Alice Schwarzer Unterhaltend, aber kaum selbstkritisch

Von dpa 

 

Schwarzer gehört in Paris bald zum Kreis um die Philosophin und feministische Leitfigur Simone de Beauvoir. Sie fordern gleichen Lohn für Frauen und ein Recht auf Abtreibung. Prominente Frauen starten dazu 1971 eine Kampagne, die Schwarzer kurz darauf nach Deutschland importiert. Im "Stern" bekennen 374 Frauen: "Wir haben abgetrieben". Eine Provokation.

"Schwanz-ab-Schwarzer" oder "Männerhasserin"

Als sie 1974 endgültig zurück nach Deutschland kommt, beginnt ein schwieriges Verhältnis zu anderen Vertreterinnen der aufkeimenden Frauenbewegung: "Sicher, ich habe mit Impulsen, Aktionen und Veröffentlichungen zum Aufbruch der Frauen beigetragen." Zugleich sei sie aber "untypisch" gewesen. "Ein Import, der immer fremd blieb."

Ihre Erinnerungen wirken offen, sind unterhaltsam, Selbstkritik gibt es kaum. Insgesamt ist Schwarzer zufrieden, betont, dass sie immer unabhängig geblieben sei und sich keinem Kollektivdruck gebeugt habe. Sie sei "in wechselnden Bündnissen" tätig gewesen, vor allem über die Zeitschrift "Emma", die in einem Kraftakt und mit den Erlösen aus ihrem Bestseller "Der kleine Unterschied" (1975) entstand.

Schwarzer hat viel einstecken müssen. Sie sei in den 70ern zur "Zielscheibe Nr. 1" geworden. Als "Schwanz-ab-Schwarzer" oder "Männerhasserin" wurde sie beschimpft, als sie mit ihrem Kampagnen Tabus brach. "Allerdings hat es neben allen Aggressionen auch immer sehr viel Zuneigung gegeben, von Anfang an. Sonst hätte ich das vermutlich gar nicht überlebt." Bis heute werde das "Hexen-Szenario" mit ihr durchgespielt.

Feindbild Kristina Schröder

Schwarzer kann aber auch gut austeilen. In "Lebenslauf" ist zwar zu lesen: "Mit Frauen lege ich mich selten an." Durchaus feindselig attackierte die 68-Jährige aber Kristina Schröder (CDU), die als Familienministerin ungeeignet sei und besser als Pressesprecherin bei "rechtskonservativen Männerbünden" anheuern solle. Der Umgang mit TV-Moderatorin Lisa Ortgies, die 2008 "Emma"-Chefredakteurin werden sollte, aber rausflog, war ebenfalls rüde.

Buch über Fall Kachelmann in Planung

Ihre zweite Lebenshälfte fehlt zwar in der Autobiografie, einen Schlenker in die jüngste Vergangenheit macht Schwarzer aber doch. Die Kritik an ihr wegen ihres Einsatzes für die "Bild"-Zeitung aus dem Prozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann habe groteske Züge angenommen, meint die Journalistin. Tatsächlich hat die Rolle Schwarzer viel Renommee gekostet. Über den Fall Kachelmann plant sie ein Buch. Warum sie nun die Autobiografie verfasst hat? Weil im öffentlichen Schwarzer-Bild vieles von Klischees geprägt sei und weil "meine Neugierde auf mich selber wuchs."




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