Am Gaskessel in Stuttgart-Ost Büros statt Möbel

Von Thomas Graf-Miedaner 

Gegenüber dem Gaskessel in S-Ost entstehen rund 8000 Quadratmeter Büroflächen.

Helle Räume statt Lagerhalle: So soll das Valley One nach Fertigstellung aussehen. Foto: Adamas SCE (z)
Helle Räume statt Lagerhalle: So soll das Valley One nach Fertigstellung aussehen. Foto: Adamas SCE (z)

Stuttgart-Ost - Man sucht an der Talstraße 124 vergeblich nach der Grafik, die üblicherweise anzeigt, was genau an dieser Stelle gebaut wird. Seit einiger Zeit sehen Vorbeikommende nur, dass etwas passiert an der Stelle, wo über viele Jahre das Einrichtungshaus Firnhaber das Eingangstor in den Stuttgarter Osten geprägt hat. In der vergangenen Bezirksbeiratssitzung wurde die Katze nun aus dem Sack gelassen. Gebaut wird ein Bürokomplex namens „Valley One 24“, eine sehr freie Übersetzung der Adresse Talstraße 124 ins Englische.

8000 Quadratmeter Bürofläche

Konkret plant die europäische Genossenschaft „Adamas“ rund 8000 Quadratmeter Bürofläche auf insgesamt vier Stockwerken. „Adamas“ ist eine Genossenschaft mit Sitz in Liechtenstein, die auf die Modernisierung von Immobilien spezialisiert ist. Auch in der Talstraße 124 werden Teile des vorherigen Einrichtungshauses übernommen. „Allerdings wird man vom alten Gebäude nicht mehr viel erkennen können, wenn wir Sommer 2021 eröffnen“; sagt Otmar Knoll von der „Adamas“-Genossenschaft.

Entstanden sind die Pläne in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Architekturbüro Mader. „Wir haben das Beste aus der Lage herausgeholt“, sagt Otmar Knoll. Neben außergewöhnlicher Architektur setze man auf Nachhaltigkeit und eine hohe Funktionalität. Konkret bedeutet dies, dass man bei der Planung auf die Minimierung des Energieverbrauchs für Heizung, Warmwasser und Lüftung gesetzt hat. „Das Herzstück der Energieversorgung ist eine Wärmepumpe in Kombination mit einem Abwasserwärmetauscher“, sagt Knoll. Damit werde im Winter geheizt und im Sommer gekühlt. Der für die Wärmepumpe notwendige Betriebsstrom komme von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. „Das Gebäude wird komplett energieautark sein“, so Knoll weiter. Unterstützt wird das Konzept durch sogenannte Kühl- und Heizsegel als transparenten Sonnenschutz, der im Sommer das Licht hereinlasse, aber die Wärme der Sonne draußen. Wichtig für Knoll zudem: Die mechanische Lüftungsanlage ermöglicht, dass in jedem Raum nach individuellen Bedürfnissen auch die Möglichkeit einer Fensterlüftung besteht. „Wer viel Zeit in voll klimatisierten Räumen verbringt, weiß, wie wichtig das ist“, sagt Knoll. „Durch das Konzept können wir pro Jahr gegenüber einem konventionellen System rund 50 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.“

20 Euro pro Quadratmeter

Der Haupteingang des Gebäudes wird sich, anders als zuvor im Einrichtungshaus, zur Talstraße hin öffnen: „So ist der ideale Zugang in Richtung U-Bahnen und Bus-Haltestellen gegeben“, sagt Knoll. Die 85 Auto-Parkplätze sowie 70 Fahrradparkplätze werden sich an der Rückseite des Gebäudes in Richtung Ulmer und Köslerstraße befinden. Im Kernstück des Gebäudes an der Talstraße befindet sich ein begrünter Innenhof. Geplant sind zudem kleine Dachgärten, sowie eine komplette Begrünung des Daches.

Viele Eigenschaften, die aber auch ihren Preis haben: „Mit rund 20 Euro Miete pro Quadratmeter sprechen wir natürlich eher den höherpreisigen Sektor an“, sagt Knoll. Allerdings müsse man beachten, dass es sich hierbei um Warmmiete handele. „Durch die sehr nachhaltige und ökologische Bauweise entstehen keine hohen Nebenkosten, trotzdem müssen wir die hochwertige Bauweise auch refinanzieren“, so Knoll weiter.

Wer genau in die neuen Räumlichkeiten ziehen könnte, ist noch nicht festgenagelt: „Wir befinden uns gerade in Gesprächen mit möglichen Mietern“, sagt Knoll. In Kürze soll zudem auch nach längerer Corona-bedingter Wartezeit eine große Grafik an der Baustelle aufgestellt werden, damit alle Vorbeikommenden nicht länger darüber grübeln müssen, was hier wohl gebaut wird.

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