Es ist seine erste Saison als Trainer eines Herrenteams, womit De Pauli de facto ein Rookie ist – aber eben einer mit verdammt viel Routine. Und einer, dessen erste Maßnahmen in seiner noch jungen Karriere als Headcoach bereits Früchte tragen.
Beim Papa schon in die „Lehre“ gegangen
Der neue Trainer der Scorpions hatte sozusagen sehr früh einen Trainer, der ihm das Traineramt nahe brachte: Bereits mit neun Jahren fing Geronimo De Pauli an, seinen ebenfalls als Football-Coach arbeitenden Vater Cesare De Pauli als Assistent zu unterstützen. Als Teenager coachte er Jugendteams, darunter die U 16 und U 19 der Scorpions, und gehörte dem Trainerstab an, der die Frauenmannschaft des Clubs aus Degerloch, die Scorpions Sisters, 2022 zur deutschen Meisterschaft führte. Das alles natürlich parallel zu seiner Spielerkarriere, die ihn zu den Stationen Holzgerlingen Twister, Tübingen Red Knights und Stuttgart Scorpions führte – mit einem einjährigen Zwischenstopp beim US-Team der Northwood High School in Nappanee/Indiana.
Station in den USA
„Football bedeutet mir sehr viel“, sagt De Pauli – der für seine sportliche Passion auch an die eigene Schmerzgrenze ging. Bei den Northwood Panthers spielte er eine gesamte Saison bei beiden Teams der Schule. Freitagabend bei der Reserve, Samstagvormittag bei der ersten Mannschaft. Als die Footballsaison vorbei war, übte er sich in Ringen und Leichtathletik – und dies, obwohl er sich bereits im dritten Spiel der Football-Runde das Innenband im Knie angerissen und die Kniescheibe angebrochen hatte. „Es gehört beim Football dazu, dass man mal Wehwehchen hat“, sagt De Pauli. „Ich habe das dann operieren lassen, als ich wieder zurück in Deutschland war.“ Wenig überraschend, dass eine Tugend des Spielers Geronimo De Pauli auch eine des Trainers Geronimo De Pauli ist: „Ich lege sehr viel Wert auf Disziplin.“ Außerdem können dem 23-Jährigen zwei weitere Tugenden schwerlich abgesprochen werden: Zielstrebigkeit und Ehrgeiz. Die Scorpions standen nach dem Abstieg in die Regionalliga vor einem Neuaufbau – auch in Sachen Trainerteam. De Pauli wandte sich deshalb an die stellvertretende Vorsitzende Daniela Ruis: „Wenn ihr keinen Sechs-Sterne-Trainer findet – ich könnte den Job übernehmen.“ Drei Wochen später kam die Rückfrage von Ruis: „Steht dein Angebot noch?“ De Pauli bejahte – und hatte den Job. Zwar hatte es einige qualifizierte Kandidaten für das Amt des Headcoaches gegeben, aber eben keinen, dessen Vorstellungen über die weitere Vorgehensweise sich mit den Vorstellungen des Vereins deckte.
Bedingung: Trainerteam selbst zusammenstellen zu können
De Pauli hatte sein Engagement aber an eine Bedingung geknüpft: „Ich wollte mir ein Trainerteam zusammenstellen können.“ Denn, so der kluge Gedanke hinter dem Vorhaben, wenn man ein Trainerteam hat, das in der Lage ist, die Spieler besser zu machen, dann steigt auch die Chance, Spieler aus der Kategorie zu verpflichten, wie sie die Stuttgart Scorpions suchen: jung und hungrig. Zumal sich das Team in absehbarer Zeit vorrangig aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren soll.
Apropos rekrutieren: De Pauli wandte sich in Sachen Trainerteam vorrangig an Menschen, mit denen er bereits zusammengespielt hat. „Acht Trainer sind das Ziel, drei hatte ich schon nach wenigen Tagen beisammen.“. Dabei wurde er auch bei einem anderen Stuttgarter Club fündig: Stuttgart Surge. Dort war bis vor Kurzem noch der neue Defensive Coordinator Christoph Hofer als Spieler aktiv – der auch eine Scorpions-Vergangenheit und ebenfalls eine als Coach hat. Er fungierte bei den KIT Engineers Karlsruhe als Spielertrainer. Was die weiteren Namen betrifft, hält sich der Scorpions-Headcoach, der im bürgerlichen Leben mitten in der Ausbildung zum Physiotherapeuten steckt, noch bedeckt, verrät aber so viel: „Ich kann jetzt schon sagen, dass wir das beste Trainerteam in der Regionalliga haben werden.“
500 Kandidaten kontaktiert
Nun hilft ein Trainerteam ohne Spielerteam nicht wirklich weiter. Zumal das Angebot an Aktiven nicht gerade groß war, als De Pauli übernahm. „In allen Football-Foren im Internet ist schon spekuliert worden, dass wir keine Mannschaft mehr stellen werden“, schildert De Pauli. „Und am Anfang hatten wir auch nur 15 Spieler.“ Doch auch da half die recht lange Kontaktliste, über die er verfügt. Um die 500 Leute hat er kontaktiert, inzwischen stehen über 50 Mann im Kader.
Zu diesem sollen dann auch zwei Amerikaner gehören – ein Runningback und ein Allrounder. Nun kosten Football-Fachkräfte aus dem Ausland ein paar Groschen. Nun gelten die Scorpions als ein Club, der finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Und so brauchte es eine Sonderlösung: „Der Defensive Coordinator und ich verzichten auf unsere Aufwandsentschädigung. Das Geld stecken wir lieber in den Trainerstab und in die zwei Amerikaner“, sagt De Pauli.
Die Weichen sind also gestellt. In welche Richtung es geht, zeigt sich dann ab Anfang April, wenn die Saison 2024 beginnt. „Die Erwartungen von außerhalb an uns sind nicht groß“, vermutet De Pauli. „Aber wenn es nur darum ginge, die Regionalliga zu halten, dann müssten wir auch nichts investieren.“ Einerlei, wie die Runde für den Club nun endet, mit Augenzwinkern betrachtet ist De Pauli vereinsintern ein Titel quasi schon sicher: Rookie of the year – Neuling des Jahres.