Ein Mittwochabend im Kulturnetzwerk Blaues Haus. An einem ganz normalen Werktag, mitten in der Woche, herrscht hier Partystimmung, als stünde bereits das Wochenende vor der Tür. Der Grund dafür ist die Band Shebeen. Die Mannheimer Formation, die zum Teil mit Profimusikern der Popakademie besetzt ist, gehört seit einiger Zeit zum regelmäßigen Musikprogramm in dem kleinen Veranstaltungsraum auf dem Schönbuch-Bräu-Gelände. Das hat sich offenbar auch bis nach Altdorf herumgesprochen. Von dort nämlich kommt der Soul- und Funkmusikfan Achim Stohr.
Der 63-Jährige ist Mitglied der Kulturinitiative Altdorf (KIA) und kümmert sich dort um Homepage und Social-Media-Kanäle. Der Kulturverein präsentiert Kabarett, Klassik, Lesungen und andere Formate im Bürgerhaus. So kommt die KIA auf vier bis fünf Veranstaltungen im Jahr. „Für eine 4000-Seelen-Gemeinde wie Altdorf ist das ganz ordentlich“, meint Stohr, der selbst professionell als Musiker tätig ist – unter anderem produziert er die Begleitmusik für die Multimediashows des preisgekrönten Unterwasserfotografen Ludwig Migl aus Kayh.
Kulturinitiative kooperiert mit Blauem Haus
Seit einiger Zeit organisiert die Kulturinitiative einmal jährlich eine größere Veranstaltung mit Tanz und Livemusik in der Festhalle. Unter anderem soll dies Einnahmen für die ansonsten eher defizitären Kulturangebote im Bürgerhaus generieren. „Als wir im vergangenen Jahr 20-jähriges Bestehen mit einem entsprechenden Programm gefeiert haben, hat das viel von unseren Rücklagen aufgebraucht“, sagt Stohr. Vom Gastspiel der Band Shebeen erhofft sich die KIA deshalb ein entsprechend großes Publikumsinteresse.
Dass Shebeen überhaupt nach Altdorf kommt, verdankt die KIA der Kooperation mit dem Kulturnetzwerk Blaues Haus. Die Vorsitzende Gabi Branz kennt Achim Stohr als häufigen Gast bei den Funk- und Soul-Konzerten der Playground-Band um den Böblinger Gitarristen Philipp Konowski. „Ich habe für uns das Scouting gemacht“, erklärt der Altdorfer den Hintergrund, wie er letztlich auf Shebeen kam. Die Mannheimer Formation habe ihn mit „kraftvollen Songs, absoluter Spielfreude und jeder Menge positiver Energie“ voll überzeugt. „Die werden einen enormen Entertainmentfaktor in die Festhalle bringen“, meint er. „Wir sehen das als Werbung für uns“, erklärt Gabi Branz, warum das Blaue Haus diesen Monat auf Einnahmen verzichtet und die Band nach Altdorf „ausleiht“, wo sie statt vor rund 100 Leuten vor bis zu 500 Musikfans spielen kann.
Dies ist aber nicht der einzige Grund für diese Kooperation. Im Vordergrund steht vielmehr etwas, was das Blaue Haus in Böblingen sowie die IG Kultur in Sindelfingen und weiteren Akteure der lokalen Kulturszene zuletzt angestoßen haben. Die Rede ist vom Kulturrat, der sich als Netzwerk, aber auch als kommunalpolitisches Instrument versteht, um der lokalen Kultur mehr Einfluss und Gehör zu verschaffen. Hinzu soll Branz zufolge demnächst mit dem „Kulturradar“ eine Online-Plattform kommen, auf der Veranstalter und Vereine ihre Termine präsentieren und das Publikum so besser auf ihre Angebote aufmerksam machen können.
„Auch wir sind dem Kulturrat jetzt beigetreten“, sagt Stohr, der sich zusammen mit den rund 60 anderen Mitgliedern Vorteile für die Kulturinitiative verspricht. Diese Vorteile zeigen sich jetzt schon: Über die Verbindung nach Böblingen bekommt die KIA nämlich neben der Band auch technische Unterstützung. Sound-Profi Sven Geiger, Haustechniker im Blauen Haus und Ehemann von Shebeen-Agentur-Chefin Sigi Kolb, wird in der Festhalle die Tontechnik übernehmen. Ebenfalls mit im „Blaues-Haus-Servicepaket“ inbegriffen ist der Gärtringer Elektroakustiker Alex Glaser. Er liefert die Soundtechnik für das Konzert. Das Blaue Haus nennt sich eben nicht umsonst „Kulturnetzwerk“.
Karten für das Shebeen-Konzert am Samstag, 20. Januar, kosten 19 Euro im Vorverkauf, 23 Euro an der Abendkasse. Für Schüler und Studenten gibt es eine Ermäßigung. Vorverkaufsstelle in Altdorf ist die „Apotheke im Dorf“, in Holzgerlingen ist es die Buchhandlung „Buch Plus“.