Anhörung im Landtag Kein Umstieg auf G9 aus der Mittelstufe

Die Entscheidung steht im Grundsatz fest: Nun soll es an die Ausgestaltung des neuen G9 gehen. Foto: dpa/Marijan Murat

Bei einer Anhörung im Landtag zum geplanten Umstieg von G8 auf G9 forderten die Initiatorinnen des erfolgreichen Volksantrag ein schnelles Vorgehen. Der Städtetag warnte, wegen des zu befürchtenden Zustroms auf die Gymnasien könnten mancherorts „Container-Lösungen“ nötig werden.

 

Mehr als sieben Jahre haben Anja Plesch-Krubner und Corinna Fellner für die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums gekämpft. Nach einem „langen und steinigen Weg“ seien sie nun „an diesem Pult“ angekommen, sagten die beiden Initiatorinnen des G9-Volksantrags am Donnerstag bei einer Anhörung im Landtag. Sie machten keinen Hehl aus ihrer Freude über den „Wahnsinnserfolg“, dass sie mit rund 107 000 Unterschriften nicht nur den Landtag zwingen können, sich mit ihrem Antrag zu befassen. Froh sind sie auch, dass es in der Landesregierung jetzt „nicht mehr darum geht, ob, sondern nur noch wann und wie“ G9 wieder eingeführt wird. „Gute Bildung und Persönlichkeitsentwicklung brauchen Zeit“, betonten die beiden Mütter, deren Kinder selbst bei einer Umstellung auf G9 „nicht mehr profitieren werden“, wie sie sagten.

Anja Plesch-Krubner und Corinna Fellner betonten, dass sie für eine „schnellstmögliche“ Wiedereinführung einer längeren Gymnasialzeit sind. Man dürfe auch „die Kinder, die noch Corona im Gepäck haben, nicht vergessen“, sagte Fellner. Anja Plesch-Krubner erklärte dazu, Schulleiter hätten ihnen bestätigt, dass man die Wiedereinführung von G9 schon zum Schuljahr 2024/25 umsetzen könnte. Diese Forderung zielt darauf ab, dass bei einem sehr schnellen Umstieg auf G9 auch Schüler, die bereits die Mittelstufe eines Gymnasiums besuchen, noch von einer Verlängerung der Schulzeit profitieren könnten.

Volker Schebesta, CDU-Staatssekretär im Kultusministerium, äußerte an der Stelle nur, was bereits Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) erklärt hatte: Die Rückkehr zu G9 könne frühestens im Schuljahr 2025/26 erfolgen. Man werde „das pädagogische Konzept und die Stundentafel anpassen“, erklärte er, Konkreteres gab es dazu nicht. Man werde bei der Umstellung aber auf jeden Fall mit Klasse fünf und vielleicht auch mit Klasse sechs beginnen. „Eine Option, ab der Mittelstufe zu G9 zu wechseln, ist nicht vorgesehen“, so Schebesta.

Die beiden Initiatorinnen warnten das Land, sollte der Landtag ihren Gesetzesvorschlag ablehnen und das Kultusministerium an dessen Stelle keinen für sie annehmbaren Kompromissvorschlag machen, würden sie den Weg eines Volksbegehrens beschreiten. Bisher habe das Land mit ihnen noch nicht über ihr Konzept und die eigenen Pläne gesprochen. Man sei aber zum Dialog bereit. Sollte das Kultusministerium einen Kompromiss anbieten, „der in unserer Nähe ist“, werde man auf weitere Schritte verzichten. „Sprechen Sie mit uns“, sagten Anja Plesch-Krubner und Corinna Fellner.

In der Anhörung ging es allerdings mehr um die Frage, wie Städte und Gemeinden als Schulträger mit der Rückkehr zu G9 zurecht kommen werden. Die Initiatorinnen des Volksantrags gehen nicht von einem starken oder allenfalls von einem vorübergehend stärkeren Zuwachs der Schülerzahlen an den Gymnasien aus. Und sie rechnen „mit keiner relevanten Sogwirkung auf andere Schularten“. Das sehen Norbert Brugger, zuständiger Dezernent beim Städtetag Baden-Württemberg, und Steffen Jäger, Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags, allerdings völlig anders.

Brugger schilderte die „besonderen Herausforderungen“, vor denen die Kommunen im Bereich der Bildung stehen. Er nannte etwa die Digitalisierung der Schulen und den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Schon das erfordere viel Kraft und viel Geld. „Wir können nicht alles gleichzeitig machen“, so Brugger. Mit Blick auf die Umstellung auf G9 in Bayern, sagte Brugger, dort seien den Kommunen 500 Millionen Euro zugesagt worden, etwa für nötige Baumaßnahmen. Brugger: „Das erwarten wir auch von unserem Land.“ Denn viele Gymnasien werde man ausbauen müssen. Schon jetzt platzten manche von diesen „aus allen Nähten“. Der Dezernent beim Städtetag hält es deshalb durchaus für eine „realistische“ Einschätzung, dass man mancherorts durch den noch wachsenden Zulauf auf die Gymnasien erst einmal auf „Container-Lösungen“ werde zurückgreifen müssen. Das Land müssen bei diesem Schritt, der sich auf das ganze Schulsystem auswirken werde, die heutige „Vielgliedrigkeit überdenken“.

Steffen Jäger betonte, das Land dürfe keine Zusagen machen, „die nicht realistisch erfüllbar sind“. Angesichts der vielen anstehenden Themen insbesondere im Grundschulbereich bezweifelt Jäger, dass die Umstellung auf G9 zu den drängendsten Fragen gehört. Schon jetzt liege die Übergangsquote aufs Gymnasium bei 45 Prozent. Jäger geht davon aus, dass diese Quote deutlich steigen wird. Deshalb fordert er eine „bessere Steuerung“ der Schülerströme durch eine „verbindliche Grundschulempfehlung“. Diesem Ansinnen schließen sich auch die Initiatorinnen des Volksantrags an. Anja Plesch-Krubner erklärte dazu , man sei ebenfalls für eine „verbindlichere Grundschulempfehlung“. Das neue G9 solle „kein leichtes Gymi werden, sondern Qualität haben“.

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