Anti-Aging für die Augen Was bringen Laser und neue Linsen?
Die Augen werden im Alter nicht besser. Oder geht es doch ohne Brille? Welche Optionen es bei Anti-Aging für die Augen gibt, welche Risiken – und wovon es besser ist, die Finger zu lassen.
Die Augen werden im Alter nicht besser. Oder geht es doch ohne Brille? Welche Optionen es bei Anti-Aging für die Augen gibt, welche Risiken – und wovon es besser ist, die Finger zu lassen.
Von Mitte 40 an geht es los: Das Auge kann im Nahbereich nicht mehr gut scharf stellen. Alterssichtigkeit entsteht durch einen physiologischen Prozess, der irgendwann jeden von uns erwischt. Und wer weiterhin keine Brille tragen will?
Gleich vorweg: Ein Sehtraining bringt bei Alterssichtigkeit nichts. „Das Problem ist nicht ein zu schwacher Ringmuskel, sondern die sich im Laufe des Lebens verändernde Augenlinse“, sagt Adrian Gericke, Leitender Oberarzt an der Universitätsaugenklinik in Mainz. Die Augenlinse verliere Wasser, werde deshalb dichter und könne sich nicht mehr so gut zusammenziehen. Es gibt bei Alterssichtigkeit zwei Optionen. Erstens: Monovision mittels Laser. Ein Auge wird auf Kurzsichtigkeit eingestellt, das zweite Auge sieht in der Ferne scharf. Unser Gehirn wählt automatisch das jeweils passende Bild aus. Es ist aber ratsam, die Monovision vorab mit Kontaktlinsen zu simulieren. Etwa 60 Prozent der Patienten kommen damit klar. Die anderen 40 Prozent nicht. Die Monovisions-OP erfolgt mit einem Laser, der die Hornhaut der beiden Augen entsprechend verändert.
„In 95 Prozent der Fälle führt sie zu einem sehr guten Ergebnis“, sagt Felix Wagner, ein Mitarbeiter Gerickes. Das größte Risiko sei eine leichte Über- oder Unterkorrektur von plus oder minus 1/4 Dioptrie. „Die Patientengruppe der Alterssichtigen ist über 40 Jahre alt. Bei ihnen treten nach laserchirurgischen Eingriffen an der Hornhaut besonders häufig trockene Augen auf“, so Gericke. Und die machen blendungsempfindlicher. Kosten: 4000 bis 5000 Euro.
Aufgepasst beim Presby-Laser zur Korrektur der Alterssichtigkeit. Dabei wird ein multifokales Muster in die Hornhaut gelasert, um die Nahsicht zu verbessern. Laut den Mainzer Augenspezialisten liefert das Verfahren keine guten Ergebnisse. So sei es zum Beispiel nicht möglich, die Veränderungen an der Hornhaut rückgängig zu machen.
Zweitens: Multifokallinsen. Es handelt sich um eine spezielle Kunstlinse, die bei Alterssichtigkeit oder im fortgeschrittenen Alter bei grauem Star die körpereigene Augenlinse dauerhaft ersetzt. Was Sie wissen sollten: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei grauem Star nur eine sogenannte monofokale Linse.
Damit sieht man künftig auf eine bestimmte Distanz ohne Brille scharf, zum Beispiel in die Ferne. Für den Nahbereich bleibt in diesem Fall eine Lesebrille erforderlich. Die Alternative hierzu sind die Multifokallinsen; sie allerdings müssen selbst bezahlt werden. Multifokallinsen sind bei bestimmten Vorerkrankungen der Augen wie Netzhauterkrankungen oder nicht korrigierbaren Unregelmäßigkeiten der Hornhaut allerdings überhaupt nicht geeignet. Mitunter produzieren sie auch kleine Lichtringe um Lichtquellen, sogenannte Halos.
Neben den Multifokallinsen gibt es neuerdings eine weitere Gruppe von Kunstlinsen, die EDOF-Linsen (EDOF steht für Extended Depth of Focus = erweiterte Tiefenschärfe) mit individuell geformter Oberfläche. „Sie vergrößern die Tiefenschärfe, wodurch sie ebenfalls den Nah- und Mittelbereich oder den Mittel- und Fernbereich scharf darstellen können“, erklärt Wagner.
Das Risiko einer Halo-Bildung sei hier nicht gegeben. Für die Behandlung der Alterssichtigkeit gibt es neuerdings multifokale Implantate („Phake Implantate“). „Diese implantierten Kontaktlinsen entsprechen Multifokallinsen, die vor die normale Augenlinse angebracht werden“, erklärt Gericke. „Tritt dann irgendwann im Laufe des Lebens bei dem Patienten ein grauer Star auf, ist es möglich, diese Implantate gemeinsam mit der getrübten Augenlinse durch eine Multifokallinse zu ersetzen.“
Multifokallinsen für beide Augen kosten zusammen ungefähr 3000 Euro: „Werden Multifokallinsen bei einem grauen Star als Ersatz für die getrübte Linse eingesetzt, dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Operationskosten, nicht aber die Kosten der Multifokallinsen“, sagt Gericke. Mehr ein zweifelhaftes Versprechen auf die Zukunft hingegen sind Tropfen gegen die Alterssichtigkeit. In der EU sind diese Augentropfen zur Behandlung der Alterssichtigkeit nicht zugelassen, in den USA dagegen schon, und zwar unter dem Namen Vuity.
Sie eignen sich für Behandlung der Alterssichtigkeit in der Altersgruppe zwischen 40 und 55 Jahren und enthalten den Wirkstoff Pilocarpin, der auch für die Therapie des Glaukoms zugelassen ist. Das Präparat verengt die Pupille.
Wie groß ist der Effekt? „Wer 40 bis 50 Jahre alt ist und die Zeitung gerade nicht mehr lesen kann, ist mit den Augentropfen hierzu in der Regel wieder in der Lage“, sagt Felix Wagner. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, und es besteht ein Fahrverbot bei Dunkelheit.