Anti-Mobbingkurs in Bietigheim-Bissingen Besser Kinder stärken als Erwachsene heilen

Die falsche Kackwurst auf der Hand steht symbolisch für Beleidigungen. Dadurch sollen die Kinder lernen, dass sie nicht alle Bemerkungen annehmen müssen. Foto: Andreas Essig

Um auf Mobbing richtig reagieren zu können, schult das Programm „Löwenherz Kids“ Mädchen und Jungen. So jetzt an der Waldschule in Bietigheim-Bissingen.

Digital Desk: Laureta Nrecaj (nre)

Sind die Beleidigungen richtig, die diese Person dir sagt? Nein? Dann ist es auch nicht wichtig. Diese Denkweise möchte Kathrin Schunger Kindern vermitteln, damit sie mit Konflikten besser umgehen. Anstatt wie ein Schaf auf negative Bemerkungen einzugehen und selbst beleidigend zu werden, sollte man sich wie ein Löwe verhalten – gelassen bleiben.

 

Vor diesem Hintergrund entwickelte die Resilienztrainerin vor drei Jahren die Mobbing-Präventionskurse „Löwenherz Kids“. Sie bringt Kindern bei, wie sie ihr Selbstbewusstsein stärken und Grenzen setzen. Es sei wichtig, dass Kinder früh lernen, Streitigkeiten zu deeskalieren, um Mobbing und Gewalt zu vermeiden. Beschäftige man sich weder im Kindergarten noch in der Schule damit, könnte es später, auch im Erwachsenenalter, zu größeren Problemen kommen. „Dann habe ich Leute, die richtig belastet sind, die im schlimmsten Fall depressiv werden und sich beim Therapeuten behandeln lassen“, sagt Schunger. „Wäre es nicht schlauer gewesen, ganz vorne anzufangen? Es ist einfacher Kinder zu stärken, als Erwachsene zu heilen.“

Mit dem Superheldentraining das Selbstbewusstsein stärken

Um das den Kindern beizubringen, baut Kathrin Schunger ihre Kurse als Superheldentraining auf. In jeder Stunde vermittelt sie ihnen Fähigkeiten wie Mut. Zudem zeigt sie den Kindern, wie sie ein Schutzschild aktivieren, das aus positiven Gedanken besteht. Wenn sie beleidigt werden, sollen sie nicht darauf hören, sondern sich an schöne Momente oder Lieblingsorte erinnern sowie an die guten Menschen, die sie lieben.

Ob die Kinder die Übungen umsetzen können, testet Schunger mit „Stressika“. Mit der Figur fängt sie an, zu provozieren. Die Kinder sollen jedoch nicht reagieren, sondern zu Freunden gehen – Menschen, die sie mögen. Außerdem packt sie ein Geschenk sowie eine falsche Kackwurst aus: Das Geschenk steht für Worte, die man gerne annimmt. Die Kackwurst für negative Bemerkungen, die man nicht annehmen muss. „Lasst ihr die Beleidigungen an euch ran, ist es so, als würdet ihr diese Kackwurst annehmen.“ Mit Symbolen oder realen Situationen zu arbeiten, helfe, das zu verinnerlichen.

Auch das Tiermodell soll vermitteln, nicht auf Provokationen einzugehen. Dabei setzt Schunger auf ihre Freunde: die Mücke, das Schaf und den Löwen. Die Mücke versucht sowohl den Löwen als auch das Schaf zu ärgern. Das Schaf geht darauf ein und beleidigt die Mücke ebenso. Der Löwe bleibt ruhig und ignoriert die Bemerkungen. Er weiß, dass diese nicht der Wahrheit entsprechen. Somit ist der Löwe der Einzige, der aus der Situation mit einem positiven Gefühl geht.

Um die Situation zu verstehen, muss diese hinterfragt werden

Damit die Kinder die Figuren hinterfragen, stellt Schunger immer wieder die Frage: „Ist es richtig, was Stressika oder die Mücke sagen?“ Als die Kinder verneinen, ergänzt sie: „Dann ist es auch nicht wichtig.“ Außerdem fragt sie, warum Stressika und die Mücke andere ärgern. Sie erklärt, dass beide eine große Wut in sich tragen und diese an anderen auslassen möchten, um sich besser zu fühlen. Man müsse das nicht persönlich nehmen. „Mobbing entsteht ja letztlich immer dadurch, dass ein Bedürfnis nicht erfüllt ist“, sagt Schunger. „Da ist ein Kind, dem geht es nicht gut, das möchte dazugehören, hat aber keine Ahnung wie er das macht.“ Häufig seien Mobber selbst an anderer Stelle Mobbingopfer. Dass sie sich Aufmerksamkeit wünschen, sei in Ordnung, doch die Art und Weise wie sie umsetzen, nicht.

Schunger betont, dass nicht nur Kinder bei Mobbing-Prävention gestärkt werden müssten – auch Eltern, Lehrer und die Schulen müsse man abholen. Wenn Kinder von Konflikten erzählen, solle man dies ernst nehmen und es die Kinder nicht nur untereinander klären lassen. Stattdessen sollte mit ihnen hinterfragt werden, warum eine Situation auf eine bestimmte Weise verlaufen ist und wie man es anders machen könnte. Zudem sei es wichtig, Impulse gegen Mobbing immer wieder zu wiederholen.

Kurse bei „Löwenherz Kids“

Initiatorin
 Die Kommunikationsleiterin Kathrin Schunger rief die „Löwenherz Kids“ ins Leben, da ihr die mentale Stärkung von Kindern am Herzen liegt. Dafür machte sie eine Ausbildung zur Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin, zur Sport- und Bewegungstrainerin sowie zur Kinderyogalehrerin. Darüber hinaus absolvierte sie weitere Fortbildungen.

Kurse
 Geschult wird auf Anfrage in Kitas und Grundschulen. An drei Terminen besucht Kathrin Schunger die Klassen und erklärt auch den Eltern der jeweiligen Schüler bei Elternabenden ihre Übungen und Tipps. Private und offene Kurse sind mit einer Anmeldung ebenfalls möglich. Die Übungen basieren auf Inhalten, die Schunger in ihren Ausbildungen gelernt hat, in Kombination mit eigenen Ideen.

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