Amazon-Serie „Paper Girls“ Vier Mädchen stolpern in die Zeitmaschine

Die vier Austrägerinnen (Fina Strazza, Sofia Rosinsky, Riley Lai Nelet und Fina Strazza) erleben Ungeheuerliches. Foto: Prime Video/Anjali Pinto

Bei Amazon Prime startet die Serie „Paper Girls“. Vier Teenager aus den 80ern geraten in die Jetztzeit – und an gefährliche Feinde. Fans von „Stranger Things“, aufgepasst!

Schon bald wird man vielleicht umständlich erklären müssen, was die vier sehr einnehmenden Heldinnen der Amazon-Serie „Paper Girls“ da in aller Herrgottsfrühe im Herbst 1988 treiben: Sie bringen Papierzeitungen zu Abonnenten, bevor die aus den Federn kommen. Tiffany, Erin, Mac und KJ radeln im Dunkeln durch die Vorstadtstraßen und werfen Zeitungen auf Rasen, Garageneinfahrten und Veranden.

 

Jagd auf Zeitreisende

Mit den jungen Darstellerinnen Camryn Jones, Riley Lai Nelet, Fina Strazza und Sofia Rosinsky hat Amazon Interviews vermittelt, bei denen Printjournalisten noch einmal kurz aufatmen durften. Die 15-Jährigen, die mit ihren Charakteren in die 80er Jahre abtauchten, fanden nicht Zeitungen das Befremdlichste, öffentliche Telefonzellen etwa kamen ihnen absonderlicher vor. Am fremdesten, so Camryn Jones, schien ihnen, „dass es das Internet noch nicht gab“.

In „Paper Girls“ bleibt die Vorstadt nicht lange so, wie sie in den 80ern mal war. Seltsame Dinge passieren, bedrohliche Gestalten tauchen auf, eines der Mädchen wird entführt – und danach wird es richtig kurios. Die jungen Austrägerinnen stoßen auf Zeitreisende und landen selbst in der Zukunft, in der sie als erwachsene Personen noch einmal vorhanden sind. Besser gesagt, sie landen in einer möglichen, aber nicht festgeschriebenen Zukunft, in einer Variante der Welt, die durch Eingriffe in die Vergangenheit auch anders aussehen könnte. Es gibt eine Untergrundbewegung, die solche Eingriffe will, und eine sehr befremdliche Ordnungstruppe, die Zeitreisende wie die vier Titelheldinnen jagt, um sie zu exekutieren.

Stand da etwa „Stranger Things“ Pate?

Ein paar Teenager, die in potenziell tödliche Abenteuer stolpern, das Aufreißen der Grenzen von Raum und Zeit, die Kollision von Fantastischem und Alltäglichem – das mag so klingen, als habe sich Amazon da frech eine eigene Variante des Netflix-Hits „Stranger Things“ bestellt. Fraglos soll „Paper Girls“ dasselbe Publikum ansprechen, ein Plagiat ist es nicht. Die Serie basiert auf dem Comic „Paper Girls“ des Autors Brian K. Vaughan („Saga“). Der erste Band erschien 2015, als „Stranger Things“ noch im Entstehen war. Zum Serienstart legt der Cross-Cult-Verlag einen Sammelband (800 Seiten, 60 Euro) vor.

In „Paper Girls“ geht es nebenbei um Klassenunterschiede, Alltagsrassismus, Sexismus und ums Aufgeben der Träume, um den Verlust des Schwungs der Jugend. Dass sie ihre Figuren und die Geschichte gerade der ernsten Untertöne wegen sehr mögen, mussten die Darstellerinnen im Rahmen einer PR-Tour natürlich beteuern: Aber man glaubt es ihnen auch. Und Fina Strazza macht eine scharfe Bemerkung: Sie hätten beim Dreh gelernt, wie verlogen die Gesellschaft in den 80ern noch gewesen sei.

Paper Girls. Amazon Prime Video, acht Folgen ab 29. Juli.

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