Al Campo Dagio Der neue Held vom Kräherwald

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Die MTV-Vereinsgaststätte ist umgebaut und die Familie Blancone, bekannt durch das Girasole im Stuttgarter Westen, serviert dort nun unprätentiöse italienische Küche.

Am Kräherwald ist ein neuer Italiener zu finden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Am Kräherwald ist ein neuer Italiener zu finden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der kleine Götze tickelt mit seinen Stollenschuhen zur großen Fensterfront und sieht nach, was seine Freunde auf dem Bolzplatz so treiben. Dann schaut er kurz bei Mutti am Tisch vorbei, trinkt einen Schluck Spezi und klettert auf einen der Hocker am traditionellen Holzofen. Bei den Nachwuchskickern aus Botnang und dem Westen ist der Pizzabäcker mit seinen fliegenden Fladen und dem Ofen, in dem die Flammen züngeln, der neue Held vom Kräherwald.

Das komplett neu gestaltete Ambiente des MTV-Vereinslokals würdigen sie keines Blickes. Dabei ist das Al Campo Dagio, wie es jetzt heißt, sicher eines der schönsten in Stuttgart. Den Raum überspannt eine glänzend weiße Decke, indirektes Licht aus einer goldenen Konsole spendet den opulenten Kronleuchtern edle Unterstützung. Dazu Orchideen, weiße Tischläufer, zwei Rosen im Glas – wunderbar.

Die Pizza hat ordentlich Feuer bekommen

Die neuen Pächter haben das in die Jahre gekommene Lokal einen Monat lang auf Hochtouren umgebaut und Anfang Februar eröffnet. Neu in der Stadt sind sie nicht: Man kennt die Familie Blancone aus dem Girasole beim Hölderlinsplatz. Die Eltern sind dort geblieben, ihr Sohn Gianmarco und seine Schwester Paola sind an den Kräherwald gezogen.

„Wir sind ein bisschen überrollt worden“, sagt Gianmarco Blancone. Und tatsächlich ist am frühen Donnerstagabend bereits einiges los. Vor allem bei größeren Runden scheint das Lokal beliebt. Bis zu 150 Pizzas wandern pro Tag in den Ofen – da kann es schon zu Wartezeiten kommen. Ordentlich Feuer hat unser Exemplar bekommen, der Rand ist kross, der Teig in der Mitte dünn. Darauf eine fruchtige Tomatensoße, Auberginenscheiben, Gorgonzola, basta (8,50 Euro).

Auch der Insalata di mare ist optisch eher simpel gehalten: Oktopus und Garnelen, dazu einige Salatblätter und Karottenspäne. Die Zutaten sind frisch, ordentlich Knoblauch gibt Würze, dafür müssen die Meeresfrüchte nicht im Öl baden (9,50 Euro). Dazu gibt es Bauernbrot, das jeden Morgen auf der Kohle des Vortags frisch gebacken wird.

Die Weinkarte ist momentan noch übersichtlich

Stolz ist Blancone auch auf die selbst gemachten Nudeln. „Rigatoni, Canneloni, Papardelle, Scialiatelli“, zählt er auf. Für die eingefleischten Schwaben gibt’s auch eine italienische Version des Zwiebelrostbratens: kräftig auf dem Grill angeröstetes Rindersteak mit zarten in Rotwein geschmorten Zwiebeln und Rosmarin- statt Röstkartoffeln. Die Portion ist überschaubar, aber mit 13,90 Euro fair kalkuliert.

Zum Nachtisch darf’s bei Nichtsportlern ein Tiramisu sein. Oder einen Aperol Spritz (4,50 Euro), den es bald auch auf der Terrasse geben wird. Die Weinkarte ist „in Bearbeitung“ – bisher ist die Auswahl an offenen Weinen übersichtlich. Wobei: Götze und seinen Kumpels ist das völlig egal.

Al Campo Dagio, Am Kräherwald 190 A, Telefon 0711 / 63 44 29. Geöffnet: Montag bis Samstag 12 bis 23 Uhr (14 bis 17 Uhr kalte Küche und Kuchen), Sonntag und Feiertage 12 bis 19 Uhr (durchgehend warme Küche).

Die Bewertung

Küche ***

Service **

Ambiente ***

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.