Antonia Gust aus Leonberg Von der Opernbühne zum Ironman

Von Nathalie Mainka 

Antonia Gust ist Opernsängerin. Nach einer ernsthaften Krankheit krempelt sie ihr Leben um.

Antonia Gust: Das Projekt Ironman  ist längst gestartet. Foto: Kathrin Gollackner
Antonia Gust: Das Projekt Ironman ist längst gestartet. Foto: Kathrin Gollackner

Leonberg/Salzburg - Die sportliche Laufbahn von Antonia Gust ist alles andere als eine gewöhnliche. Die 40-Jährige ist in Leonberg aufgewachsen, besuchte das Johannes-Kepler-Gymnasium und sang damals in verschiedenen Chören. „Da merkte ich, dass ich eine gute Stimme habe“, sagt Gust. Nach dem Abitur studierte sie in Mannheim und Bremen klassischen Gesang, nahm in Wien privaten Unterricht. Nach ihrer Ausbildung zog die Opern­sängerin nach Piding nahe Salzburg, wo sie mit ihrem Mann lebt.

Antonia Gusts Leben war bisher von Musik geprägt – abgesehen von ihrer Eiskunstlaufkarriere als Kind, die sie verletzungsbedingt rasch wieder beenden musste. Erst im vergangenen Jahr fand sie so richtig Gefallen am Sport und an der Bewegung. Schon nach kürzester Zeit wurde sie im wahrsten Sinne infiziert. Das große Ziel von Antonia Gust: Im Jahr 2020 möchte sie ihren ersten ­Ironman, die Königsdisziplin der Triathleten, absolvieren. Hierfür muss sie­ ­Ausdauer für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen haben. Klingt verrückt? Ist es in ­gewissem Sinne auch.

Lipödem – eine oft tabuisierte Erkrankung

Denn dass Antonia Gust ihr Leben komplett umkrempelte, hat einen ernsten Hintergrund. Jahrelang litt sie unter der Stoffwechselerkrankung Lipödem. Eine Erbkrankheit, von der die ehemalige Opernsängerin zunächst gar nichts wusste. „Ich habe schon immer gespürt, dass etwas nicht stimmt“, sagt sie. In der Pubertät fing es an, dass ihre Arme und Beine trotz gesunder Ernährung zunehmend dicker wurden. „Das ist ein Tabuthema, man findet kein Gehör und muss mit vielen Vorurteilen kämpfen, natürlich glaubt jeder, dass man heimlich viel isst.“

Ärzte fanden nichts Außergewöhnliches, obwohl die undefinierbaren Zugschmerzen in den Gliedmaßen immer unerträglicher wurden. Bei einer Körpergröße von 1,64 Meter wog sie über hundert Kilogramm. Schon in jungen Jahren mit 20 stand die Frau mit dem klangvollen Lachen auf den großen Bühnen, sang als Mezzosopran bei den Wagner-Festspielen oder an der Wiener Staatsoper. „Zuletzt konnte ich keine fünf Minuten mehr bergauf gehen und beim Singen bekam ich Atemnot“, sagt sie.