Ärzte-Notstand in Leonberg Zentrum für Kinderärzte stößt auf Zuspruch
Die CDU begrüßt den SPD-Vorstoß für ein Haus mit mehreren kooperierenden Medizinern am Krankenhaus Leonberg.
Die CDU begrüßt den SPD-Vorstoß für ein Haus mit mehreren kooperierenden Medizinern am Krankenhaus Leonberg.
Die Idee eines medizinischen Versorgungszentrums direkt am Leonberger Krankenhaus stößt auf breite politische Zustimmung. Die SPD hatte kurz nach Weihnachten für eine Art erweitertes Ärztehaus mit besonderem Profil geworben, um dem Fachärztemangel im Raum Leonberg zu begegnen. Insbesondere die medizinische Hilfe für Kinder könne so verbessert werden.
Dieser Vorstoß wird von der CDU-Fraktion im Leonberger Gemeinderat ausdrücklich begrüßt. Ganz neu, so sagt die Fraktionschefin Elke Staubach, sei das Thema allerdings nicht. „Bereits vor gut fünf Jahren hatten wir unter dem Motto „Stärkung des Kreiskrankenhauses Leonberg“ vorgeschlagen, mit dem Landkreis Böblingen Verhandlungen zur Einrichtung eines Gesundheitscampus’ aufzunehmen.“
Damals wie heute gelte, dass die Kreisärzteschaft Leonberg in die Gespräche eingebunden werden müsse. In der Begründung führten die Christdemokraten seinerzeit aus, „dass jegliche Ansiedlung ambulanter medizinischer, pflegerischer und gesundheitsfördernder Strukturen in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus dazu führen, die Klinik als Gesundheitsstandort noch mehr als jetzt wahrzunehmen.“
Ein Aspekt, den die CDU ebenfalls 2018 angesprochen hatte, scheint nun, unabhängig der Campus-Überlegungen, konkrete Formen anzunehmen: Innerhalb des Klinikverbundes Südwest soll Leonberg gemeinsam mit dem Krankenhaus in Calw einen Schwerpunkt in der Altersmedizin bilden. Entsprechend werden hier die Kapazitäten erweitert.
Wobei der Geschäftsführung wichtig ist, die medizinische Bedeutung zu unterstreichen: „Altersmedizin hat nichts mit Altersheim zu tun“, sagt der Klinikverbund-Chef Alexander Schmidtke. „Es geht darum, die Lebensqualität der Patienten zu steigern.“ Eine starke geriatrische Abteilung im Krankenhaus Leonberg ist Teil des kurz vor Weihnachten beschlossenen Medizinkonzeptes für den kompletten Klinikverbund.
Um einen Campus an der Leonberger Klinik, für den noch vor zweieinhalb Jahren konkrete Pläne vorgestellt wurden, ist es zuletzt hingegen ruhig geworden. „Weder der Landkreis noch die Stadtverwaltung haben diesen Auftrag weiterverfolgt“, beklagt die CDU-Fraktionschefin Elke Staubach. „Vielleicht bringt nun der SPD-Antrag, der für den Haushalt 2024 eingebracht wurde, neuen Schwung, um medizinische Lücken zu schließen und die gesundheitlichen Erforderlichkeiten zeitnah anzupacken.“
Der SPD-Antrag, der eine finanzielle Anschubfinanzierung von maximal 50 000 Euro durch die Stadt Leonberg vorsieht, aber in den Haushaltsberatungen keine Mehrheit gefunden hatte, sieht ein Modell vor, in dem mehrere Ärzte sozusagen gemeinsame Sache machen. Damit könnte aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden Ottmar Pfitzenmaier die medizinische Versorgung verbessert, gleichzeitig den Vorstellungen jüngerer Ärzte eher entsprochen werden.
„Viele wünschen sich flexible Arbeitszeiten“, sagt Pfitzenmaier. „Von Bürokratie möchte man verschont bleiben, eine sichere Anstellung hat Priorität gegenüber dem unternehmerischen Risiko einer eigenen Praxis. Bevorzugt werden Teammodelle, kooperative Formen der Zusammenarbeit.“ Aufgrund flexibler Arbeitszeiten könnten umfangreichere Sprechzeiten angeboten werden als dies in Einzelpraxen möglich ist.
Mit der Leonberger Gynäkologie und der von Hebammen geführten Geburtshilfe, so sagt der Sozialdemokrat, hätte das Projekt nichts zu tun: „Auch uns wäre es am liebsten, es wäre wirtschaftlich vertretbar, dass sie in Leonberg verbleibt.“ Im neuen Medizinkonzept ist eine Schließung in fünf Jahren vorgesehen. Die Leonberger Hebammen und Ärzte wollen die Zeit nutzen, um die Geburtenzahlen derart zu steigern, dass die Gynäkologie eine langfristige Zukunft hat.