Ärger über wildes Laden von E-Autos Haus und Grund attackiert die Stadt Stuttgart

So komfortabel wie hier im Parkhaus kann man nicht immer laden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
So komfortabel wie hier im Parkhaus kann man nicht immer laden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Verein fordert Ladeboxen an Lichtmasten und ein Förderprogramm für private Ladepunkte. Dafür, dass so wenig passiere, hat er Schuldige ausgemacht. Doch die Stadtverwaltung widerspricht vehement.

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Stuttgart - Die Verantwortlichen des Stuttgarter Haus- und Grundbesitzervereins haben kritisiert, dass das wilde Laden von Elektroautos in Stuttgart zu einem immer größeren Problem wird – und die Stadt Stuttgart nicht in die Gänge komme, um die Probleme zu lösen. Sie verschlafe die Sache sogar förmlich, obwohl in anderen Kommunen schon Lösungen vorexerziert würden.

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Es geht darum, dass immer mehr Halter von Elektromobilen Kabel über Gehwege verlegen, um am Straßenrand die Batterien im Wagen aufzuladen – weil sie das nicht in einer Garage machen können oder wollen und im Umfeld keine Ladesäulen verfügbar sind.

Der Verein empfiehlt Ladeboxen an Lichtmasten

Eine ganze Reihe von Städten erprobe schon erfolgreich, Lichtmasten neben öffentlichen Parkplätzen mit Ladeboxen auszustatten, erklärte der Hausbesitzerverein dazu. Das sei mit einer technischen Ergänzung möglich, und es brauche dafür keine Erdarbeiten zur Kabelverlegung. In Großbritannien seien bereits Tausende von sogenannten Simple Sockets installiert, in Deutschland werde diese smarte Lösung im Rahmen von Pilotprojekten ebenfalls angewandt. Nicht zuletzt Forscher der Universität Koblenz hätten dafür die Grundlage geschaffen und einen Prototypen zum Patent angemeldet. Die Ladeleistung liege im Bereich von Schnellladesäulen. Die Industrie helfe mit, indem sie Ladekabel mit integriertem Strom zähler und Mobilstromvertrag anbiete. Vereinsgeschäftsführer Ulrich Wecker fordert: „Die Stadt sollte sich umgehend mit dieser technisch hoch innovativen und zugleich günstigen Lösung befassen und den sich abzeichnenden Flaschenhals beim Ausbau der E-Mobilität beseitigen.“

Die Stadtverwaltung soll ihren Horizont erweitern

Den Verein stört nicht nur, dass die Stadt diese technische Innovation zu verschlafen scheine. Aus seiner Sicht rächt sich auch, dass die Stadt kein Förderprogramm zum Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur aufgelegt habe – obwohl Haus und Grund dies schon im Frühjahr 2019 angeregt hatte. Die Verantwortlichen der Stadt und besonders das Referat Strategische Planung und nachhaltige Mobilität wirkten frappierend überrascht und ratlos aufgrund des Dilemma s, dass man mehr Elektromobile haben will, aber damit das wilde Laden zu einem größeren Problem wird. Die Stadt müsse jetzt endlich über den „ideologisch bedingten engen Horizont von reinen Quartierslösungen hinausdenken“, sagte Ulrich Wecker. Ein städtisches Förderprogramm sei überfällig.

Stadtverwaltung widerspricht umgehend

„Herr Wecker sollte es besser wissen, schließlich steht er im Austausch mit der Abteilung Mobilität“, entgegnete umgehend Sven Matis, Sprecher der Stadt. Die öffentlich zugängliche Infrastruktur für E-Mobilität in Stuttgart gehöre zum Besten deutschlandweit. Ende 2022 werde es 1000 öffentliche Ladepunkte geben, aktuell seien es 516. Der Ausbau gehe zügig, aber nicht zügellos voran. Die Herausforderungen seien auch nicht durch die Nutzung von Laternen ohne Weiteres lösbar. Auch für Lösungen in Straßenlaternen brauche es Betreiber, die den Service rechtlich sauber anböten. Es brauche ein Genehmigungsverfahren und eine Zuteilung von Standorten. Die vom Hausbesitzerverein erwähnte Patentanmeldung „ist noch kein Umsetzung in der Großstadt“, betonte Stadt-Sprecher Matis. Die Versuche in Berlin und anderen Städten beobachte man interessiert und in gutem Austausch. Dort gebe es aber bisher noch keine Umsetzung im großen Stil.

Zu klären wäre wohl auch noch, wo in Stuttgart überhaupt geeignete Laternenmasten vorhanden sind. So wies ein Leser jetzt darauf hin, dass in der Landeshauptstadt derartige Masten oft dicht an den Gebäuden stünden, nicht am Straßenrand neben dem Gehweg. Daher drohten dann auch Kabel quer über den Gehweg.

Stadt hat Förderprogramm vorbereitet

Die Stadtverwaltung kündigte auch an, dass sich in Stuttgart in den nächsten Wochen einiges tue: Eine städtische Stelle „Erstberatung Elektromobilität“ sei seit März mit Förderung des Landes im Einsatz und bearbeite zahlreiche Anfragen – gerade auch von Haus- und Grundbesitzern. Der Web-Auftritt mit Beratungsangeboten zum Thema Elektromobilität sei komplett überarbeitet und ausgeweitet worden. Er gehe in wenigen Tagen online. Ein „Förderprogramm privates Laden“ sei in Zusammenarbeit mit der Innung des Elektrohandwerks formuliert worden. Es werde noch im November im Gemeinderat besprochen.




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