Anrey feiert Abschied im Citizen Long Von Stuttgart nach Dubai – ein DJ im Glück

DJ Anrey (links) feiert Abschied mit den Kollegen Chris Hirose und Re.You (rechts). Foto: /Marc Cintean

Auflegen, feiern, alle in Ekstase versetzen: Anrey ist der König vieler Partys. Im Citizen Long feiert der Stuttgarter Abschied – denn es gelingt ihm ein großer Schritt in seiner Karriere nach Dubai. Ein Leben für die Musik. Was muss ein guter DJ können?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Wo sich einst die Kantine der Commerzbank befand, erfreut das vietnamesische Geschwisterpaar Ngon Dinh und Hoang Phamurbaner seine Gäste mit urbanem Lifestyle und kreativer Fusionsküche – und das im Schatten eines Wahrzeichens der City, der Stiftskirche. Nur an wenigen Orten ist Stuttgart so weltstädtisch wie hier.

 

Das 2019 eröffnete Citizen Long ist mehr als ein hochgelobtes Restaurant. Long ist der Name eines Drachens und gilt als Glückssymbol in der asiatischen Mythologie. Werden die Tische weggeräumt, entsteht ein cooler Club, der mit kosmopolitischer Offenheit punktet. Der 1995 in Bukarest geborene Andreas Reith, der als Anrey einer der meist beschäftigten DJs von Stuttgart ist, aber auch zwischen Zürich und Ibiza auflegt, hat sich bewusst für diese international bestechende Location entschieden, um seine Freunde einzuladen, eine bunte Mischung der heimischen Musik- und Gastroszene. Allen sagte er vorher, er wolle den siebten Geburtstag seiner DJ-Karriere feiern, aber dann lässt er hinter dem Pult am Mikrofon strahlend die Katze aus dem Sack.

Resident-DJ „im besten Club des Mittleren Westens“

„Das ist meine Abschiedsfeier“, ruft DJ Anrey, der in seinen speziellen House-Mix oft orientalische Rhythmen einfließen lässt. Nach dem Volksfest, wo er in der Ta Os Lodge im Zelt von Klaus & Klaus auflegt, werde er nach Dubai ziehen. Seine Wohnung gebe er auf, sein Auto habe er bereits verkauft.

Dies sagt einer, der frisch verliebt ist, erst seit vier Wochen mit einer jungen Frau aus Zürich liiert, einer, der im Citizen Long sieht, wie gut vernetzt und beliebt er in seiner Home Base ist. Doch nun lässt er das Vertraute, das Geliebte zurück, um ein Angebot anzunehmen, das er vom „besten Club des Mittleren Westen“ bekommen habe.

Der junge Stuttgarter wird Resident DJ im Nightclub Penthouse des Five Hotels, das zu den besten Adressen in Dubai gehört. Dies sei „ein großer Schritt in seiner Karriere“. Sein Leben hat der frühere Student der Sportwissenschaften und des Medienmanagements ganz aufs DJ-Dasein fokussiert.

Bei der Abschiedsparty tragen viele schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „No Backstage Yet“ (noch kein Backstage). Die Rückseite ist mit der Gästeliste bedruckt – alle sind namentlich aufgelistet, die er eingeladen hat. Der Backstage-Bereich eines DJ ist sagenumwoben. „Mit Rammstein“ habe dies nichts zu tun, sagt Anrey. Die Stars der DJ-Szene lassen ein kleines Paradies hinter ihrem Arbeitsplatz errichten. Wird ihn dies auch in Dubai erwarten?

DJ ist ein Traumjob von vielen jungen Menschen. Auf seinem Stick hat Anrey 2000 Stücke, spielt aber in aller Regel an einem Abend „nur“ 100. DJ ist kein Ausbildungsberuf. Der Stuttgarter hat sich „alles selbst beigebracht“. In München, wo er studiert hat, kaufte er sich ein DJ-Equipment, schaute sich im Netz Tutorials an, um zu wissen, wie man die Geräte bedient. Dann besuchte er Clubs mit dem Notizblock, fragte DJs, ob er sie bei der Arbeit beobachten dürfte und notierte, was ihm wichtig erschien.

Was muss ein guter DJ können? „Er sollte die Leute lesen können“, antwortet Reith, „öfter mal mit Songs überraschen, nicht einfach eine Setliste abspielen, sondern spontan das bringen, von dem er glaubt, dass es gerade jetzt in diesem Moment einschlägt.“

Höher, größer, weiter, lauter – Dubai steht für Superlative

Der Markt für DJs sei „völlig übersättigt“. Nur dann habe man eine Chance, wenn man anders als die anderen sei. Deshalb spielt der 28-Jährige besonders gern, was er daheim zusammengemischt hat. In seinen Remixes tauchen etwa neu arrangierte Rhythmen aus Hits von Whitney Houston oder Michael Jackson auf, die er in seinem Stil wiedergibt.

Es wird nicht leicht für ihn, etwa 6200 Kilometer von daheim entfernt. An fünf Tagen in der Woche wird er auflegen, an wechselnden Orten, oft vor Tausenden von Menschen.

Doch für Anrey fühlt sich das gut an. Schlechte Tage mit Heimweh blende er mit Musik aus. Höher, größer, weiter, lauter – Dubai steht für Superlative. Während die einen dort gar nicht wissen, wohin mit all ihrem Geld, leben andere in Armut. Diese andere Seite will er nicht übersehen. Regelmäßig wird er via Instagram die Community daheim informieren, was er erlebt, natürlich auch seine Eltern, die beide Zahnärzte sind, und seine Schwester.

Der Familienrat tagte

Als es darum ging, einen DJ-Namen für ihn zu finden, tagte der Familienrat. Von der Mutter stammte die Idee, den Namen Andreas Reith in Anrey zu verwandeln, mit dem Y am Ende, weil das internationaler ist als ein I. Vom 29. Oktober an, frohlockt er, bietet Eurowings einen Direktflug von Stuttgart nach Dubai. Auf Besuche freut sich Anrey.

Seine Freundin wird kommen, um mit ihm im Dezember seinen Geburtstag und Weihnachten zu feiern. Erstmals werde er das Christfest nicht daheim bei den Eltern verbringen. Seine geliebte Musik verlangt dies. Einen Plan B gibt es für Anrey nicht.

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