Alternativen zum Diesel in der Landwirtschaft „Das sind Traktoren mit Formel-1-Technologie“

Klaus Senghaas vom Unternehmen New Holland hat einen Traktor mitentwickelt, der Biomethan aus Biogasanlagen tankt. Foto: New Holland /New Holland

Klaus Senghaas ist mächtig stolz auf den neuen Traktor: Denn der Schlepper fährt mit Biomethan und bleibt trotzdem spritzig. Weshalb das gut für die Umwelt und für den Landwirt ist, erzählt der Experte von New Holland im Interview.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Welche Diesel-Alternativen gibt es zum Antrieb landwirtschaftlicher Fahrzeuge? Einige, wie die unterschiedliche Herangehensweise von Herstellern zeigen. Klaus Senghaas von New Holland erklärt, welche Vor- und Nachteile Biomethan als Sprit hat.

 

Herr Senghaas, was ist der große Vorteil des Schleppers?

Das Biomethan, das in Biogasanlagen gewonnen wird, kann im besten Fall sogar klimapositiv sein. Zudem stößt der Traktor viel weniger Stickstoff und Feinstaub aus als ein dieselbetriebenes Fahrzeug. Vor allem konnten wir einen Motor entwickeln, der an Spritzigkeit und im Wirkungsgrad gleichwertig ist mit einem Dieselmotor. Das war eine schwierige Sache, weil wir ein Einspritzverfahren entwickeln mussten, das auf Formel-1-Technologie basiert.

Und was sind die Nachteile?

Die Tanks sind ungefähr viermal so groß wie bei einem Diesel-Traktor. Dieses Problem haben wir aber gut gelöst. Daneben benötigt man eine Infrastruktur, um an das Biomethan zu kommen – für Bauern, die eine Biogasanlage betreiben, kann der Einstieg aber auch finanziell lohnend sein.

Was kostet der Traktor?

Der Preis für den 175-PS-Schlepper liegt bei 180 000 Euro, das ist 20 Prozent teurer. Allerdings fördert der Bund solche Fahrzeuge auch mit 20 Prozent. Wir haben bereits 250 Stück verkauft, 30 davon in Deutschland.

Ihr Mitbewerber John Deere setzt auf Pflanzenöle, Fendt auf Elektrobatterien. Was wird sich am Ende durchsetzen?

Alle Varianten haben ihre Berechtigung und ihre Einsatzfelder. Ein Elektro-Schlepper ist gut für Arbeiten, bei denen keine so große Zugkraft benötigt wird, also bei Arbeiten rund um den Hof oder in Gemüsebetrieben. Wir haben auch einen 100-PS-Elektrotraktor im Angebot. Und wir testen den Einsatz von Biodiesel, also von wiederverwertbaren Speiseölen oder Rapsöl. Biodiesel in der neuen HVO-Variante hat keine technischen Nachteile beim Einsatz mehr. Biomethan ist aber günstiger und sauberer.

Methan ist ein sehr klimaschädliches Gas. Wie verhindern Sie, dass es versehentlich entweicht?

Auf die Sicherheit haben wir sehr viel Wert gelegt, ich habe keine Bedenken. Es gibt etwa Sicherheitsventile, die beim Abstellen oder bei Problemen automatisch schließen.

Wann wird der Diesel-Traktor ausgedient haben?

Das wird noch länger dauern. Aber wir bieten mittlerweile sehr gute Alternativen.

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