Appartement beim Kinderhospiz Ein kleines Stück Familienleben
Auf dem Gelände des Kinder- und Jugendhospiz entsteht ein neues Elternappartement.
Auf dem Gelände des Kinder- und Jugendhospiz entsteht ein neues Elternappartement.
Beim Spatenstich ist selten zu erkennen, wie ein fertiges Gebäude aussehen wird. Am Freitag auf dem Gelände des Kinder- und Jugendhospiz an der Diemershaldenstraße beim Eugensplatz ist das anders: „Wir bauen das Gebäude in die bestehende Pergola, das Dach bleibt bestehen“, erklärt Architekt Rolf Mühleisen. Und deshalb lässt sich schon am Freitag, beim symbolischen Spatenstich ein Stück oberhalb des Hauptgebäudes, der Grundriss des 40 Quadratmeter großen Apartments, das hier für die Familien der im Hospiz untergebrachten Kinder und Jugendlichen entsteht, erkennen.
Im Inneren soll es dann nach Fertigstellung des Gebäudes – in circa einem halben Jahr – eine Küchenzeile, ein Bad und Schlafplätze für die Familien der lebensbegrenzt erkrankten Kinder geben. Also alles, was es für das Familienleben braucht: „Die Familien sollen die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen, runterzukommen, ein Stück Familienleben zu haben“, erklärt Fabian Schulz von Hand in Hand, der Initiative zur Förderung des Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart. Und die Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Michaela Müller ergänzt: „Das Apartment ist wichtig für die Eltern. Auf Grund des Pflegekräftemangels brechen viele Hilfen für sie weg und die Eltern werden deshalb immer mehr belastet. Hier können sie Kraft schöpfen und haben eine kleine Oase.“
Das Elternappartement ist das vierte dieser Art auf dem Gelände des Kinder- und Jugendhospiz. Neben der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ist bei den Appartements, die einige Stufen entfernt am Berg über dem Hospiz liegen, die Nähe zum Hospiz-Hauptgebäude entscheidend. Schließlich möchten die Eltern ganz nah bei ihrem Kind sein – und andersrum: „Die Kinder spüren, dass die Eltern ganz nah sind. Sie spüren die Sicherheit und dass sie Teil des Familienalltags sein können“, erzählt Michaela Müller. Aber auch die Nähe zu den anderen dort untergebrachten Familien habe viele Vorteile, so Müller weiter: „Die Appartements sind auch für die Eltern untereinander wichtig. Sie können sich hier mit den anderen Eltern austauschen. Viele stützen sich, schauen wie andere Familien das machen. Man entwickelt einfach eine Solidarität zueinander“.
Rund 300 000 Euro kostet der Bau des vierten Elternappartements, das alleine durch Hand in Hand, der Initiative zur Förderung des Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart finanziert wird. „Wir sind einfach nur glücklich, dass dieser Tag gekommen ist“, so Kevin Goldberg von Hand in Hand. Schon 2019 habe er mit Kollege Fabian Schulz das erste Mal über die Finanzierung der Appartements gesprochen. Aber Denkmalschutz und Pandemie verzögerten den Bauprozess des Projekts, erzählt er weiter. Die Mittel zur Realisierung stammen aus dem Hand-in-Hand-Spendenlauf, der jedes Jahr in Leinfelden stattfindet.
Zwar sind die Beteiligten sich am Freitag einig, dass das neue Elternappartement ein großer und wichtiger Schritt ist, da das Hospiz aber acht Betten für lebensbegrenzt erkrankte Kinder hat, finden auch künftig nicht alle Eltern und Familien einen Platz: „Es gibt hier auf dem Gelände noch ein Pförtnerhäuschen. Also, wer weiß, was die Zukunft bringt“, so Müller abschließend mit einem hoffnungsvollen Lächeln.