Aktiv-Plus-Haus in Stuttgart Dieses Haus produziert mehr Energie als es verbraucht

Das Mehrfamilienhaus mit dem besonderen Energiekonzept befindet sich direkt am Bahnhof in Stuttgart-Möhringen. Foto: Stadtwerke Stuttgart/Max Kovalenko

In Möhringen steht ein neues Mehrfamilienhaus, an dem die Stadtwerke Stuttgart für die Energiewende lernen wollen. Für das, was das Gebäude kann, hat es nun einen Preis gewonnen.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Möhringen - Am Möhringer Bahnhof steht ein Leuchtturm. Kein rot-weiß geringelter Turm, der per Lichtsignal den Weg weist, sondern ein Mehrfamilienhaus für 22 Parteien, das zeigen soll, wo bei der Energiewende die Reise hingehen könnte. Das Projekt namens „uptown green living“ ist ein Aktiv-Plus-Haus, was bedeutet: Es produziert in der Bilanz mehr Energie als es selbst verbraucht. Es ist trotzdem nicht energieautark, es bezieht zeitweise zusätzlichen Ökostrom aus dem Netz. Das besondere Haus mit der Adresse Filderbahnstraße 59 hat nun den Immobilien-Award der Metropolregion Stuttgart in der Kategorie Wohnen eingeheimst.

 

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Doch wie genau gelingt es dem Mehrfamilienhaus, dessen Bewohner um den Jahreswechsel 2020/2021 eingezogen sind, so energiesparsam zu sein? Die Wärme wird aus dem unterirdischen Abwasserkanal gewonnen, auf dem Dach sammelt Fotovoltaik Sonnenstrom ein, in der Tiefgarage befinden sich 22 Ladestationen, die Räume sind so geschnitten, dass sich das Leben der Bewohner vor allem gen Süden abspielt, und im Keller befindet sich ein Batteriespeicher, der überschüssigen Sonnenstrom für dunklere Stunden puffern soll. Zudem sind die Balkonbrüstungen mit einer Spezialfolie aus organischem Material beklebt, die ebenfalls Sonnenstrom einfängt. Letzteres ist aber lediglich ein Schmankerl für die Bewohner, wie Viola Kucklies von den Stadtwerken Stuttgart erklärt. Sie tragen rein rechnerisch kaum zur positiven Energiebilanz dieses Gebäudes bei. Von dem Plus in der Bilanz profitieren übrigens auch die Bewohner, indem sie den vergleichsweise günstigen Mietstrom der Stadtwerke beziehen.

Stadtwerke wollen für andere Projekte lernen

Viola Kucklies ist Versorgungsingenieurin und Projektleiterin bei den Stadtwerken Stuttgart. Die Stadtwerke sind zum einen der Betreiber des neuartigen Energiesystems, zum anderen sind sie auch Beobachter. „Wir wollen das letzte Quäntchen rausholen“, sagt sie. „Und wir wollen für andere Projekte lernen.“ Deshalb läuft seit dem Sommer 2021 ein Monitoring des Steinbeis-Innovationszentrums. Bis Ende 2022 wird dokumentiert, „ob das energetische Konzept mit dem groß dimensionierten Batteriespeicher aufgeht und wie sich die einzelnen Aspekte über die ersten Betriebsjahre entwickeln“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtwerke. Finanziert wird die Datenerhebung vom Bundesministerium für Umwelt.

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Bauträger ist die Bietigheimer Wohnbau, beteiligt sind zudem die Werkgemeinschaft Böhme Hilse sowie die Ingenieurgesellschaft EGS-plan. Es handelt sich nach Auskunft der Bietigheimer Wohnbau um 22 Eigentumswohnungen und eine Gewerbeeinheit, ein Kiosk. Der Quadratmeterpreis lag bei rund 6500 Euro zuzüglich Tiefgaragenstellplatz. „Mit Sicherheit würden die Wohnungen heute aufgrund der exorbitant gestiegenen Baukosten und der Marktentwicklung rund 1000 bis 1500 Euro je Quadratmeter Wohnfläche mehr kosten“, sagt die Sprecherin Sabrina Peer. Bisher ist das Gebäude an der Filderbahnstraße 59 das erste dieser Art für die Bietigheimer Wohnbau, wie Peer sagt.

Bewohner sollen auch einbezogen werden

Energiewende meint, auf erneuerbare Energien umzusteigen und die Energieeffizienz zu steigern, beides wird an der Filderbahnstraße in Möhringen praktiziert. Energiewende meint allerdings auch, den Energieverbrauch zu senken. Hier müsste man, um den maximalen Effekt zu erreichen, die Bewohner noch mehr einbeziehen. Viola Kucklies von den Stadtwerken stimmt zu, sie sagt, dass dies noch ausstehe. Corona habe dies erschwert. Geplant sei es.

„Die Bewohner können grundsätzlich durch ihr spezifisches Nutzverhalten beitragen“, sagt Sabrina Peer von der Bietigheimer Wohnbau „Mit den Bewohnern ist für diesen Sommer eine Informationsveranstaltung geplant. Dabei werden auch die technischen Besonderheiten des Gebäudes erläutert mit dem Ziel, die Bewohner für ihr Nutzerverhalten zu sensibilisieren.“ Bisher fahren übrigens vier Haushalte dort ein E-Auto.

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