Amtseinsetzung in Korntal-Münchingen Ein Bürgermeister vor vielen Herausforderungen

Joachim Winter (rechts) verpflichtete und vereidigte Alexander Noak. Foto: Jürgen Bach

Alexander Noak ist nun offiziell als Rathauschef der Stadt Korntal-Münchingen eingesetzt. Die Krise der Demokratie und der Krieg in Israel kamen auch zur Sprache.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Selten ist eine Sitzung des Gemeinderats so gut besucht wie die am Donnerstagabend im Widdumhof in Münchingen. Wobei sie keine gewöhnliche Zusammenkunft des Gremiums war. Sondern die feierliche Amtseinsetzung des Bürgermeisters Alexander Noak (parteilos).

 

Länger als gedacht hat der 45-Jährige auf diesen Moment gewartet, denn es gab Einsprüche gegen die Wahl am 14. Mai. Nun ließ sich Alexander Noak im Beisein der Familie feiern. Sein Vorgänger Joachim Wolf (parteilos) war verhindert, dafür saßen unter anderem die Amtskollegen Dirk Oestringer aus Gerlingen und Carsten Willing aus Eberdingen, beide parteilos, im Publikum. Auch waren die Landtagsabgeordneten Markus Rösler (Grüne) und Konrad Epple (CDU) da. Und der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier (CDU). Als Chef der Aufsichtsbehörde richtete er Worte an den Bürgermeister – der mittlerweile gar nicht mehr so neu ist im Amt und seit seinem ersten Arbeitstag am 8. Juli viel zu tun hat. Klar war auch, dass die Redner auf den Krieg in Israel eingehen würden. Ebenso war die unter Druck stehende Demokratie Gegenstand der Grußworte.

Job des Bürgermeister als Berufung

„Wurzel der Demokratie“ nannte Joachim Winter, CDU-Stadtrat und Noaks ehrenamtlicher Stellvertreter, die kommunale Selbstverwaltung – die Kommunen in Deutschland dürfen alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich regeln. Joachim Winter verpflichtete und vereidigte Alexander Noak. Er erinnerte an den Slogan, mit dem der bis dato Erste Beigeordnete im Rennen um das Bürgermeisteramt siegte: „Bewährtes fördern, Neues wagen“, im Fokus stets das Wir. Im Wahlkampf habe die Bevölkerung großes Interesse an den Bewerbern gezeigt. Daher habe er keine Angst vor dem Verlust der Demokratie, sagte Joachim Winter, der zudem ein Zitat des Sozialdemokraten Kurt Schumacher mitbrachte: „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit.“ Noak habe sich mit etlichen Themen auseinanderzusetzen, sei es die finanzielle Situation der Stadt, ihre langfristige Entwicklung oder ihre Dienstleistungen.

Der Landrat Allgaier sagte, der Job des Bürgermeisters sei nicht nur ein Beruf, sondern Berufung. Unter anderem ein großes Stehvermögen sei unabdingbar, gerade in der heutigen Zeit. Wie bei einem Marathon müsse sich ein Bürgermeister – Krisenmanager, Finanzkünstler, Bewahrer des Gemeinwesens, Seelsorger, Meister der Bürger eben – seine Kräfte einteilen. Er sei froh, dass mit Noak ein „versierter und erfahrener Fachmann“ das Ruder übernehme, in einer Stadt, die nun Große Kreisstadt werden könne, so Allgaier, ehe er auf Noaks Werdegang blickte. Sicherlich treibe er die angestoßenen Zukunftsprojekte voran und setze zugleich eigene Akzente. Auch betonte der Landrat die Bedeutung von Städtepartnerschaften vor allem in Krisen. Er gehe davon aus, Noak pflege sie, wie sein Vorgänger es tat, verbunden mit der Hoffnung auf friedvollere Zeiten.

Notfalls auch mal „unpopuläre Entscheidungen“

Alexander Noak kündigte an, mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung die Stadt zukunftssicher zu machen. Zukunftssichernde Ressourcen – Vereine und Organisationen, vielfältige Bildungseinrichtungen, ein starkes Gewerbe, attraktive öffentliche Einrichtungen – würden Zeugnis der Leistungskraft und -fähigkeit der Stadt ablegen. „Diese Ressourcen zu pflegen, zu fördern und auszubauen, sehe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben“, sagte der Rathauschef. Und, dass er sich eine Kultur des Für- und Miteinanders wünsche sowie gegebenenfalls auch mal „unpopuläre Entscheidungen“ treffe, wenn dies zum Wohle der Gemeinde sei.

Alexander Noak nutzte sein Schlusswort auch dafür, um auf die aus seiner Sicht bedenklich stimmende Entwicklung landauf und -ab aufmerksam zu machen: die geringe Wertschätzung der demokratischen Privilegien. Der Rechtsstaat werde allzu oft als eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Dabei seien die demokratischen Grundwerte hart umkämpfte Privilegien – für die sogar heute noch, ganz aktuell, Kriege geführt würden. „Demokratie erfordert überzeugte Demokraten“, meint der Rathauschef. Sie müsse jeden Tag gelebt werden, notfalls erstritten.

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