Alte Schule in Riedenberg Bürokratie bremst Bücherei

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Bernd Hoffmann darf mit seiner Bibliothek in die Alte Schule ziehen. Seit Februar wartet er. Bevor es am neuen Standort losgehen kann, muss die Stadt aber noch einige Details prüfen.

Seit einigen Wochen steht der erste Stock der Alten Schule an der Schempp Foto: Archiv Rüdiger Ott
Seit einigen Wochen steht der erste Stock der Alten Schule an der Schempp Foto: Archiv Rüdiger Ott

Stuttgart-Sillenbuch - In der Bücherei von Bernd Hoffmann stehen 2000 Exemplare. Sämtliche Daten, zum Beispiel Titel und Autor jedes einzelnen Buchs, trägt der Hobby-Bibliothekar derzeit in ein elektronisches System ein. Damit wird er noch einige Zeit beschäftigt sein. Die hat er auch, denn seit Februar sitzt der Sillenbucher auf gepackten Umzugskisten.

Damals hatte er die Zusage bekommen, dass er mit seiner ehrenamtlich betriebenen Bücherei in den ersten Stock der Alten Schule in Riedenberg ziehen darf. Zuvor war seine Sammlung in einer Garage an der Liliencron-straße untergebracht. Jeden Samstag öffnete Hoffmann mit einer Helferin das Garagentor für lesehungrige Bürger.

Die Statik muss untersucht werden

Bevor es für Bernd Hoffmann am neuen Standort losgehen kann, muss die Stadt noch einige Details prüfen, an die im Februar keiner gedacht hatte. Zum einen muss die Statik untersucht werden, da nicht ganz klar ist, ob das Gebälk des 1826 erbauten Schulhauses der Bücherlast standhält. Außerdem müssen eine Nutzungsänderung beantragt und ein Baugesuch eingereicht werden. In dem 2008 sanierten Bürgertreff muss zwar nichts umgebaut werden, eventuell müssen nach Angaben des Liegenschaftsamtes aber Brandmelder und Brandschutztüren eingebaut werden. Dazu ist eine Baugenehmigung nötig.

Die Statikprüfung soll am Mittwoch, den 19. Juni, beginnen. Wie lange es noch dauert, bis Hoffmann seine Kisten in das Bürgerhaus schleppen kann, weiß keiner. Die Räume stehen längst leer. Der Vormieter, das Café Muk, ist bereits ausgezogen.

„Ich habe Geduld“

Bernd Hoffmann ist enttäuscht, dass sich die Sache so lange hinzieht. Sauer sei er aber nicht. „Ich habe Geduld“, sagt er. Immerhin müsse er dankbar sein, dass er die Möglichkeit bekommt, ins Alte Schulhaus zu ziehen. Trotzdem wünsche er sich, dass er noch vor den Sommerferien einziehen kann. „Dann könnten sich die Leute für den Urlaub noch mit Büchern eindecken.“

Der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck seufzt nur, wenn er etwas zum Zeitplan sagen soll. Er wisse, wie lange solche Vorgänge innerhalb der Stadtverwaltung dauern können. Er verspricht aber, dass er an der Sache dranbleiben und regelmäßig beim Amt für Liegenschaften und Wohnen nachhaken wird. „Das Ding muss in die Pötte kommen“, sagt er.

Der Zugang ist nicht behindertengerecht

Ganz neu ist das Thema Leerstand in der Alten Schule nicht. Trotz der Sanierung für 200.000 Euro wurde das Bürgerhaus danach nur spärlich genutzt. Das liegt auch daran, dass der Zugang nicht behindertengerecht ist, die Räume recht klein sind und es nur wenige Parkplätze gibt. Im Dachgeschoss lagern Teile der ortshistorischen Sammlung. Das Erdgeschoss nutzen Vereine und Parteien für ihre Treffen. Im ersten Stock war als einzige dauerhafte Einrichtung das Café Muk untergebracht.

Nun steht dieser leer. Wie lange noch, ist unklar. Bis er einziehen kann, wird Bernd Hoffmann damit beschäftigt sein, seinen Bestand zu digitalisieren. Am alten Standort hatte er noch mit Karteikarten gearbeitet. Seine Entscheidung, die Ausleihe zu modernisieren, habe einen einfachen Hintergrund: „Wenn ich schon so tolle Räume habe, muss das professioneller werden.“

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