Wegen der Vogelgrippe gilt Stallpflicht für Geflügel. Das kann für Landwirte eine große Herausforderung sein.

Altkreis - Ab in den Stall, heißt es für Hühner, Gänse und Enten in der Region. Die Vogelgrippe mit dem Erreger des Subtyps H5N8 hat sich in ganz Deutschland ausgebreitet. Bundesweit wurden mehr als 450 tote Wildvögel aufgefunden. Aus diesem Grund ist die Freilandhaltung in Baden-Württemberg als Vorsichtsmaßnahme seit November stark eingeschränkt. Wildvögel sollten nicht an das Futter oder Wasser von Nutztieren gelangen oder anderweitig mit ihnen in Kontakt kommen. Denn dann könnten die Vogelgrippeviren übertragen werden und zu aggressiven Formen mutieren.

„Die Vogelgrippe ist hier in der Region ein großes Thema“, sagt Andreas Kindler, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Böblingen. Die Stallpflicht ist ihm zufolge weder gut für das Wohlbefinden der Tiere noch für die Qualität des Fleischs. „Ein weiteres Problem tritt auf, wenn nicht genug Stallkapazität zur Verfügung steht. Dann muss frühzeitig geschlachtet werden“, erklärt er. Im Kreis Böblingen kontrolliert der Veterinärdienst übrigens stichprobenartig, ob die Stallpflicht von den rund 600 eingetragenen Geflügelhaltern auch eingehalten wird.

Wintergarten schafft Abhilfe

Im Enzkreis ist das Thema natürlich ebenso gegenwärtig. Auch Gabi Lamparter vom Lamparter-Landhof in Friolzheim empfindet die neuen Schutzmaßnahmen als eine große Umstellung für Mensch und Tier. „Wir sind bemüht, unser Geflügel im Stall zu beschäftigen“, erzählt sie. Dafür stelle sie den Tieren Material zum Scharren hin. So könne man die Tiere ablenken. „Zum Glück haben wir einen kleinen Wintergarten an den Stall angebaut“, sagt Gabi Lamparter. Er sei geschützt und biete mehr Platz als der Stall alleine. „Das ist zumindest eine Übergangsstufe zwischen Stall und Freiland“, meint sie. Schwierig werde es, wenn die Stallpflicht länger als zwölf Wochen andauere. Dann müsse nämlich Bodenhaltung deklariert werden, und die Eier dürften nicht mehr als Freilandeier verkauft werden. „Die Preise werden wahrscheinlich steigen. Auch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen kosten uns Geld“, erklärt Gabi Lamparter.

Waldemar Bär aus Weil der Stadt ist ebenfalls von den Regelungen der Vogelgrippe betroffen. „Es mussten Matten und Auflagen gegen Wildvögel angebracht werden“, erzählt er. Der Stall müsse sicher abgeriegelt werden. „Außerdem wird mehr ausgemistet und die Lüftung muss kontrolliert werden“, sagt der Weil der Städter. Das sei schon ein größerer Aufwand. Jetzt gelte es nicht nur die Hühner, sondern auch sich selbst zu schützen. Bei engem Kontakt mit infizierten Tieren kann das Vogelgrippe-Virus auch auf den Menschen überspringen. Dass ein Mensch einen anderen Menschen angesteckt hat, ist bislang aber noch nicht vorgekommen. Allgemein dürfen Landwirte beispielsweise nur noch in Schutzkleidung mit ihren Tieren in Kontakt treten. Am Eingang der Ställe stehen dann für gewöhnlich Wannen zur Desinfektion von Schuhen und Händen bereit.

Besonders schlimm ist laut Michaela Weiß aus Renningen die Stallpflicht für Gänse. „Die Gänse brauchen einfach ihren Auslauf“, sagt sie. „Die Hühner kommen mit der Umstellung besser zurecht.“ Ein weiteres Problem sei, dass die Fleischqualität abnehme. „Weniger Muskelfleisch bedeutet einen Wertverlust“, erzählt Michaela Weiß. Als „Bio“ können die Tiere, obwohl sie den Stall nicht verlassen dürfen, aber trotzdem vermarktet werden. Das Gebot, die Tiere wegen der Geflügelpest im Stall zu halten, sei also eine Ausnahme, bei der der Öko-Status erhalten bleibe.

Wie schlecht steht es um die Weihnachtsgans?

Der Begriff Vogelgrippe wird unterschiedlich verwendet, häufig wird er synonym zur Geflügelpest gebraucht – eine schwere Krankheit, die Vögel wie Hühner, Puten, Gänse, Enten und wildlebende Wasservögel befällt und bei besonderes aggressiven Virusstämmen oft zum Tod des Tieres führt. Bei intensivem Kontakt kann die Krankheit auch auf Menschen oder andere Säugetiere übertragen werden. Die Geflügelpest wurde erstmals 1878 in Italien dokumentiert.

Aber wie steht es um die Weihnachtsgans? Können Geflügelfleisch und Eier noch ohne Bedenken verzehrt werden? Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist die Ansteckung über das Essen sehr unwahrscheinlich. Der Erreger könne zwar über rohe Eier oder ungegartes Fleisch von verseuchten Tieren verbreitet werden, allerdings wird er beim zweiminütigen Erhitzen von mindestens 70 Grad schon abgetötet. Bei gekochten Eiern empfiehlt es sich zudem, dass sowohl Eiweiß als auch Eigelb fest sind. Aktuell sind auch noch keine Vogelgrippe-Fälle bei Hausgeflügel bekannt geworden.

Vögel auf Ausstellungen

Geflügelzuchtvereine sind von der Stallpflicht ebenso betroffen wie Landwirte. Für die Tiere sei das natürlich keine Freude, für wenige Monate sei die Einschränkung aber in Ordnung, sagt Uwe Mück von den Kleintierzüchtern Eltingen. Aus Sicherheitsgründen würden überregionale Geflügelschauen zwar abgesagt, „damit nicht so viele Tiere aus unterschiedlichen Gebieten zusammenkommen“. Lokale Ausstellungen könnten aber weiter stattfinden.

So auch die Ausstellungen in Eltingen und Warmbronn am Wochenende. Die Warmbronner zeigen ihre Tiere am Samstag ab 15 Uhr und Sonntag von 10.30 bis 18 Uhr auf ihrer Zuchtanlage (Talwiesen 3). In Eltingen sind die hübschen Vögel und Kaninchen ebenfalls an beiden Tagen zu bestaunen, am Samstag von 15 bis 19 Uhr, am Sonntag von 10 bis 16 Uhr in der Hasenstube (Hertigstraße 4).