Affront gegen Papst Franziskus Giftpfeile aus dem eigenen Hinterhof

Widersacher hinter den Mauern des Vatikans: Papst Franziskus und Vorgänger Benedikt (rechts). Foto: dpa

Bald will sich Papst Franziskus zu Forderungen nach einer Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer äußern. Doch fährt ihm sein Vorgänger Benedikt in die Parade. Damit bricht der deutsche emeritierte Papst ein Versprechen.

Rom - Da sitzen sie, die beiden Päpste, und schauen im Fernsehen das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014: Deutschland gegen Argentinien. Sie trinken Bier, essen Pizza und diskutieren die Spielweise. Mit so viel Harmonie endet der gefeierte Film „Die zwei Päpste“, der derzeit auf dem Streamingdienst Netflix zu sehen ist und der die Beziehung von Joseph Ratzinger und Jorge Bergoglio in den Mittelpunkt stellt. Anthony Hopkins, der Ratzinger beziehungsweise Papst Benedikt XVI. spielt, sagt zu seinem Nachfolger noch: „Das ist Teil des Spiels.“ Dann endet der Film.

 

Ganz so harmonisch, wie es der Film in seiner Schlussszene darstellt, gestaltet sich das Leben im Vatikan wohl nicht. Aktuell fährt der emeritierte Papst Benedikt seinem Nachfolger Franziskus in der Debatte über den Zölibat gehörig in die Parade. Während die Welt darauf wartet, wie Franziskus die Empfehlungen der Amazonas-Synode vom Herbst umsetzt, wird an diesem Mittwoch ein Buch des 92-jährigen Benedikt veröffentlicht.

Papst Franziskus hat sich noch nicht zu den Empfehlungen der Synode geäußert

Gemeinsam mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah tritt Benedikt darin vehement gegen eine Lockerung des priesterlichen Eheverbots ein und stellt sich damit gegen die Forderungen der Synode. In ihrem Schlussteil warnen die beiden Autoren die Bischöfe, Priester und Laien davor, sich von „irregeleiteten Einwänden, theatralischem Gehabe, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Fehlern“ einschüchtern zu lassen. Die Synode sei eine „sonderbare Mediensynode“ gewesen, die die „wirkliche Synode“ überlagert habe.

Ende Oktober hatten rund 200 Bischöfe aus aller Welt und Fachleute aus Südamerika in ihrem Schlussdokument vorgeschlagen, dass ältere, im Leben bewährte Männer – sogenannte Viri probati – im Einzelfall zu Priestern geweiht werden können, auch wenn sie verheiratet sind. Das nicht bindende Dokument gilt als Empfehlung für Papst Franziskus, dessen Schreiben zur Synode noch immer mit Spannung erwartet wird.

Aus dem Buch mit dem Titel „Des profondeurs de nos cœurs“ (Aus der Tiefe unseres Herzens), das am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht wird, hat die Zeitung „Le Figaro“ in Zusammenarbeit mit der italienischen „La Repubblica“ am Montag bereits zitiert. Auch wenn der aus Guinea stammende Kardinal Sarah und der emeritierte Papst Benedikt betonen, sich als – so zitiert es „La Repubblica“ – „Bischöfe im Gehorsam von Papst Franziskus“ zu betrachten, ist das Werk wohl eine eindeutige Gegenposition zu der Haltung des aktuellen Papstes.

Einflussnahme auf das Pontifikat?

Auch wenn Benedikt XVI. der bekanntere der beiden Autoren ist, dürfte die Hauptarbeit an dem 175 Seiten umfassenden Buch bei Kardinal Sarah gelegen haben. Das Werk zum Zölibat soll aus Briefwechseln und Gesprächen zwischen Benedikt und Sarah entstanden sein. Sarah gilt als Wortführer der konservativen Opposition gegen den Kurs von Papst Franziskus.

Dennoch wird das Buch bereits als Versuch der Einflussnahme Benedikts auf das Pontifikat des Nachfolgers gesehen. Mit dem Werk zum Zölibat bricht der emeritierte Papst zwar nicht zum ersten Mal, doch aber auf eine nie da gewesene Art und Weise sein Versprechen, das er bei seinem Rücktritt vor fast sieben Jahren gegeben hat. Er werde künftig „für die Welt verborgen“ bleiben und dem neuen Papst gehorsam sein, hatte Benedikt im Frühjahr 2013 verkündet. 2019 aber hatte er sich in die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle eingemischt und den sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche auf die sexuelle Revolution der 1960er Jahre zurückgeführt.

Gut möglich, dass sich über die Frage des Zölibats also noch ein öffentlicher Streit der beiden entspinnt. Im WM-Finale 2014 konnte Deutschland übrigens mit einem 1:0 als Sieger vom Platz gehen.

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