Alte Züge, aber bessere Taktung Ruckelnd in den neuen Fahrplan im Südwesten

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Mit dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember soll der Regionalzugverkehr in Baden-Württemberg attraktiver werden – gäbe es nicht das leidige Problem mit uralten Zügen.

Go-Ahead muss auf seine neuen Triebwagen warten. Foto: imago images/onw-images
Go-Ahead muss auf seine neuen Triebwagen warten. Foto: imago images/onw-images

Stuttgart - Die Lieferprobleme der Zughersteller Bombardier und Stadler verhageln dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auch den schönsten Ausblick auf den neuen Winterfahrplan im regionalen Zugverkehr. Von besseren Verbindungen, einer höheren Taktung und mehr Zügen zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember berichtete Hermann am Montag vor der Landespresse in Stuttgart. Aber einige Eisenbahnbetriebe müssen immer noch mit Ersatzkonzepten und alten, ausgeliehenen Zügen an den Start gehen.

Denn laut Minister Hermann sind „rechtzeitig“ bestellte Neufahrzeu­ge zu spät ausgeliefert worden und ­müssen nun erst auf der Strecke ­getestet werden. „Das ist ärgerlich“, sagte Hermann. Von 158 bestellten Neufahrzeugen mit insgesamt 33 400 Sitzplätzen seien erst 120 ­ausgeliefert worden. Dass renommierte Zughersteller die Liefertermine nicht einhalten, so Hermann, „damit haben wir nicht gerechnet“.

Dabei lasse sich der neue Fahrplan durchaus sehen. Es gebe neue Stundentakte auf fünf Strecken und neue Halbstundentakte auf vier Strecken, es werden 120 zusätzliche Züge pro Werktag fahren. Zum 15. Dezember wird die Zuständigkeit auf dem Streckennetz im Südwesten wieder ganz neu gemischt – ein Überblick:

Go Ahead mit Ersatzkonzept

Go-Ahead wird drei weitere Strecken übernehmen: die Filstalbahn (Stuttgart–Ulm), die Frankenbahn (Stuttgart–Würzburg ) und die Murrbahn (Stuttgart–Nürnberg). Auf der Murrbahn wird laut Go-Ahead-Chef Hans-Peter Sienknecht ein Ersatzkonzept greifen, da die bestellten dreiteiligen Flirt-X-Züge von Stadler – eine Art Sondermodell – vermutlich erst im März einsatzfähig sein werden. Drei Subunternehmen müssen aushelfen, zum Teil mit fast 40 Jahre alten Wagen vom Typ Silberlinge, damit der Fahrplan pünktlich bedient werden kann. Dessen herausragende Merkmale: Bereits heute gibt es den Zwei-Stunden-Takt von Stuttgart nach Ansbach, zwischen Stuttgart und Gaildorf-West wird gemeinsam mit Zügen des Netzes 3B der DB Regio künftig ein halbstündlicher Takt angeboten.

Auf der Frankenbahn und der Filstalbahn immerhin kann Go-Ahead schon moderne Züge vom Typ Flirt einsetzen. Die Strecke Stuttgart–Heilbronn–Würzburg wird künftig jeden Tag stündlich bedient (statt bisher zweistündlich). Auch von Stuttgart nach Ulm geht es künftig im komfortablen Stundentakt, zwischen der Landeshauptstadt und Geislingen wird halbstündlich versetzt ein weiterer Zug verkehren – auch wird der Abschnitt Süßen–Geislingen künftig täglich zweimal pro Stunde bedient.

Die Engpässe beim Zugmaterial, aber auch den Lokführern will Go-Ahead mit einer Ausfallreserve abfedern – und für sie muss der Fahrplan dann doch eingeschränkt werden: Der IRE 1 wird zunächst nur zwischen Karlsruhe und Schwäbisch Gmünd fahren, weiter nach Aalen geht es voraussichtlich erst ab 1. Februar 2020.

Abellio: Warten auf neue Züge

Auch der Bahnbetreiber Abellio wartet auf bestellte Ware und hat ein Ersatzkonzept aufgestellt: Von 25 bestellten Talent-2-Triebzügen habe Bombardier erst die Lieferung von sechs zugesagt, die restlichen Züge muss sich Abellio bei Mitbewerbern wie der DB Regio ausleihen. Abellio Rail wird vom 15. Dezember an weitere Linien im Stuttgarter Netz/Neckartal übernehmen : die RE 10a/b sowie die RB 18 von Stuttgart nach Mannheim beziehungsweise nach Osterburken. „Wir haben trotz widriger Umstände den Willen, einen guten Schienenpersonenverkehr zu bieten und erwarten einen stabilen Start“, sagte Rolf Schafferath, Chef der Abellio Rail Baden-Württemberg.

SWEG: Verärgerter Vorstand

Seine Hausaufgaben hat die SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG eigentlich schon gemacht, bevor sie jetzt den Zugverkehr im Netz 9b – dem sogenannten Freiburger Y – übernehmen wird: die Elztalbahn, die Kaiserstuhlbahn und die Münstertalbahn. So hatte die SWEG auf der Kaiserstuhlbahn beispielsweise Oberleitungen installiert, Bahnsteige angepasst und barrierefrei umgebaut. Das neue Zeitalter aber bricht trotzdem nicht an: Zum Teil mit Dieselloks muss die SWEG auf die Strecke, da Bombardier bestellte Elektrotriebzüge vom Typ Talent 3 nicht pünktlich bereitgestellt hat. „Wir sind darüber sehr verärgert“, sagte Tobias Harms, Technikvorstand bei der SWEG.

Glückliche DB Regio

Die DB Regio hat im Wettbewerb um die Schienennetze zwar einiges abgeben müssen, am Montag aber konnte David Weltzien, Chef der DB Regio in Baden-Württemberg, strahlen: Mit dem Fahrplanwechsel wird die Deutsche Bahn das Netz Breisgau Ost-West übernehmen und dort 24 nagelneue Fahrzeuge vom Typ Coradia Continental (Baureihe ET 1440) vom französischen Hersteller Alstom einsetzen, zum Teil mit Taktverbesserungen im Fahrplan. Man werde auf 150 Kilometer Strecke zwischen Endingen am Kaiserstuhl und Breisach bis in den Schwarzwald über Freiburg und Titisee nach Villingen und Seebrugg unterwegs sein, sagte Weltzien. „Die Züge sind bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell, und bei Talfahrten können 30 Prozent des Stromverbrauchs zurückgewonnen werden.“ Außerdem gibt’s kostenloses WLAN im Abteil und Platz für 35 Fahrräder.

Westfrankenbahn ohne Probleme

Als klein, aber fein lässt sich das ­Angebot der DB-Tochter West­frankenbahn beschreiben. Sie übernimmt das neue Netz Hohenlohe-Franken-Untermain, das von Aschaffenburg über Wertheim nach Crailsheim reicht sowie von Crailsheim bis Heilbronn und von Miltenberg nach Seckach. Auch die Westfrankenbahn verspricht Taktverbesserungen und mehr Komfort. In den re-designten 37 Züge vom Typ Siemens Desiro Classic (VT 642) gibt es WLAN, ein gratis Unterhaltungsangebot und wie bei der Konkurrenz auch eine Kameraaufzeichnung für mehr Sicherheit. Der Klage über fehlende Lokführer – die alle Bahnbetreiber führen – will sich Westfrankenbahn-Chef Denis Kollai nicht anschließen: „Wir haben in drei Jahren 60 Mitarbeiter zum Lokführer qualifiziert und 15 Kundenbetreuer eingestellt.“ Frühere Probleme habe man überwunden.

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