Am Samstag im Jugendhaus Casa Nostra Böblinger Lakeside-Team veranstaltet Bandcontest

Für Punk-Fans sind am Samstag bei dem Wettbewerb im Casa Nostra gleich zwei Bands am Start. Foto: Wandel/Archiv

Das Orga-Team des Böblinger Lakeside-Open-Airs will die Wartezeit bis zum diesjährigen Festival mit einem Bandcontest verkürzen und arbeitet dafür mit anderen Jugendhäusern zusammen.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Bis zum Stadtfestwochenende Anfang Juli ist es noch eine ganze Weile hin. Wer sich schon jetzt auf das Böblinger Lakeside-Open-Air freut, kann sich die Wartezeit an diesem Wochenende mit einem Bandwettbewerb verkürzen. Das Orga-Team des Livefestivals, das traditionell im Rahmen des Böblinger Stadtfests auf dem Elbenplatz neben dem Unteren See stattfindet, lädt dafür am kommenden Samstag, 13. April, ab 18.30 Uhr vier regionale Musikacts ins Böblinger Jugendhaus Casa Nostra ein.

 

„Kulturschock“ heißt dieses Format, das zumindest in Böblingen gar nicht mehr so neu ist. Schon 2016 hatten die Lakeside-Macher einen Bandwettbewerb ausgerufen, um „Newcomern und Bands, die man vielleicht nicht so auf dem Schirm hat“, eine Chance zu geben, wie Mitorganisator Tim Dieckmann es damals formulierte.

Vier Jugendhäuser machen mit

Neu ist dagegen die Allianz mit mehreren Festivalmachern, die sich für diesen Wettbewerb zusammengeschlossen hat. Bei dem Wettbewerb arbeiten die Böblinger nämlich mit den Bandcontests des Warmbronner Festivals rockXplosion, dem Jugendhaus der Stadt Nürtingen und dem Herrenberger 48er-Festival zusammen.

Der „Kulturschock“-Bandcontest wurde übrigens von Pascal Pohl, einem Mitglied der Böblinger Projektgruppe, mitgegründet. „Die Idee dazu kam ihm vor einigen Jahren sogar im Casa Nostra selbst“, erzählt Marie Brüggemann, die beim Lakeside für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Pohl organisiert neben dem Lakeside-Open-Air in diesem Jahr auch das Warmbronner Festival mit. Das erste Mal fand der „Kulturschock“-Contest im Jahr 2022 statt – damals jedoch in Verbindung mit anderen Städten und Festivals. Das Lakeside beteiligt sich dieses Jahr zum ersten Mal an dem Bandwettbewerb.

In jedem Jugendhaus treten andere Bands auf. „Die Gewinner der jeweiligen Contests treten dann in Leonberg in einer finalen Runde gegeneinander an“, erklärt Marie Brüggemann. Der Gewinnerband winkt jeweils ein Auftritt auf allen drei Open-Air-Veranstaltungen – also in Warmbronn, in Herrenberg und in Böblingen. Das Jugendhaus am Bahnhof in Nürtingen veranstaltet an diesem Freitag ebenfalls einen Contest. In Nürtingen ist jedoch kein Auftritt geplant.

Was außerdem alle Veranstaltungen des Kulturschock-Bandcontests gemeinsam haben: Das Publikum darf aktiv mitbestimmen, wer gewinnen wird, und damit in die finale Runde vorrückt“, erklärt Marie Brüggemann. Zudem werde sich eine kleine, ausgewählte Jury vor Ort an der Auswahl beteiligen.

Böblinger Lokalheld spielt Trap Metal

Der musikalische Wettstreit am Samstagabend im Böblinger Casa Nostra verspricht eine interessante Mischung mit jungen regionalen Bands und ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. Da wäre zum Beispiel die Band We say so aus Ulm. Diese Formation will das Publikum mit fetzigem, hausgemachtem Pop-Punk überzeugen. Auf trendigen deutschen Indie-Rock hat sich die junge Band Allegra aus Filderstadt spezialisiert.

Den Lokalhelden des Abends gibt Cvnnibvlis. Der Böblinger Solo-Künstler mit dem eigenwilligen Künstlernamen präsentiert „raffinierten Trap-Metal“, wie es in der Ankündigung heißt. Dieser Musikstil fusioniert Elemente aus Hip-Hop und Metal zu einem energiegeladenen Ganzen. „Uns gegenüber hat er sich als Flore vorgestellt“, sagt Marie Brüggemann und verweist ansonsten auf den Instagram-Account des 26-Jährigen, auf dem Bilder eines bärtigen Sängers mit wilden Zöpfen und teils morbide geschminktem Gesicht zu sehen sind.

Mit Nachbardach ist eine weitere Gruppe aus dem Landkreis am Start. Die Leonberger Band steht für mitreißenden Indie-Punk. „Alle in der Band sind im Schnitt unter 27 Jahre alt, was eines unserer Kriterien für den Contest war“, sagt Marie Brüggemann.

Das Lakeside findet am 5. und 6. Juli zum elften Mal auf dem Böblinger Elbenplatz statt. Unter dem Motto „Rabatz am Elbenplatz“ feierte das zweitägige Musikfestival im Jahr 2011 Premiere. Zu den lokalen und nationalen Bands, die hier bereits aufgetreten sind, zählt unter anderem die Rockband Heisskalt, die seit ihrem Gig am See im Sommer 2012 eine steile Karriere hingelegt hat.

Herrenberger Festival stand zwischenzeitlich vor dem Aus

Die zweijährige Corona-Zwangspause konnte das kosten- und barrierefreie Festival nicht ausbremsen. Finanziert wird das Lakeside aus Spenden und öffentlicher Förderung. Eine Gruppe von rund 15 jungen Menschen organisiert die Veranstaltung ehrenamtlich. „Wir sind superglücklich, dass wir einen ganzen Schwung junger Leute haben“, sagt Pressesprecherin Marie Brüggemann.

Wie das 48er-Festival in Herrenberg zeigt, ist dies nicht selbstverständlich. Weil der Generationswechsel dort nicht so reibungslos ablief, hatte das Bandfestival in um das Jugendhaus vor sieben Jahren vor dem Aus gestanden. Zuvor hatte das seit seiner Gründung im Jahr 1993 immer größer gewordene 48er-Festival bis zu 6000 Gäste angelockt, die sich an zwei Tagen rund 25 Bands auf zwei verschiedenen Bühnen anschauen konnten.

Im Jahr 2017 zog das über die Jahre immer stärker belastete Orga-Team die Konsequenz aus fehlenden Sponsorengeldern und fehlendem ehrenamtlichen Engagement. An den wenigen verbleibenden Aktivposten sei einfach immer mehr Arbeit hängen geblieben. „Die nachwachsende Generation hat keine Lust mehr, zu helfen“, hatte sich eine Mitorganisatorin damals beschwert. Viele wollten nur feiern und maximal ein, zwei Stunden mitanpacken.

Ein paar junge Leute rafften sich dann aber doch auf und retteten das Open Air, in dem sie seitdem unter dem aus einer Bierlaune entstandenen Namen „Feschtiiwaal“ ein eigenes Konzertevent auf die Beine stellen. In diesem Jahr findet das Herrenberger Bandfestival erstmals wieder unter dem alten Namen statt.

Staffelstabübergabe in Böblingen

In Böblingen scheint man solche Nachwuchsprobleme bisher nicht zu kennen. „Dieses Jahr ist bei uns sozusagen Staffelstabübergabe an die nächste Generation“, sagt Marie Brügemann. Die Mittzwanzigerin ist seit ungefähr 2017 dabei und zählt sich deshalb schon zu den „alten Hasen“. Sie freue sich riesig, dass jetzt der Nachwuchs mit neuen jugendlichen Musikfans bereitstehe, um dabei zu helfen die organisatorische Mammutaufgabe zu stemmen.

Mehr Infos zum Lakeside-Open-Air am 5. und 6. Juli in Böblingen gibt es auf Instagram unter @lakeside_openair und auf Facebook unter facebook.com/LakesideOpenAirBB.

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