Anklage wegen Anschlagsplänen auf Rathaus 25-jährige Fellbacherin wollte möglichst viele Menschen umbringen

Im Oktober schockierte die Nachricht eines geplanten Anschlags auf das Fellbacher Rathaus die Region (Archivbild). Foto: Dirk Herrmann

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Pläne einer 25-Jährigen aus Fellbach weiter gingen als bisher bekannt. Sie geht von einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aus. Auch zum Motiv gibt es eine Vermutung.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Die mutmaßlichen Anschlagspläne einer 25 Jahre alten Frau aus Fellbach gegen das Rathaus der Stadt gingen offenbar weiter als bisher angenommen. Dies geht aus einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart hervor. Die Behörde hat jetzt Anklage gegen die Frau erhoben – unter anderem wegen des Verdachts auf eine schwere staatsgefährdende Gewalttat, der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

 

Unmittelbar nach der Festnahme der Frau im vergangenen Oktober hatten Polizei und Rathaus noch kommuniziert, man gehe davon aus, dass sich die Aggressionen und mutmaßlichen Gewaltpläne schwerpunktmäßig gegen einen bestimmten Mitarbeiter des Fellbacher Rathauses gerichtet hatten. Mit diesem lag die Bewohnerin einer Sozialunterkunft offenbar im Clinch – warum, ist derzeit nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass die Frau bereits seit dem Jahr 2021 ernsthaft geplant haben soll, nicht nur „bestimmte im Rathaus beschäftigte Mitarbeiter der Stadt Fellbach sowie eine möglichst große Zahl an unbeteiligten Personen“ umzubringen, sondern sie habe ihre Amokfantasien im Jahr 2023 auch auf das Amtsgericht Waiblingen ausgeweitet.

Die 25-Jährige wird seit Jahren immer wieder straffällig

Der Grund für den Groll der Frau auf diese Einrichtung: Bei mehreren Verfahren saß sie dort der Anklagebank. Bei einer Verhandlung im November – als sie bereits wegen des mutmaßlichen Anschlagsplans auf das Fellbacher Rathaus in Untersuchungshaft saß – wurde offenbar, dass die 25-Jährige schon einmal eine Rathausmitarbeiterin am Telefon auf übelste Weise mit dem Tod bedroht hatte. Im Jahr 2022 trat sie nach einem Streit einer 86-Jährigen in den Rücken. Und schon 2012 soll sie an der Albert-Schweitzer-Schule in Fellbach einen Amoklauf angekündigt haben.

Bislang hatten sich die Ermittler mit Details zu der geplanten Tat im Fellbacher Rathaus zurückgehalten. Nun haben sie bekannt gegeben, dass die 25-Jährige vorgehabt haben soll, im Rahmen eines Amoklaufs Bomben, umgebaute Schusswaffen, Brandsätze sowie Hieb- und Stichwaffen einzusetzen. Dafür soll sie sich bereits Schreckschuss- und Gasdruckpistolen sowie Hieb- und Stichwaffen besorgt und Schwarzpulver für Rohrbomben selbst hergestellt haben.

Gegen die Frau bestand ein Waffenbesitzverbot

Schreckschuss- und Gasdruckwaffen sind in Deutschland ab 18 Jahren eigentlich frei verkäuflich. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärt allerdings, gegen die Frau sei ein sogenanntes „vollziehbares Waffenbesitzverbot“ erlassen worden. Ein solches können Behörden gegen Personen laut dem Waffengesetz verhängen, bei denen der begründete Verdacht besteht, sie könnten drogenabhängig, psychisch krank oder persönlich ungeeignet zu sein, eine Waffe zu besitzen – oder aus anderen Gründen, wenn damit eine Gefahr für die allgemeine Sicherheit verhütet werden kann.

Die Staatsanwaltschaft vermutet weiter, die beschuldigte deutsche Staatsbürgerin habe „mutmaßlich aus staats- und fremdenfeindlicher Motivation heraus“ gehandelt. „Diese Erkenntnisse ergeben sich aus sichergestellten und im Rahmen der durchgeführten Ermittlungen ausgewerteten Beweismitteln“, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Weitere Auskünfte dazu will er nicht machen, um einer möglichen Gerichtsverhandlung nicht vorzugreifen. Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sagte damals, in der Vergangenheit sei die Frau schon vielfach auffällig gewesen. Die Stadt und die Polizei hätten mehrfach versucht, ihr zu helfen. Es sei aber nicht gelungen, die Frau in Obhut zu nehmen oder in eine geschlossene Einrichtung einweisen zu lassen.

Ans Licht kamen die mutmaßlichen Anschlagsplan durch einen Zufall. Die Frau war mit Nachbarn ihrer Sozialunterkunft in Streit geraten, aus diesem Grund sollte sie von ihrer Sozialunterkunft in eine andere Unterkunft in Fellbach verlegt werden. Beim Umzug fanden Mitarbeiter des Umzugsunternehmens verdächtige Unterlagen und Gegenstände und verständigten die Polizei. Diese durchsuchte die Wohnung der Frau. Die Beamten entdeckten dabei offenbar genug Beweise, worauf ein Richter einen Haftbefehl gegen die Frau erließ. Seitdem sitzt die 25-Jährige in Untersuchungshaft. Wie viel Zeit damals noch gefehlt hätte, damit die Frau ihre mutmaßlichen Pläne in die Tat hätte umsetzen können, ist nicht bekannt.

Die Frage, ob die Voraussetzungen für eine Unterbringung der Angeschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus vorliegen, soll in einer Hauptverhandlung vor dem Landgericht Stuttgart geklärt werden. Wann diese beginnt, wird noch bekannt gegeben.

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