11 Walls, 11 Goals in Stuttgart Viva Con Agua startet Kunstaktion zur Fußball-EM

In Bad Cannstatt entsteht ein riesiges Gemälde einer Krankenschwester. Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Ein riesiges Wandgemälde einer Krankenschwester entsteht seit ein paar Tagen an der Fassade des Gebäudes des Deutschen Roten Kreuz in Bad Cannstatt. Wer dahinter steckt – und was das mit der EM zu tun hat.

Digital Desk: Annika Mayer (may)

Jacqueline de Montaigne arbeitet in schwindelerregender Höhe. Die Leinwand der portugiesischen Künstlerin ist 18 Meter hoch und etwa 8 Meter breit: Ein Teil der Fassade des Gebäudes des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bad Cannstatt. Seit einer Woche arbeitet sie von einem elektrischen Lift aus an ihrem Mural, also Wandgemälde. Es zeigt eine Frau in einer historischen Krankenschwesteruniform vor einem roten Hintergrund. Ihr Kunstwerk entsteht für das Projekt zur Fußballeuropameisterschaft „11 Walls, 11 Goals“ von Viva con Agua Arts.

 

Die Non-Profit-Organisation Viva con Agua setzt sich dafür ein, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen zu verbessern. Dazu unterstützt der Verein unter anderem Projekte in Ländern wie Uganda, Tansania und Südafrika. Viva con Agua Arts ist ein Sozialunternehmen des Vereins, das mit Kunst- und Musikveranstaltungen Aufmerksamkeit schaffen und Spenden für die Projekte sammeln soll.

Was Viva con Agua mit der EM zu tun hat

Für „11 Walls, 11 Goals“ werden im Zuge der EM elf Wandflächen in den gastgebenden deutschen Städten von Künstlern aus Europa gestaltet, erklärt die Produktionsleiterin Carina Czasny. Aber wie passen die Organisation und die EM zusammen? Eine Verbindung zum Thema Fußball liegt in den Wurzeln von Viva con Agua, erklärt Czasny. Der Gründer Benjamin Adrion spielte früher beim FC St. Pauli und in der Jugendmannschaft des VfB Stuttgart. Die Organisation veranstaltet außerdem regelmäßig ein Kunst-, Kultur-, und Musikfestival, die Millerntor Gallery, im Stadion des FC St. Pauli „Wir gestalten immer die Stadionwände, diesen Sommer geht es aber nicht, weil es wegen der EM Trainingsausweichfläche ist“, so Czasny. Der Präsident des FC St. Pauli habe sie dann ermuntert, ein Projekt für die DFB-Fußball- und Kulturstiftung Stiftung einzureichen, welche die Aktion nun fördert.

Die Murals stehen unter dem Motto ‚The Art of Movement’. Sie sollen nicht nur die Menschen auf die Europameisterschaft einstimmen. „Wir wollen etwas erschaffen, das sich Leute anschauen und dabei über soziale Veränderung nachdenken können“, erklärt Czasny. Zudem erhofft man sich Aufmerksamkeit und Spenden für Viva con Agua.

Gemälde stellt die Bedeutung von Gemeinschaft dar

Um Sport geht es im Mural von Jacqueline de Montaigne aber nicht. Auf der Wand des DRK-Gebäudes in Stuttgart ist kein Fußball zu sehen, nur der Körper der Krankenschwester. Der Begriff ‚Movement’ könne beispielsweise auch für politische Bewegung stehen, so Czasny. Die Botschaft des Gemäldes für Stuttgart sei die Bedeutung von Gemeinschaft, erzählt die Künstlerin Jacqueline de Montaigne. Sie kennt sich mit Murals aus, zehn bis 15 fertigt sie pro Jahr an.

Ihr Motiv hat sie mit dem Deutschen Roten Kreuz abgestimmt. Das DRK hatte sich auf einen Aufruf von Viva con Agua Arts auf Instagram für das Projekt gemeldet und die Gebäudefläche zur Verfügung gestellt. Jaqueline de Montaigne erhielt vorab ein Briefing mit Informationen zu der Organisation. Die große Anzahl der Freiwilligen, die weltweit für das Rote Kreuz arbeiten, inspirierte sie schließlich zu ihrem Motiv. „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Freiwilligenarbeit sehr wichtig ist“, erklärt sie. „Wenn man Freiwilligenarbeit macht, ist das genauso nützlich für den Freiwilligen, wie für den, dem man hilft. Deshalb hat das viel Sinn für mich gemacht“, erklärt sie. So ein Gemälde braucht viel Arbeit – und gutes Wetter. Eigentlich sollte es schon am Sonntagabend fertig werden, durch Regen und Kälte und technische Schwierigkeiten wird das Werk aber erst am Montagabend in voller Pracht zu sehen sein.

Die portugiesische Künstlerin Jacqueline de Montaigne /ANTONIO AZEVEDO

Bei Passanten stoßen die Arbeiten auf großes Interesse. Menschen bleiben stehen, schießen Fotos. Und das Werk wird die EM überdauern: Es sei geplant, dass es für mindestens drei Jahre dort zu sehen sein wird, sagt Carina Czasny.

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