Airport-City in Stuttgart Am Flughafen wächst die Bürostadt

Von Jörg Nauke 

Am Montag wird am Flughafen in Stuttgart der Grundstein für die Deutschland-Zentrale von Ernst & Young gelegt. Der Airport ist auf Jahre hin Baustelle, insgesamt werden in Hotels, Büroflächen, Parkhäuser und das Bahnprojekt Stuttgart 21 rund 600 Millionen Euro investiert.

Kranen bestimmen auf Jahre das Bild des Flughafens. Foto: Flughafen
Kranen bestimmen auf Jahre das Bild des Flughafens. Foto: Flughafen

Stuttgart - Die Stuttgarter Airport-City ist einer der am besten erschlossenen Standorte in Baden-Württemberg“, sagt der Flughafengeschäftsführer Walter Schoefer. Auf die Verknüpfung der Verkehrswege von Luft, Straße und Schiene wird er auch am kommenden Montag wieder hinweisen, wenn der Grundstein für die Deutschlandzentrale der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gelegt wird. Anstelle des alten Parkhauses P 10 mit 2000 Stellplätzen entsteht seit Sommer vergangenen Jahres ein sechsstöckiges energieeffizientes und nachhaltiges Bürogebäude mit 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Ein milder Winter hat den Baufortschritt begünstigt, lediglich die auf der Nachbarbaustelle entdeckte Fliegerbombe hat zu Verzug geführt.

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Der Wettbewerb war mit 270 000 Euro dotiert. Die Architekten Haser und Jehle wurden beauftragt, ihren Entwurf eines Gebäudes in Form einer liegenden Acht, durch das zwei große begrünte Innenhöfe entstehen, zu realisieren. Die Flughafengesellschaft (FSG) tritt selbst als Investor auf. Sie erstellt das Gebäude für 133 Millionen Euro (inklusive eigenem Grundstück und fast 400 Tiefgaragenplätzen) und vermietet drei Viertel davon an Ernst & Young. Das bisher in Weil­imdorf angesiedelte Unternehmen – der Umzug hat im Rathaus ein kleineres Erdbeben ausgelöst – soll Anfang 2016 mit seinen rund 1500 Mitarbeitern einziehen. Die übrige Bürofläche will der Airport-City-„Bürgermeister“ Schoefer privat vermarkten. Interessenten gebe es genug, obwohl man noch nicht in den Vertrieb gegangen sei. Schoefer betont, mit den Projekten auf Nachverdichtung und Innenentwicklung zu setzen, eine geringerwertige Nutzung wie das Parken werde durch eine höherwertige ersetzt. Man baue nicht auf der grünen Wiese – aber auf für eine Flug­hafennutzung enteigneten Grundstücken, kontert in diesem Fall die Schutzgemeinschaft Filder.

Das P 14 bietet rund 1560 Stellplätze

Für die wegfallenden Parkplätze wird derzeit auf dem Gelände des ehemaligen Frachthofes nördlich des Terminal 4 Ersatz geschaffen. Dieser war Ende 2011 wie das Speditionslager abgerissen worden und wird seitdem als Parkierungsfläche genützt. Das neue Parkhaus P 14 bietet rund 1560 Stellplätze. Bestandteil der 35-Millionen-Euro-Investition ist der Stuttgart-Airport-Busterminal. Der Fernbusbahnhof – derzeit in Zuffenhausen und Obertürkheim angesiedelt – hat 17 Bahnsteige und wird in das Parkhaus integriert, auf dessen Dach eine große Fotovoltaikanlage installiert werden soll. Im kommenden Jahr soll die Inbetriebnahme gefeiert werden. Zwischen dem Busterminal und der Flughafenstraße sind drei weitere Bürogebäude geplant. Auch hierfür gebe es „spannende Interessenten“. Wichtig sei aber, dass nicht alle Projekte gleichzeitig auf Baustelle gingen, schließlich dürfe der Lkw-Verkehr nicht An- und Abfahrt der Passagiere behindern. Es wird zwar derzeit weniger geflogen, aber fast zehn Millionen Fluggäste sind es immer noch.

Im Westen des Flughafens, auf einem bestehenden Parkdeck, baut die FSG ihr neues Verwaltungsgebäude. Das alte ist nicht nur fast 50 Jahre alt und allein aus energetischen Gründen reif für die Abrissbirne; der vordere Bereich müsste demnächst ohnehin dem Tunnelbau für die Stadtbahnlinie U 6 weichen. Bis Ende kommenden Jahres müssen Schoefer und weitere 315 Mitarbeiter (derzeit sind es nur 227 im alten Gebäude) umgezogen sein, denn im Frühjahr 2016 ist der Abbruch vorgesehen. Die neue Zentrale neben dem bestehenden Stuttgart Airport Office, wo der Parkhausbetreiber Apcoa, die Bundespolizei, das Polizeirevier, die Handelstocher der FSG sowie diverse Firmen untergebracht sind, kostet 28 Millionen Euro. 2500 der 13 700 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sollen fremdvermietet werden. Diese „Einliegerwohnung“ befindet sich in den oberen zwei Etagen – der Verzicht auf die beste Aussicht ist für Walter Schoefer ein Nachweis schwäbischer Sparsamkeit.

Weiteres Vier-Sterne-Superior-Hotel geplant

Der Umzug hat einen weiteren finanziellen Grund: War die Firmenzentrale ursprünglich am (unattraktiven Rand) des Flughafens angesiedelt, befindet sich die Fläche nach dem Bau der Messe im Zentrum des Geschehens – und ist damit zu hochwertig, als dass man es von einem Zweckbau belegen könnte. An dieser Stelle ist ein weiteres Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 250 bis 300 Zimmer geplant, das mit kleineren Seminar- und Veranstaltungsräumen das in diesen Bereichen überschaubare Messeangebot ergänzen soll. Mit einem Angebot von 800 Betten im Hoteltrio könnten Kongresse mit bis zu 1000 Teilnehmern akquiriert werden, so Schoefer.

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