Anerkennung von Abschlüssen Wer etwas gelernt hat, soll willkommen sein

Für die Bundesregierung und die Arbeitgeber ist die erleichterte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse eine Erfolgsgeschichte. Die Opposition äußerte sich kritisch.

Ministerin Wanka bei der Pressekonferenz. Foto: dpa
Ministerin Wanka bei der Pressekonferenz. Foto: dpa

Berlin - Für die Bundesregierung und die Arbeitgeber ist die erleichterte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse eine Erfolgsgeschichte. Die Opposition äußerte sich kritisch.

Seit einem Jahr können Migranten einige Berufsabschlüsse, die sie im Ausland erworben haben, in Deutschland leichter anerkennen lassen. Sie haben das Recht auf Prüfung der eigenen Qualifikation. Ein Antrag muss nach spätestens drei Monaten bearbeitet sein. Die Regelung gilt in allen Berufsfeldern, für die der Bund zuständig ist, und in fünf Bundesländern. Zielgruppe der Gesetzesnovelle waren zunächst vor allem jene in Deutschland lebenden Zuwanderer, die zwar gut qualifiziert sind, aber allein aufgrund der fehlenden Anerkennung ihres Berufsabschlusses trotz Fachkräftemangels einfacheren Beschäftigungen nachgehen müssen oder arbeitslos sind. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) schätzt, dass dies in Deutschland auf 300 000 Menschen zutrifft. Gemessen daran wertet sie es als Erfolg, dass bereits im ersten Jahr rund 30 000 Anträge gestellt worden sind. Die Erfolgsquote der Verfahren sei sehr hoch.

Im Ausland werben

Künftig will Wanka auch im Ausland verstärkt mit dem Angebot der Anerkennung von Berufsabschlüssen um Fachkräfte werben. Deutschland sei angesichts des Fachkräftemangels darauf angewiesen, eine Willkommenskultur zu entwickeln. Die erleichterte Anerkennung der Abschlüsse sei dazu ein Beitrag. Der Bundesverband Deutscher Arbeitgeber lobte die neue Regelung als Beitrag zu einem dringend notwendigen Mentalitätswechsels. SPD, Grüne und Linke kritisierten, dass das Verfahren zu kompliziert und überdies für die Antragsteller mit Kosten von durchschnittlich 420 Euro zu teuer sei. Außerdem fehle es an Weiterbildungsangeboten.

Für Berufe, in denen die Länder die Federführung ­haben – zum Beispiel Ingenieure, Lehrer oder Architekten –, müssen Landesgesetze geschaffen werden. Die Länder haben sich dazu auch bereit erklärt. Bisher haben fünf Bundesländer eine entsprechende Gesetzesnovelle verabschiedet. Baden-Württemberg zählt nicht dazu, will aber noch vor der Sommerpause einen entsprechenden Entwurf im Kabinett verabschieden.

400 Anträge

Aus dem Integrationsministerium von Bilkay Öney (SPD) heißt es, der Entwurf werde zurzeit mit den beteiligten Ministerien abgestimmt. Dennoch, betont Öney, sei die Anerkennung ausländischer Abschlüsse bereits möglich. Allein in den Beratungszentren in Stuttgart und Mannheim wurden seit April 2012 rund 3400 Erstberatungen gezählt. Weitere Zentren gibt es in Ulm und Freiburg.

Mit 400 Anträgen auf Anerkennung einer ausländischen Qualifikation liegt Baden-Württemberg dem Ministerium zufolge auf Platz drei hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Ministerin sagte der Stuttgarter Zeitung: „Das Thema Anerkennung wird uns in Zukunft stärker beschäftigen. Im Moment ist der Andrang nicht sehr groß. Allerdings rechne ich damit, dass die Nachfrage aus den EU-Ländern, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind, stärker steigen wird“. Sie empfehle, schon vor der Abreise Anträge zu stellen.




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