Ärger in Musberg Beschluss zementiert Gräben im Ringer-Streit

Der Weltmeister Frank Stäbler (vorne) trainiert aus Mangel an einer Trainingsstätte im elterlichen Kuhstall. Foto: Pressefoto Baumann
Der Weltmeister Frank Stäbler (vorne) trainiert aus Mangel an einer Trainingsstätte im elterlichen Kuhstall. Foto: Pressefoto Baumann

Im ewigen Konflikt mit den Ringern um Trainingsstätten hatten nun die Mitglieder des TSV Musberg das Wort. Sie stimmten über das künftige Vorgehen ab. Und es kam, wie es kommen musste.

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Musberg - In einer kontroversen Sitzung hat die Mitgliederversammlung des TSV Musberg am Freitagabend mehrheitlich beschlossen, dass die im Konkurrenzverein KSV organisierten Ringer weiterhin aus den Sporthallen und dem Trainingsraum ausgeschlossen bleiben. Eine Entscheidung, die am Ende eines langen Abends stand, der den Konflikt um die Musberger Ringer kondensiert widerspiegelte.

Wie berichtet, dürfen die Ringer aus Musberg seit Mitte April nicht mehr in die Hallen und Trainingsräume. Zwar gibt es mittlerweile Ausnahmen, die Entscheidung an sich aber steht. Der Vorstand des TSV Musberg hatte mit dem Ausschluss reagiert, nachdem der Verein zum Jahreswechsel 2017/18 plötzlich ohne Lizenzen für die Ringer dastand. Der TSV hatte von der Stadt die Hoheit über die Hallenbelegung übertragen bekommen. Heißt: Die Ringer müssen die Trainingszeiten nehmen, die ihnen der TSV gibt. Die Ringer waren geschlossen unter der Ägide des neugegründeten KSV Musberg angetreten. Den hatten die Ringer gegründet, nachdem der TSV beschlossen hatte, den Förderverein für die Ringer aufzulösen.

Das Tuch zwischen den beiden Vorsitzenden ist zerschnitten

Der Konflikt an sich ist viele Jahre älter – und längst auf einer persönlichen Ebene angekommen. Insbesondere zwischen dem Vorsitzenden des TSV Musberg, Joachim Beckmann, und dem Vorsitzenden des KSV, Andreas Stäbler, ist das Tuch zerschnitten. Jedoch wurde bei der Mitgliederversammlung deutlich: Der Streit hat einen Keil zwischen die TSV-Mitglieder getrieben. Wie tief die Gräben sind, war allein an der Sitzordnung abzulesen: Der Kern der Ringer hatte sich rechts vor dem Rednerpult platziert, auf der anderen Seite des Raumes saßen diejenigen, die dem TSV-Vorstand die Treue halten.

Schon beim Einlass gab es am Freitagabend Tumult. Denn die Ringer sollten sich in einer eigenen Liste eintragen. Beckmann sagte, das sei einfacher, so müsse man nicht die gesamten Mitgliederlisten durchblättern. Die Ringer fühlten sich indes gegängelt, schließlich habe Beckmann mehrfach eine Liste gefordert, auf der klar zu erkennen ist, wer zum TSV gehört und wer zum KSV.

Wie bei jedem Verein stand dem Vorstand zunächst eine Redezeit zu, in der er über seine Arbeit berichtet. Beckmann nutzte das ausgiebig; in einer langen Präsentation ging er auf die Vorwürfe durch die Ringer ein. Er führte Belege an und verwies auf diversen Schriftverkehr. Die Ringer ließen dies geschehen, nur zweimal regte sich Widerspruch. Eine Frau bezichtigte Beckmann sogar der Lüge.

Die Vorträge unterschieden sich fundamental

Vor der Abstimmung, wie es mit der Hallennutzung weitergeht, sollten beide Seiten nochmals ihre Argumente vortragen. Zunächst sprach Andreas Stäbler für die Ringer. Er hatte nur ein paar Folien mit wenig Text, er setzte stattdessen auf emotionale Argumente und appellierte an den Frieden im Verein. „Wir sind auf die Unterstützung aller Musberger angewiesen, damit Ringen hier eine Zukunft hat“, sagte er. Die Botschaft kam an, jedoch fehlten sachliche Argumente in Stäblers Vortrag. Dieser endete mit Videobotschaften vom Ringer-Weltmeister Frank Stäbler und anderen Ringern, die darum warben, im Sinne des KSV zu stimmen. Der Unterschied zu Beckmanns Vortrag war frappierend. Stäbler hatte aber auch nur 15 Minuten Zeit. Beckmann sprach mehr als 45 Minuten.

Nach Stäblers Ausführungen hatte der TSV Zeit, seine Argumente vorzutragen. Das übernahm nicht Beckmann, sondern drei Abteilungsleiter des TSV. Sie kommen aus dem Volleyball, dem Fußball und dem Turnen und erklärten wortreich, warum Ringen beim TSV bleiben muss und die Hallenzeiten deshalb nicht an KSV gegeben werden könnten.

Dann wurde es noch mal dramatisch

Kurz vor dem Höhepunkt – der Abstimmung – wurde es kurz dramatisch. Der TSV-Vorstand erklärte, dass die Abstimmung Andreas Stäbler und die anderen Vorstände des KSV in einen Treuekonflikt bringe, und schloss sie deshalb von der Abstimmung aus. Bei den Ringern löste dies wütende Zwischenrufe und Pfiffe aus. Sie fügten sich aber letztlich.

Dann ging alles ganz schnell. 162 Mitglieder votierten für den Antrag des TSV-Vorstands, 103 dagegen. Der Ausschluss aus den Hallen für die Ringer bleibt damit bestehen, und auch eine Kooperation der beiden Vereine scheint in die Ferne gerückt. Eine Entscheidung, die alle erwartet haben dürften. Dementsprechend das Fazit:. „Wir hatten hier nichts zu verlieren, und wirklich demokratisch war das ja ohnehin nicht. Ich finde es ein Unding, dass wir ausgeschlossen wurden“, sagte Andreas Stäbler. Er sieht nun die Stadt in der Pflicht. „Das Rathaus wird handeln müssen, denn der Beschluss bedeutet, dass auch in der nächsten Zeit keine Ringer in den Hallen trainieren werden.“ Beckmann wiederum will dem etwas entgegensetzen. „Wir werden zunächst mal die Sommerferien abwarten, damit etwas Ruhe einkehrt, dann werden wir sehen, welches Angebot wir den jungen Ringern machen können.“




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