis aus dem Jahr 2019 an, als der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch einräumen musste, dass Polizeibeamte während eines Konzerts der Schlagersängerin insgesamt 83 Mal von Polizeicomputern aus persönliche Daten über Fischer abriefen. Normalerweise wegen Personendatenabfragen nur getätigt, wenn ein Verdacht vorliegt oder sich die besagte Person in einer Polizeikontrolle befindet. Das war bei Helene Fischers Auftritt in Frankfurt aber nicht der Fall, so Münch damals: „Es ist wohl relativ unwahrscheinlich, dass Frau Fischer dort 83 Mal kontrolliert worden ist.“

Für die Aktivisten von „Dies Irae“ ist an diesem prominenten Beispiel deutlich geworden, dass Polizeistellen in der Vergangenheit wiederholt aus zweifelhaften Motiven zu Personen Datenabfragen getätigt hätten. Auf dem Plakat unter dem strahlenden Lächeln Helene Fischers heißt es hierzu: „Missbräuchliche Abfragen sind durch Fälle mit rechtsextremistischem Hintergrund öffentlich gemacht worden.“ Dabei verweisen die Aktivisten unter anderem auf den brisanten Fall der Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız. Damals waren von Polizei-PCs Todesdrohungen, unterschrieben mit „NSU 2.0“, an die Anwältin verschickt worden.

Aber nicht nur die Polizei, auch Bundesinnenminister Horste Seehofer – leicht entstellt und mit einer Portion Zynismus – wird von den Aktivisten ins Visier geworden. Unter dem Hashtag „#Polizeiproblem“ auf einem weiteren Plakat wird Seehofer Untätigkeit gegenüber rechter Umtriebe innerhalb der Polizei vorgeworfen.

Die Stuttgarter Polizei rechnet nicht mit juristischen Konsequenzen für die Urheber der Aktion. Es liege keine Straftat vor. Höchstens zivilrechtliche Klagen könnten folgen, wenn jene Werbende, deren Werbeplakat verdeckt gewesen seien, dagegen vorgingen, hieß es aus der Pressestelle der Polizei in Stuttgart.




Unsere Empfehlung für Sie