Anwohnerfrust in Gärtringen Wenn das Wohnsträßchen zur Ortsdurchfahrt wird
Die Bewohner im Gärtringer Friedhofweg ächzen unter der Last des Umleitungsverkehrs. Auf Hilfe aus dem Rathaus warten sie vergeblich.
Die Bewohner im Gärtringer Friedhofweg ächzen unter der Last des Umleitungsverkehrs. Auf Hilfe aus dem Rathaus warten sie vergeblich.
Simon Fabel steht vor seinem Haus und kann nur mit dem Kopf schütteln. Seit Ende April dieses Jahres hat sich das ruhige Anwohnersträßchen im Norden von Gärtringen, in dem er seit vier Jahren mit seiner Familie wohnt, in eine Hauptstraße verwandelt. Der Grund: Gemeinde und Kreis sanieren seither den sogenannten Feuerwehrkreisel. Der liegt kurz vor dem Feuerwehrhaus am Gärtringer Ortsausgang und verteilt den Verkehr Richtung Deckenpfronn und Aidlingen. Die Umleitungsstrecke führt direkt an Fabels Haus vorbei. Und das wortwörtlich: Das Grundstück grenzt unmittelbar an die Fahrbahn, auf einen Gehweg wurde im Bebauungsplan verzichtet.
„Die Verkehrsmenge hat sich seit der Baustelle verzehnfacht“, sagt er. Und nicht nur das: „Da auch eine Buslinie durch die Straße geleitet wird, hat die Gemeinde ein Halteverbot auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingerichtet. Die verkehrsberuhigende Wirkung der sonst dort parkenden Fahrzeuge fällt dadurch weg.“ Autos und Busse haben freie Fahrt und die kerzengerade Fahrbahn verleitet zum Gasgeben.
Von dem dort geltenden Tempo 30 ist daher nicht viel zu spüren. Autos brettern ohne Rücksicht nur wenige Handbreit an seiner Garageneinfahrt vorbei, Motorradfahrer lassen ihre Maschinen aufheulen und Busse versuchen, den Fahrplan einzuhalten. Vor dem Haus mit Kindern aus dem Auto aussteigen oder Einkäufe aus dem Kofferraum laden, wird zur gefährlichen Angelegenheit. Dass seine Kinder vor dem Haus spielen oder gar Fahrrad fahren, scheint undenkbar. Und mit seinen Sorgen ist Simon Fabel bei weitem nicht allein.
Auch die Nachbarschaft ächzt über die Belastung. Viele Garagen und Vorgärten grenzen mangels Gehweg direkt an die Straße. Ein- oder ausparkende Fahrzeuge verursachen einen Stau und handeln sich mitunter ein Hupkonzert samt Beschimpfungen ein. „Zudem finde ich oft Kippen und Zigarettenschachteln in unserem Vorgarten“, sagt einer der Anwohner. Laut Beschilderung ist der Friedhofweg für den Schwerlastverkehr gesperrt. Doch die Realität sehe anders aus, sagt eine Nachbarin, die häufig Laster beobachtet, die sich den Umweg sparen.
Schon im Mai hat sich Simon Fabel ans Gärtringer Rathaus gewandt. Dort wurde zunächst zugesagt, Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung prüfen zu wollen und womöglich zeitnah umzusetzen. Doch eine Verkehrsschau Anfang Juli sei zum Ergebnis gekommen, dass keine Fahrbahnverengung nötig sei, erfuhren die Anwohner von Bürgermeister Thomas Riesch (CDU) auf Nachfrage. Auch zusätzliche Tempo-30-Schilder, eine Bodenmarkierung, Bremsschwellen oder schlicht Warnbaken lehnte die Verwaltung ab. Lediglich eine Geschwindigkeitsmessanzeige bremst ortseinwärts den Verkehr ein wenig. Ortsauswärts ist sie wirkungslos.
Trotz zahlreicher E-Mails die zwischen Anwohnern und Rathaus hin und her gingen, ist die Situation unverändert. Auf Nachfrage konnte das Gärtringer Rathaus lediglich bestätigen, dass die Beschilderungen zum Durchfahrtsverbot für Lastwagen und am Eingang der Tempo-30-Zone ordnungsgemäß angebracht seien. Auf die Frage, warum bisher keine Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung umgesetzt wurden, bleibt die Gemeinde Antworten schuldig.