Allianz MTV Stuttgart Der Meister vertraut wieder auf die eigene Stärke

Krystal Rivers ist der wichtigste Teil in einem starken Kollektiv. In unserer Bildergalerie finden Sie die schönsten Fotos vom Auftaktsieg der Stuttgarterinnen gegen den SC Potsdam. Foto: Bauman

Die überragenden Angreiferinnen Krystal Rivers und Simone Lee führen die Stuttgarter Volleyballerinnen zum ersten Sieg in der Finalserie gegen den SC Potsdam – und auch der Rest des Teams hat neue Energie getankt.

Nicht nur die Stuttgarter Volleyballerinnen sind seit fast einem Jahrzehnt Bundesliga-Spitze, auch das Publikum in der Scharrena hat sich einen erstklassigen Namen gemacht. Die Fans gelten als fair, leidenschaftlich, begeisterungsfähig. Und als laut. Umso mehr bleibt hängen, wenn kurzzeitig mal alle ruhig sind, in der Halle kein Ton zu hören ist. Wie in dem Moment, als Krystal Rivers auf dem Boden lag.

 

Die überragende Diagonalangreiferin von Allianz MTV Stuttgart hatte sich im dritten Satz des ersten Finalduells um die Meisterschaft gegen den SC Potsdam mit Anett Nemeth ein Duell am Netz geliefert, war nach einer gegenseitigen Berührung unglücklich aufgekommen. Am Boden liegend fasste sie sich ans Knie. Plötzlich war es ganz still in der Scharrena, schließlich ist Krystal Rivers die Spielerin, die der Meister nicht ersetzen kann. Auch diese Schrecksekunde führte dazu, dass die Gastgeberinnen den dritten Durchgang mit 17:25 verloren, ansonsten blieb der Sturz ohne Folgen. Für Krystal Rivers. Und für Allianz MTV Stuttgart.

Trainer Tore Aleksandersen schwärmt über das Potenzial seines Teams

Der Titelverteidiger gewann das erste von maximal fünf Duellen mit 3:1 (25:21, 25:22, 17:25, 25:19) und hat vor der zweiten Partie am Samstag ab 17 Uhr in Potsdam eine perfekte Ausgangsposition. Zumal das Vertrauen in das eigene Können zurück ist. „Es war ganz klar unsere beste Leistung in den Play-offs“, sagte Sportdirektorin Kim Renkema. Ähnlich äußerte sich Geschäftsführer Aurel Irion: „Es ist unser stärkstes Spiel seit langer Zeit gewesen.“ Und Trainer Tore Aleksandersen meinte: „Es war ein guter Anfang mit einem relativ einfachen Sieg. Aber wir können noch besser spielen, daran werden wir arbeiten. Das Potenzial dieser Mannschaft ist so groß, dass es für sie fast kein Limit gibt.“ Was auch an den zwei Hauptangreiferinnen liegt.

Krystal Rivers (22 Punkte) und Simone Lee (23 Punkte) zeigten zwar nicht in allen vier Sätzen ihr Topniveau. Sie waren aber voll auf der Höhe, als es zählte. „Die beiden sind kaum zu kontrollieren. Ihre Qualität, wenn es darum geht, schwierige Bälle zu verwandeln, ist überragend“, sagte Guillermo Naranjo Hernández, der Coach des SC Potsdam, „sie sind mit großem Abstand das beste Angriffsduo der Liga.“ Es fand sich niemand, der ihm widersprochen hätte.

Krystal Rivers lobt Simone Lee

In der Ära von Tore Aleksandersen, der seit Dezember 2020 in Stuttgart ist, gab es nur zwei sportliche Rückschläge, die richtig wehgetan haben: die Finalserie 2021 gegen den Dresdner SC, die nach einer 2:0-Führung noch 2:3 verloren ging. Und das Aus im Pokalhalbfinale in dieser Saison nach hoher Führung gegen den SSC Schwerin (2:3). Bei beiden Entscheidungen fehlte die erkrankte Krystal Rivers. „Diesmal haben wir getan, was wir tun wollten“, sagte die Diagonalangreiferin nach dem Auftaktsieg gegen den SC Potsdam – und lobte ihre Freundin: „Simone Lee hat großartig gespielt. Sie gibt immer alles, ihre Energie pusht das gesamte Team.“

Tore Aleksandersen, das ist bekannt, hält nichts davon, einzelne Spielerinnen hervorzuheben. Der Norweger sprach Rivers und Lee zwar auf seine Weise die Anerkennung aus („Ein Spitzenteam braucht eben auch gute Angreiferinnen“), betonte jedoch: „Ohne starke Zuspielerin, starke Mittelblockerinnen und eine starke Annahme könnten selbst sie nicht glänzen.“ Dazu passte, dass für den gelungenen Start in die Finalserie noch ein weiterer Faktor verantwortlich war.

Starke Aufschläge, zehn Asse

Es gab schon oft Spiele, in denen die Stuttgarterinnen gut aufgeschlagen haben. Aber im Kollektiv servierten sie selten so gut wie gegen den SC Potsdam. Maria Segura Palléres, Marie Schölzel, Eline Timmerman, Simone Lee und Britt Bongaerts setzten den Gegner stark unter Druck, punkteten zudem immer wieder direkt. „Ihnen sind in vier Sätzen unglaubliche zehn Asse gelungen“, sagte Hernández, „der Aufschlag war das entscheidende Element.“ Was Aleksandersen durchaus als Kompliment verstehen durfte.

Der MTV-Trainer, der wegen seiner schweren Krebserkrankung die Reise nach Potsdam nicht antreten wird, hatte in den Einheiten vor dem ersten Endspiel vermehrt Aufschläge üben lassen. „Es ging darum, wieder mehr Sicherheit zu bekommen“, sagte er, „wir wollten mit Vertrauen und Qualität aufschlagen.“ Diese Rechnung ging auf. Und noch ein großes Plus hatten die Stuttgarterinnen: Sie waren auf den Punkt voll da. „Im Viertel- und Halbfinale sind wir zu schlapp gewesen. Deshalb haben wir danach ziemlich hart trainiert, mit dem Fokus auf Einstellung und Charakter“, sagte Tore Aleksandersen, „wir haben eine Mannschaft mit vielen Spielerinnen, die im besten Volleyball-Alter sind. Sie müssen verstehen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um hohe Erwartungen an sich selbst zu stellen.“ Und so den nächsten Titel zu holen?

An fehlender Energie, daran lässt Krystal Rivers trotz der hohen Belastung am Ende der Saison keine Zweifel, wird es nicht scheitern. Auf die Frage, ob sie genügend Kraft für fünf Spiele habe, antwortete sie mit einem breiten Grinsen: „Ganz sicher!“ Die lautstarken Fans des MTV werden es gerne hören.

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