Altersvorsorge Betriebe locken mit Vorsorge

Um von Zinschwankungen unabhängig zu sein,  setzen Konzerne wie Bosch und Daimler bei der Betriebsrente auf Kapitalfonds. Foto: fotolia
Um von Zinschwankungen unabhängig zu sein, setzen Konzerne wie Bosch und Daimler bei der Betriebsrente auf Kapitalfonds. Foto: fotolia

Im Wettbewerb um Fachkräfte wird die Betriebsrente wichtiger. Um von schwankenden Zinsen unabhängig zu sein, haben Konzerne wie Bosch und Daimler bereits auf Kapitalfonds umgestellt. Kleinere Arbeitgeber erhöhen ihre Zuzahlungen.

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Stuttgart - Wer in Zeiten niedriger Zinsen seine Altersvorsorge plant, muss entweder geringere Renditen in Kauf nehmen oder ein höheres Risiko eingehen. Vor der gleichen Herausforderung stehen Firmen, die für ihre Mitarbeiter in Vorsorgeprodukte investieren. Wer schlechte Angebote auswählt, verliert als Arbeitgeber eine Möglichkeit, gut ausgebildete Fachkräfte ans Unternehmen zu binden. Um die niedrigeren Zinsgewinne auszugleichen, erhöhen manche Unternehmen deshalb ihre Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge. Große Konzerne wie Bosch und Daimler setzen dagegen seit Längerem auf intern gemanagte Rentenfonds.

„Die Fachkenntnis der Arbeitnehmer in diesem Bereich ist sehr gut. Eine reine Entgeltumwandlung kommt in der Regel nicht gut an“, sagt Christian Hochbach, Vorsitzender des Verwaltungsrats beim Verband zur Förderung der betrieblichen Altersvorsorge (VBA). Der Verband berät Mittelständler mit einer Belegschaft zwischen 20 und 500 Mitarbeitern bei der Ausgestaltung des Altersvorsorgeangebots. „Wir spüren in den vergangenen drei Jahren einen starken Wandel hin zu mehr arbeitgeberfinanzierten Varianten“, sagt Hochbach. Den Grund dafür sieht er – neben dem Einfluss der nierigen Zinsen – im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Diese seien, verschärft durch die Option eines frühen Renteneintritts, immer schwerer zu ersetzen.

Garantiezinsen und Überschüsse sinken

Als Modell für die betriebliche Altersvorsorge hätten sich bei den Betrieben, die der VBA berät, Direktversicherungen und Unterstützungskassen, die von Versicherungen rückgedeckt werden, durchgesetzt, sagt Hochbach. Beide werden extern verwaltet, was die Kosten der Arbeitgeber minimiert. Unterstützungskassen haben den Vorteil, dass die eingezahlten Beiträge steuerfrei bleiben, bei Direktversicherungen gilt das nur für gewisse Freibeträge. Direktversicherungen können Arbeitnehmer jedoch nach einem Unternehmenswechsel privat weiterführen. Sie sind also insbesondere in Branchen mit hoher Fluktuation attraktiv. Bei Unterstützungskassen ist eine private Fortführung nicht möglich; eine Übertragung auf einen anderen Arbeitgeber funktioniert nur eingeschränkt. Die Verträge dort gelten deshalb vor allem als Mittel zur langfristigen Mitarbeiterbindung.

Doch ob ein Arbeitnehmer das Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge annimmt, hängt auch von den Renditeerwartungen ab. In Zeiten von niedrigen Zinsen sinken jedoch auch bei den zinsgebundenen Verträgen, die Arbeitgeber abschließen können, die Garantiezinsen. „Lagen die Garantiezinsen 2008 noch bei fünf Prozent“, sagt Hochbach, „sind heute drei Prozent üblich.“ Zudem würden die Überschüsse, die über den Garantiezins hinausgingen, immer weniger. Deshalb spiele der Beitrag, den die Arbeitgeber zur betrieb­lichen Altersvorsorge leisten, eine noch wichtigere Rolle für die Arbeitnehmer.

Pensionsfonds ohne Risiko für die Arbeitnehmer

In der Bosch-Gruppe hat man das Modell der betrieblichen Altersvorsorge bereits 2002 umgestellt. Mit dem intern gemanagten Pensionsfonds ist der Konzern unabhängiger von schwankenden Zinserträgen. Das Risiko, am Kapitalmarkt anzulegen, ist natürlich höher. Dennoch, Bernhard Wiesner, Vorstandsvorsitzender Bosch Pensionsfonds AG, sieht den Pensionsfonds auf sicheren Füßen. „Durch eine breite, weltweite Streuung in alle relevanten Anlageformen ist der Fonds gut aufgestellt“, sagt Wiesner. Bosch zahlt für die Mitarbeiter jeweils 1,5 Prozent von deren steuerpflichtigen Jahreseinkommen zusätzlich in den Fonds ein. Zudem gibt der Konzern einen Zuschuss zu dem Kapital, das die Mitarbeiter selbst einzahlen.

Im Detail bedeutet dies, dass für Mitarbeiter, die jünger als 55 Jahre sind, das Kapital zu 45 Prozent in Aktienportfolios, zu 45 Prozent in Rentenpapierportfolios und zu zehn Prozent in alternative Anla­gen  investiert wird. Bei den älteren Mitarbeitern steigt der Anteil der Rentenpapiere. Die Zahlen sprechen für sich. Die jährliche Rendite, so Wiesner, liege seit 2002 im Hauptsegment bei durchschnittlich 6,2 Prozent – trotz Finanz- und Staatsschuldenkrise.

Diese Zahlen kommen auch bei den 120 000 Angestellten im Inland gut an. „Unsere Mitarbeiter merken, dass diese Ergebnisse nirgendwo sonst erzielbar sind, deshalb investieren sie selbst – neben den Firmenbeiträgen – mehr in unsere betriebliche Altersvorsorge“, sagt Wiesner. Für die Mitarbeiter ist das Risiko, in den Pensionsfonds zu investieren, zudem viel geringer, als wenn sie einen Fonds am Kapitalmarkt auswählen müssten. Denn Bosch garantiert jedem Mitarbeiter einen Mindestanspruch. Sollte der Pensionsfonds einmal wirklich schlecht dastehen, dann finanziert der Konzern diese Beiträge aus dem laufenden Geschäft – ähnlich wie die bestehenden Zusagen zur Altersvorsorge an die Mitarbeiter mit älteren Verträgen. „Die Ansprüche aus der Zeit vor 2002 in Form von Direktzusagen sind über das Betriebsvermögen abgesichert“, sagt Wiesner.

Ältere Pensionszusagen werden für Daimler teurer

Auch bei Daimler können die Mitarbeiter mit dem Pensionsfonds keinen Schiffbruch erleiden. Der Pensionsfonds ist der arbeitgeberfinanzierte Baustein im Angebot der Altersvorsorge des Konzerns. Die Beiträge richten sich nach der jeweiligen Entgeltgruppe. Darüber hinaus gibt es eine Tarifrente, in die auch die Arbeitnehmer einzahlen können. Der Pensionsfonds ist für die Mitarbeiter, die 2011 und später bei dem Automobilkonzern angestellt wurden. Durch das Fondsmodell ist Daimler unabhängiger von den anhaltenden Niedrigzinsen. Allerdings basiere der überwiegende Teil der Pensionszusagen für die aktive Belegschaft auf individuellen Versorgungskonten, für die das Unternehmen jährlich einen Beitrag bereitstelle, sagt Hendrik Sackmann, Sprecher für Finanzen bei Daimler. Dort sei eine feste Wertsteigerung garantiert. Um die geringere Rendite durch die niedrigen Zinsen auszugleichen, musste der Konzern im vergangenen Jahr zusätzliche 2,5 Milliarden Euro zur Absicherung der Pensionszusagen aufwenden.

Zur Ausgestaltung des Pensionsfonds äußert man sich bei Daimler nicht im Detail. Der Fonds sei nach einem Lebenszyklusmodell langfristig aufgestellt, für jüngere Mitarbeiter würden chancenreichere Anlagen ausgewählt, sagt Sackmann. Das Unternehmen garantiere jedoch mindestens die eingezahlten Beiträge.

Die Umgestaltung der betrieblichen Altersvorsorge planen derzeit auch einige größere mittelständische Betriebe in der Region. Zu Einzelheiten wollen sich diese Firmen aber bis zur Fertigstellung des Angebots nicht äußern.

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